HessenWaldprojekt Wispertaunus spaltet Jäger und Naturschützer

In einem der größten Wälder Hessens mit Eisvögeln und Wildkatzen prallen die Interessen aufeinander. Einschränkungen für Jäger, finanzielle Verluste für Kommunen, mehr Naturschutz - worum geht es?
Geisenheim/Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Um eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Hessens mit seltenen Tieren wie Wildkatze und Bechsteinfledermaus gibt es Streit. Einerseits spricht der Landesjagdverein beim Naturschutzgroßprojekt Wispertaunus im Südwesten des Landes von "Naturschutz auf Abwegen". Andererseits betont die Zoologische Gesellschaft Frankfurt als Projektträgerin die "bundesweite Bedeutung" dieses zu schützenden "Hotspots" der Artenvielfalt.
"Fachlich zu kurz gedacht"
Der Landesjagdverband, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Jagdverein Rheingau kritisierten die "Waldstilllegung" mit "totalem Nutzungsverzicht" bei dem Naturschutzgroßprojekt als "fachlich zu kurz gedacht". Hier treffe Ideologie auf bewährte Waldpraxis. Die Ziele Natur- und Klimaschutz, Rohstofferzeugung, Erholung und Arbeit würden in Hessen schon seit Jahrzehnten auf großer Waldfläche gemeinsam verfolgt.
"Einschränkungen bei Jagdausübung und Wegzugang können die kontinuierliche Bejagung, die Bewirtschaftung und die Erreichbarkeit für Rettungskräfte beeinträchtigen", hieß es weiter. Nach dem künftigen Ablaufen der Förderphase für das Naturschutzgroßprojekt endeten auch die Entschädigungen für Kommunen wegen ihrer gestoppten Waldbewirtschaftung. Damit könnten auf sie neue Folgekosten etwa für die Verkehrssicherung und Wege-Unterhaltung zukommen.
"Die Wälder bleiben zugänglich"
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt wies die gesamte Kritik zurück. "Die Wälder des Wispertaunus bleiben für die Bevölkerung und Jägerschaft zugänglich", teilte die Projektträgerin der Deutschen Presse-Agentur mit.
Kommunen erhielten eine Entschädigung für die Übergabe von Waldgebieten, die sich ohnehin "bereits jetzt oder in Zukunft aufgrund des Klimawandels nicht mehr profitabel bewirtschaften lassen". Dies sei "eine finanzielle Chance für die Region". Die Gesamtförderung des langjährigen Projekts in Millionenhöhe werde wesentlich vom Bund sowie auch vom Land Hessen und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt selbst getragen.
Eisvögel, Wanderfalken und Spechte
Baumschutz und Renaturierung, Flächenerweiterung und Biotopvernetzung im Wispertaunus dienen laut der Projektträgerin dem Klima- und dem Naturschutz. Davon profitierten abgesehen von Wildkatzen und Bechsteinfledermäusen auch andere seltene und schutzwürdige Tiere wie beispielsweise Eisvögel, Wanderfalken und bestimmte Spechtarten.