Hessen"Die beste Version von mir" – Fasten im Ramadan

Auch viele Nicht-Muslime kennen Ramadan. Aber worum geht es dabei wirklich? Ein Besuch in einer Frankfurter Moschee.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Auf den Tischen der Abu Bakr Moschee in Frankfurt stehen Schalen mit Datteln, Plastikbecher und Milchkartons bereit für das Iftar, das Fastenbrechen. Seit vergangenem Mittwoch läuft der Fastenmonat Ramadan. Traditionell essen und trinken Muslime dabei von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts. Doch es gehe um viel mehr als nur Verzicht, sagt Mohamed, Jugendleiter im Verein der Islamischen Gemeinde der Abu Bakr Moschee.
Für den 33-Jährigen, der nur seinen Vornamen nennen will, geht es in dieser Zeit um Zusammensein, Selbstreflexion und Achtsamkeit. Er freue sich in dem Monat besonders auf das gemeinsame Abendessen mit seiner Familie, das seine Mutter selbst kocht. Abends nach dem Nachtgebet sitze er gerne mit alten Freunden in der Moschee bei Kaffee oder Tee zusammen. "Der Monat Ramadan ist eine Zeit, in der alte Gesichter wieder zusammenkommen."
Ein Tag im Ramadan
Tagsüber sei bei dem Jugendleiter alles wie immer, abgesehen von etwas Hunger oder Durst zwischendurch. "Bis auf, dass der Kaffee fehlt, ist es eigentlich identisch wie jeder andere Tag." Da das Morgengebet noch vor dem Sonnenaufgang stattfinde, könne man eine Kleinigkeit frühstücken. Bei Mohamed ist es zum Beispiel ein Joghurt und ein Wasser.
Der 33-Jährige kommt für das Nachmittagsgebet und einen Lektürekurs wieder in die Moschee. Denn eine intensive Auseinandersetzung mit dem Koran sei auch Teil von Ramadan. Die Zeit, die er sonst mit Essen verbringt, nutze er für Selbstreflexion und "Kontrolle von Begierden", wie er sagt: "Für mich ist wichtig, am Ende des Ramadans die beste Version von mir selbst zu sein."
Bis zu 2.000 Leute in der Moschee
Am 20. März wird das Ende vom Ramadan traditionell mit dem Zuckerfest gefeiert. Das Gelände der Moschee werde an diesem Tag voller Menschen sein. Auch zum Nachtgebet ab 20.00 Uhr kämen jeden Tag so viele Menschen, dass die Moschee komplett voll sei, erklärt Mounir Elhorchi, stellvertretender Vorsitzender des Vereins.
Der Islamische Gemeinde Frankfurt e.V. existiert bereits seit 1996. Elhorchi sagt, dass teils bis zu 2.000 Menschen zu Feiern und Gebeten in der Moschee zusammenkämen. In der rund 776.000 Einwohner zählenden Bankenmetropole leben etwa 130.000 Muslime.
Beginn verschiebt sich täglich
2016 fiel Ramadan in den Sommer und statt wie jetzt 12 Stunden fastete Mohamed 18 bis 19 Stunden lang. Die ersten drei Fastentage seien immer hart, aber im Vergleich zu manchen heißen arabischen Ländern sei Ramadan in Deutschland angenehm. Vor allem zur Winterzeit sei es für ihn einfach wie ein verschobenes Mittagessen, erzählt er.
Am Donnerstag beginnt das Abendgebet um 18.07 Uhr, danach kommt das Iftar. Die Uhrzeit dafür ändert sich jeden Tag um wenige Minuten mit der Sonneneinstrahlung. Vor dem Nachtgebet um 20.00 Uhr kann jeder zu der Moschee kommen und dort kostenlos eine große Mahlzeit essen. Es gibt Suppe, Salat, ein Hauptgericht und Süßigkeiten. "Aber bei meiner Mama schmeckt es besser", sagt Mohamed.