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HessenHoppeln im Lichtkegel: Wie Hasen gezählt werden

29.03.2026, 06:17 Uhr
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Wenn Jäger ihr Revier mit Scheinwerfern ableuchten, hat die Zeit der Hasenzählung begonnen. Besonders viele Langohren gibt es im Osten von Wiesbaden. Was steckt hinter dem Hasen-Boom von Kloppenheim?

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die beiden Jäger Claus Deußer und Marc Goßmann sind in den dunklen Abendstunden auf den Feldern bei Wiesbaden unterwegs. Sie haben allerdings nicht ihre Jagdgewehre dabei, sondern Scheinwerfer und Klemmbrett: Es ist Zeit für die Hasenzählung. Im Frühjahr und im Herbst wird die Zahl der Feldhasen systematisch erfasst. Hier im Wiesbadener Stadtteil Kloppenheim ist die Wahrscheinlichkeit besonders groß, dass im Scheinwerferkegel hoppelnde Tiere mit langen Ohren auftauchen. Das Revier ist ein wahres Hasenparadies und hat eine besonders dichte Population.

Er zähle seit mehr als 15 Jahren die Hasen, erzählt Deußer, der seit 1973 seinen Jagdschein hat. Früher war er für seinen Arbeitgeber weltweit als Einkäufer unterwegs, inzwischen genießt er die freie Zeit als Rentner in seiner Heimat Kloppenheim. In Schrittgeschwindigkeit steuert er den Wagen über einen Feldweg, während neben ihm sein Jagdkollege Goßmann den Scheinwerfer aus dem Seitenfenster hält. Rund 150 Meter rechts und links des Weges werden bei der Zählung erfasst, insgesamt 116 Hektar.

Augen unterscheiden Hasen von anderen Tieren

Bei der speziellen Pirschfahrt sind regelmäßig Feldhasen zu sehen, die oft zu zweit oder in einer Gruppe auf den Feldern sitzen und im Licht gemächlich davon hoppeln. "Hasen sind an den orange leuchtenden Augen zu erkennen", erklärt Deußer. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal, denn auf den Scheinwerferfahrten tauchen auch viele andere Tierarten auf – etwa Katzen, Füchse oder auch Rehe und Wildschweine.

Vor rund 13 Jahren habe er rund 30 Feldhasen gezählt, inzwischen seien es mehr als 300, wie Deußer berichtet. Das habe mit den umfangreichen Hegemaßnahmen zu tun, der Lebensraum der Tiere sei gemeinsam mit Landwirten erheblich verbessert worden. Als Rückzugsraum und Futterquelle wurden einige Areale des Ackerlandes in Blühstreifen umgewandelt. Die Landwirte erhielten einen Verdienstausfall und würden für die Bearbeitung der Streifen bezahlt, erläutert Deußer.

Hase "ein wahrer Überlebenskünstler"

Da ein einzelner Blühstreifen kaum helfe, sei es besonders wichtig, dass diese Lebensräume als Netzwerk entstanden seien, ergänzt der Jäger. Von dem "Feldflurprojekt Wiesbaden-Ost" profitiere nicht nur der Feldhase. Bei den Rebhühnern etwa sei die Zahl der Tiere von 8 auf 70 gestiegen. Dieser Erfolg sei "der Lohn für das Ganze", sagt Goßmann. Die Rebhühner seien spürbar mehr geworden. Sein Lieblingstier allerdings sei der Hase, bekennt der Landwirt. "Er ist ein sehr schönes Tier und ein wahrer Überlebenskünstler."

Der Bestand von Feldhasen ist durch mehrere Faktoren gefährdet. Ein Frühjahr mit langanhaltender Nässe etwa setzt den Jungtieren zu, so dass weniger Nachkommen durchkommen. Auch viele Beutegreifer haben es auf den Feldhasen abgesehen – darunter Füchse, Dachse, Rabenkrähen und Waschbären. Hinzu kommen Tierseuchen wie etwa die Hasenpest.

Bis zu Hunderte Hasen pro Quadratkilometer

Den hessischen Feldhasen geht es nach Einschätzung der Jägerschaft aktuell gut. Nach der Zählung im Herbst 2025 meldeten die beteiligten rund 50 Hegegemeinschaften eine durchschnittliche Dichte von mehr als 30 Hasen pro Quadratkilometer Offenlandfläche, wie der Landesjagdverband mitteilte. Der mittlere Zuwachs vom Frühjahr bis zum Herbst 2025 habe bei knapp 30 Prozent gelegen. Die Zahlen geben "einen guten Überblick, bilden aber nicht die Situation in allen Landesteilen vollständig ab", hieß es.

"Das Vorkommen des Feldhasen ist in Hessen stark von der Landschaft geprägt", erläuterte der Sprecher des Landesjagdverbandes, Markus Stifter. "In Nordhessen überwiegen waldreiche Regionen, in denen sich Hasen kaum erfassen lassen." In Mittel- und Südhessen dominierten dagegen Offenlandreviere mit teils sehr guten Besätzen. Die Spannweite reiche von etwa 3 Hasen pro Quadratkilometer bis hin zu Spitzenwerten von über 240 Hasen auf derselben Fläche.

Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis aus dem Revier Wiesbaden-Kloppenheim. Dort wurden in der aktuellen Frühjahrszählung im März 2026 auf einem Quadratkilometer Offenland 244 Feldhasen gezählt. "Das ist ein Spitzenwert, der auch im bundesweiten Vergleich herausragt", sagt Stifter.

Jäger in Sorge wegen Tierkrankheiten

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung bereiten den Jägern mehrere Tierkrankheiten Sorge. Im vergangenen Jahr wurden demnach einige wenige Fälle von Hasenpest in Hessen registriert.

An einer neuen Variante einer anderen Tierkrankheit, der Myxomatose, seien etwa in Nordrhein-Westfalen Feldhasen verendet. Ursprünglich betraf diese Viruserkrankung vor allem Kaninchen. In Hessen seien bislang keine Fälle bestätigt.

"Dennoch beobachtet der Landesjagdverband die Entwicklung aufmerksam und ruft dazu auf, auffällige Tiere oder Totfunde umgehend den zuständigen Veterinärämtern zu melden."

Quelle: dpa

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