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Hessen"Isch bereu des net": Band übersetzt Hits ins Hessische

01.02.2026, 05:01 Uhr
Tilman-Birr-und-Elis-C-Bihn-Seit-15-Jahren-uebersetzen-sie-Welthits-in-ihren-Heimatdialekt
(Foto: Helmut Fricke/dpa)

Seit 15 Jahren singen Tilman Birr und Elis C. Bihn berühmte Songs in ihrem Heimatdialekt. Doch nicht immer sind sie sich bei den Übersetzungen einig - aus gutem Grund.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Se mache Mussig mit hessische Dexde: Die beiden Frankfurter Tilman Birr und Elis C. Bihn haben vor 15 Jahren "Welthits auf Hessisch" gegründet, seitdem übersetzen sie berühmte Songs möglichst originalgetreu in ihren Heimatdialekt. "Ich hab de Wachtmeister erschosse, und des is mehr wie nur ne Ordnungswidrischkeit" lautet etwa ihre Übersetzung von "I Shot the Sheriff" von Bob Marley. Aus "I will survive" von Gloria Gaynor wurde "Isch werd's überlebe" und statt "Non, je ne regrette rien" bei Edith Piaf heißt es: "Isch bereu des net".

Die beiden Musiker kennen sich schon lange aus gemeinsamen Berliner Zeiten. Bereits vor den "Welthits" standen sie zusammen regelmäßig auf der Bühne. Für ihr Programm übersetzten sie 2011 das erste Mal einen Hit ins Hessische, es traf Rihanna's "Umbrella" - auf hessisch "Reschescherm". "Ich kann mich nicht wirklich dran erinnern, wie wir auf diese Idee gekommen sind", grübelt Bihn. "Das Erstaunliche für uns war, dass es tatsächlich noch niemand sonst gemacht hatte."

Lacher garantiert

Der "Reschescherm" kam sofort gut an, im Publikum und auch in den sozialen Medien, wo die Klicks für das Video rasch fünfstellig wurden. "Und so haben wir einfach weitergemacht", erklärt Bihn. Mittlerweile haben sie längst so viele Welthits zusammen, dass daraus ein abendfüllendes Programm geworden ist, mit dem die beiden natürlich vor allem in Hessen, aber auch mal in Berlin oder Hannover auftreten. Und sie übersetzen weiter, sind auf der Suche nach Hits, bei denen schon alleine die Übersetzung ins Hessische ihren Witz hat. ""Ich hab de Wachtmeister erschosse" ist schon ein Lacher, obwohl wir nichts geändert haben", nennt Birr ein Beispiel.

Der hessische Dialekt eigne sich hervorragend für Übersetzungen aus dem Englischen, erklären die beiden. "Äbbelwoi", "dessdeweesche", "naggisch", "Schlabbe" oder "e bissi": Das Hessische ist wie die englische Sprache vokallastig, weit mehr als das Hochdeutsche. Zudem werden Endungen gerne mal weggelassen, auch das erleichtert das Übersetzen.

Sprachliche Vielfalt

Laut Angaben des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas an der Philipps-Universität Marburg wird in den Medien der sogenannte "Rhein-Main-Regiolekt" verwendet, wie er auch im Süden des Landes gesprochen wird. Typisch hierfür sind etwa der Verzicht auf ein "e" als Wortendung wie etwa in "Näh" oder der Ersatz des Buchstaben "t" durch "d" ("Mudder"). Zudem wird "er" am Wortende als "ä" ausgesprochen ("Donnä").

Auch die "Welthits" werden in diesem "Medienhessisch" gesungen, erklärt Brigitte Ganswindt vom Forschungszentrum. Denn im Gegensatz zum tiefsten Hessisch hat dieser einen großen Vorteil: Er wird auch von Menschen außerhalb von Hessen verstanden.

"Ki", "Kö" oder "Käue"?

In fast allen hessischen Dialekten gibt es laut Angaben des Forschungszentrums Worte, die gleich sind, etwa wenn die Menschen über "Dorscht" klagen oder sich in der "Nocht" schlafen legen. Doch die Unterschiede überwiegen: Im Winter liegt in Hessen je nach Region "Schnie", "Schnäi", "Schnä" oder "Snei". In Ostern werden zum Beispiel in Nordhessen "Egger" gefärbt, in Mittelhessen gibt es dagegen bunte "Ajer". Zudem stehen etwa im Rhein-Main-Gebiet wiederkäuende "Koi" auf der Weide, im Süden sind das "Ki", im Osten "Kö" und im Norden je nach Region "Köwe", "Kögge" oder "Käue".

Kein Wunder, dass es auch bei den Übersetzungen der "Welthits auf Hessisch" zu unterschiedlichen Ansichten kommt. Der 45-jährige Birr ist mitten in Frankfurt aufgewachsen, sein fünf Jahre älterer Kollege in einem Dorf in Rheinhessen - das macht natürlich einen Unterschied im Dialekt und damit im jeweiligen Sprachgefühl. "Heißt es "e Hammer" oder "en Hammer"", nennt Birr ein Beispiel für eine typische Diskussion zwischen ihnen bei einer Übersetzung und fügt hinzu: "Man kann ja leider nirgendwo nachgucken."

Quelle: dpa

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