HessenLeben im Dachgeschoss: Bewohner kämpfen gegen die Hitze

Der Sommer dreht noch einmal auf. Menschen in Dachgeschosswohnungen können sich in den kommenden Tagen wieder auf Saunatemperaturen einstellen. Zwei Bewohner berichten.
Frankfurt/ Marburg (dpa/lhe) - Johannes Wichert aus Marburg hat für die aktuelle Hitzewelle bereits einen Plan: Wenn es zu heiß wird, will der Student aus seiner Dachgeschosswohnung fliehen.
Während der vergangenen Hitzewelle Ende Juni musste er für Klausuren lernen. Die ersten Tage habe der 24-Jährige deshalb fast ausschließlich in der klimatisierten Bibliothek verbracht. Von früh bis spät habe er lieber außer Haus gebüffelt.
Irgendwann sei er wieder zurück in die Wohnung gegangen. "Dann habe ich halt irgendwie einfach ausgehalten. Aber hier konnte ich einfach gar nichts machen. Ich habe einfach nur rumgesessen." Ein Klimagerät oder einen Ventilator habe er sich nicht angeschafft – auch nicht mit Blick auf die nächste Hitzewelle.
Vorsorgen will er trotzdem: "Ich werde auf jeden Fall zwischendurch mal bei meinen Eltern abhängen. Und ich schätze, meine Bachelorarbeit werde ich hauptsächlich in der Bibliothek bearbeiten." Seine Entscheidung für die Dachgeschosswohnung bereut Wichert nicht. Trotzdem: Nach dem Studium bei der Wohnungssuche in einer neuen Stadt werde er genauer hinschauen. "Dann werde ich schon darauf achten, dass es kein Dachgeschoss wird."
Abkühlung brachte ein Ventilator
Chiara Geipert lebt in einer Dachgeschosswohnung in Frankfurt am Main. Sie kommt mit den hohen Temperaturen bislang gut zurecht. "Dadurch, dass bei mir relativ gut Durchzug herzustellen ist, war es in Ordnung." Schwieriger sei die Hitze für sie, wenn es zwischendurch regne. Dann könne sie wegen der Dachschrägen kaum lüften: "Logischerweise. Weil es reinregnet." Bei der vergangenen Hitzewelle sei das ein größeres Problem gewesen.
Abkühlung habe ihr bisher ein Ventilator gebracht. Inzwischen hat die 30-Jährige von ihren Eltern auch ein mobiles Klimagerät übernommen. Und im Winter will sie eine Klimaanlage einbauen lassen. Trotz der sommerlichen Temperaturen liebt Geipert ihre Wohnung. "Allerdings die Treppenstufen in Kombination mit dieser doch höheren Hitze sind schon negative Aspekte, definitiv."
Unter der Woche bekommt sie die Hitze in der Wohnung kaum mit. Geipert arbeitet bei der Bundeswehr und verbringt deshalb viele Tage in der Kaserne. Ihre Stube dort liege im Erdgeschoss und habe deswegen angenehme Temperaturen. Aktuell hat sie jedoch frei und erlebt die warmen Tage nun doch in den eigenen vier Wänden unter dem Dach.
DWD warnt vor Hitze
Der Juni hatte bereits die ersten Höchsttemperaturen des Sommers gebracht. Heiße Tage und tropische Nächte machten den Menschen in ganz Deutschland zu schaffen. Jetzt rollt auf Hessen die nächste Hitzewelle zu. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, klettern die Temperaturen in dieser Woche wieder weit über 30 Grad. Der DWD hat bereits für Mittwoch, 29. Juli, für große Teile Hessens eine Warnung vor Hitze herausgegeben. Dann steigen die Temperaturen bei viel Sonne auf 30 bis 37 Grad.
Am Donnerstag können gebietsweise bis zu 39 Grad erreicht werden. Gleichzeitig soll das Wetter unbeständiger werden: Örtlich sind Schauer und Gewitter möglich. Für Freitag sagt der DWD bei Höchstwerten zwischen 26 und 34 Grad wechselhaftes Wetter voraus.
Temperaturanstieg ist kein Mangel
Dass sich Dachgeschosswohnungen im Sommer aufheizen, liegt in der Natur der Sache. Laut dem Frankfurter Mieterschutzverein ist ein sommerlicher Temperaturanstieg in der Wohnung zwar grundsätzlich kein Mangel, auch nicht in einer Dachgeschosswohnung. Trotzdem muss die Wohnung zum Bewohnen geeignet sein, wie Rolf Janßen, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins erklärt. "Bei Temperaturen in der Wohnung von mehr als 30 Grad Celsius ist das Bewohnen nur noch eingeschränkt möglich. Daher könnten Mieter den Vermieter auffordern, geeignete Hitzeschutzmaßnahmen zu ergreifen, wie zum Beispiel den Einbau von Markisen, Jalousien, Klimaanlagen."
Feuerwehr Frankfurt bereitet sich auf Hitzewelle vor
Die Feuerwehr Frankfurt am Main bereitet sich auf die anstehenden Hitzetage vor. "Wir werden auf jeden Fall auch kommunikativ noch mal ein bisschen sensibilisieren für das Thema Hitze", sagt eine Sprecherin.
Bei der vergangenen Hitzewelle habe sich bereits gezeigt, welche Auswirkungen die hohen Temperaturen haben könnten. "Generell waren die Häuser einfach extrem aufgeheizt hier in der Stadt." Vor allem hitzebedingte Notfälle hätten deshalb zugenommen: Der Körper überhitze, Leute dehydrierten, "gerade viele ältere Menschen sind da schnell betroffen".
Die Feuerwehr verweist deshalb auf die Hitzetipps der Städte: Wer die Möglichkeit habe, solle kühle Orte aufsuchen. Wichtig sei außerdem, die Wohnung möglichst kühl zu halten - etwa durch gezieltes Lüften in den kühleren Nachtstunden.