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HessenMelonen aus Hessen? Ob die süße Frucht bei uns wachsen kann

13.09.2026, 04:03 Uhr
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Duftend und aromatisch, aber druckempfindlich: Charentais-Melonen gelten als Gourmetfrucht. In Hessen wird nun geprüft, ob sie im Gewächshaus zuverlässig gedeihen.

Geisenheim (dpa/lhe) - In dem Gewächshaus im Rheingau stehen kräftige, satt grüne Melonenpflanzen in Reih und Glied. An den hochgebundenen, rund drei Meter langen Trieben wachsen Charentais-Melonen in verschiedenen Größen - die unteren sind bald reif zur Ernte. Eigentlich wird diese französische Gourmet-Melone in südlicheren Regionen angebaut. Mit dem Klimawandel wird es auch in Hessen zunehmend wärmer und die Vegetationsperioden länger. Hat Hessen eine Chance, Melonenland zu werden?

In Geisenheim testen Experten des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), ob sich der Anbau von Charentais-Melonen insbesondere für heimische Direktvermarkter künftig lohnen könnte. "Wir sind eine Art Stiftung Warentest für Gärtner", sagt der Versuchsleiter, Gartenbauingenieur Michael Kloss. Mit den Versuchen solle herausgefunden werden, welche Sorten, Kulturverfahren und Anbauzeitpunkte zu einem guten Ertrag beitragen. Auf dieser Grundlage können Betriebe besser entscheiden, ob sie ihr Spektrum um die süßen Früchte erweitern.

Im LLH-Versuchsanbau wurden zunächst sieben Charentais-Melonensorten verschiedener Zuchtbetriebe miteinander verglichen, darunter drei Neuzüchtungen. Den Experten ging es unter anderen um die Fragen: Wie reifen die Früchte? Wie ist der Ertrag? Wie schmecken die Melonen? Die ersten Früchte konnten vor einigen Wochen geerntet werden.

Das Ergebnis: Der geschützte Anbau im Gewächshaus bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für die Kultivierung, wie Kloss erklärt. Während Wassermelonen mittlerweile auch im Freiland in einigen hessischen Regionen bereits angebaut werden, stellten andere Melonenarten höhere Ansprüche an die Wachstumsbedingungen, erläutert der Gartenbauexperte.

Die Charentais-Melone entstand im 19. Jahrhundert in der französischen Region Charente und ist mit Honig- und Galia-Melonen verwandt. Erntereife Früchte erkennt man an ihrem honigsüßen Duft. Die Sorte zeichne sich durch eine hohe Aromadichte und ausgeprägte Süße aus, erklärt Kloss. Gleichzeitig sei sie empfindlicher gegenüber Druck und daher weniger gut für lange Transportwege geeignet. "Dies kann ein Vorteil für eine regionale Vermarktung sein."

Mit Blick auf den Klimawandel setzten inzwischen viele Landwirte auf Sorten, die besser mit Hitzeperioden zurechtkommen, da sie effizienter im Wasserverbrauch oder angepasst in der Reife sind, erläutert eine Sprecherin des hessischen Bauernverbandes. "Generell gilt jedoch: Ohne Wasser ist das Wachstum bei keiner Kultur möglich."

Auf hessischen Feldern wachsen inzwischen unter anderem Kichererbsen, Sojabohnen, Quinoa, Süßkartoffeln und Wassermelonen. "Wie gut eine neue Kultur in der Region funktioniert, zeigt immer erst die Zeit", erklärt die Verbandssprecherin. "Und da ist Hessen klimatisch und von den Bodenbedingungen her regional extrem unterschiedlich." Zudem sei das Ganze sehr witterungsabhängig und damit in jedem Jahr anders.

Wie gut eine neue Kultur zu Hessen passe, müsse sich immer in der Praxis beweisen. "Jede zusätzliche Kultur, die gewinnbringend sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch etabliert werden kann, ist willkommen", ergänzt die Sprecherin des Bauernverbandes. Neben dem praktischen Anbau mit stabilen Erträgen müsse auch der Absatz gesichert sein. "Dies ist leider doch oftmals eine Hürde", ergänzt sie. Für wärmeliebende Kulturen eigne sich vor allem Südhessen bis hin zur Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis.

Der Anbau neuer Kulturen sei zwar grundsätzlich eine Chance der veränderten Klimabedingungen. "Wenn der Klimawandel aber auch - wie immer wieder zu beobachten - Extremwetterereignisse wie Sturm, Hagel, Starkregen, Hitze bringt, ist das letztendlich nur ein Risiko und keine Chance", betont sie. Zu den Kulturen, die sich mit zunehmend trockenen Bedingungen schwertun, zähle beispielsweise die Ackerbohne. "Sie werfen dann ihre Schoten - und damit den Ertrag - ab." Der Obst- und Gemüsebau sei immer mehr auf Bewässerung angewiesen, da zur Ausbildung der Früchte etwa von Erdbeeren, Zucchini und Zwiebel immer auch Wasser von Nöten ist.

Ein wichtiger Aspekt bei der Anpassung an die neuen Klimabedingungen wird laut Bauernverband die Sortenentwicklung und Züchtung sein. "Neue Sorten müssen besser mit Hitze, Trockenheit, aber auch Starkniederschlägen umgehen können." Der Verband fordert daher mehr Investitionen in Forschung, Innovation und moderne Züchtungsmethoden.

Inzwischen wachsen im Geisenheimer Melonenhaus bereits neue Früchte heran. Während bis zu einer Höhe von etwa einem Meter die Reihen gut bestückt und die Melonen schon etwa so groß wie ein Handball sind, fehlen sie im mittleren Bereich teils komplett. Woran liegt das? "Wenn es nachts zu warm ist, dann schaltet die Pflanze in einen anderen Modus und bildet hauptsächlich männliche Blüten", erläutert Kloss. Dann fehlten die weiblichen Blüten, die den Fruchtansatz bilden. Das Problem will der Experte in kommenden Versuchen aufgreifen. Dann soll getestet werden, ob an südeuropäischen Sorten trotz höherer Nachttemperaturen ausreichend Melonen wachsen.

Quelle: dpa

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