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HessenSo bekämpfen hessische Städte den Eichenprozessionsspinner

30.03.2026, 04:01 Uhr
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Ob Biowirkstoffe, Industriestaubsauger oder Nematoden: Hessische Städte kämpfen mit neuen und bewährten Methoden gegen den Eichenprozessionsspinner – und schützen so Menschen und Tiere.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - So schön die Natur im Frühling auch sein mag, beheimatet sie auch einige unliebsame Arten – wie den mit giftigen Brennhaaren ausgestatteten Eichenprozessionsspinner. Die Raupe hat sich mittlerweile auch in Hessen ausgebreitet. Besonders betroffen im Bundesland sind nach Angaben des Landesbetriebs Hessen Forst die Eichenwälder, Eichenalleen oder frei stehende Eichen in den warmen Regionen Süd- und Mittelhessens.

Zwar führt der Landesbetrieb selbst keine Maßnahmen zur Bekämpfung der Insekts durch, jedoch finde ein genaues Monitoring und eine Dokumentation im Waldschutz-Meldeportal statt. Und: "Aus Sicherheitsgründen können bei starkem Befall Waldbereiche gesperrt werden", sagte ein Sprecher.

Kitas und Schulen im Blick

Auch die hessischen Städte behalten die Raupe im Blick. Sie ergreifen in dieser Saison vielfältige Maßnahmen gegen den Schädling, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

In Frankfurt ist der Eichenprozessionsspinner nach Angaben der Stadt vor allem im Stadtwald verbreitet. Im Frühjahr werden die Eichen präventiv mit dem biologischen Wirkstoff Bacillus thuringiensis behandelt. Das gilt laut einer Sprecherin in erster Linie für "besonders sensible Bereiche", wie Spielplätze, Liegewiesen, Parkanlagen, Schulen und Kindergärten.

Das Besprühen der Bäume stoppt die Larvenentwicklung und damit auch die Entwicklung der gefährlichen Brennhaare. Sollten Nester entdeckt werden, werden diese nach Angaben der Stadt von spezialisierten Fachfirmen mit Hilfe von Industriestaubsaugern abgesaugt.

Die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können starke allergische Reaktionen hervorrufen, werden ab dem dritten Larvenstadium gebildet, brechen leicht ab und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein.

In Darmstadt wachsen der Kommune zufolge insbesondere im Nordosten Eichen und entsprechend finden sich dort vermehrt die Raupen. Zur Bekämpfung wird das B.thuringiensis-basierte Sprühmittel an rund 3.600 Bäumen eingesetzt – vermutlich ab Mitte April. Zwischen Mitte April und Anfang Mai sollen einige Gebiete außerdem mit Hilfe von Hubschraubern aus der Luft besprüht werden, wie die Stadt mitteilte. Verbliebene Tiere werden dann durch speziell ausgerüstetes Fachpersonal entfernt.

Fadenwürmer gegen Raupen

Bereiche, die in den letzten Jahren besonders betroffen waren, werden in Offenbach in diesem Frühjahr vorbeugend besprüht, wie die Stadt mitteilte. Nester der Tiere sollen abgesaugt werden. Die präventive Bekämpfung der Tiere mit dem biologischen Wirkstoff Bacillus thuringiensis findet auch in Gießen statt – vor allem in kritischen Umgebungen wie Schulen, Kitas, Sport- und Spielplätzen, wie eine Sprecherin mitteilte.

In Kassel ist der Eichenprozessionsspinner primär im südwestlichen Stadtgebiet verbreitet, dort ist laut Stadt auch 2026 mit einem Befall zu rechnen. Wie ein Pressesprecher mitteilte, wendet Kassel in diesem Jahr erstmals eine neue Methode an: In dem besonders betroffenen Gebiet werden von Anfang April bis Ende Mai sogenannte SF-Nematoden angebracht. Diese extrahierten, natürlich im Boden vorkommenden Fadenwürmer tragen symbiotische Bakterien in sich, die sich innerhalb der Raupenlarve ausbreiten und diese absterben lassen. Durch engmaschige Sonderkontrollen sollen darüber hinaus Nester frühzeitig lokalisiert werden.

In Fulda startet die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners nach Angaben der Stadt zwischen Ende April und Anfang Mai. Insgesamt werden an rund 3.100 Bäumen im Stadtgebiet biologische Mittel in den Baumkronen verteilt. Die Stadt rechnet mit Blick auf die vergangenen Jahre auch in diesem Jahr mit einer Erfolgsquote von etwa 95 Prozent. In der Nähe von Gewässern kommen in Fulda nach Angaben eines Pressesprechers Fadenwürmer zum Einsatz.

Natürliche Feinde fördern

Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden beginnt nach Angaben eines Pressensprechers ebenfalls zwischen April und Mai mit der vorbeugenden Behandlung der Eichen mit dem biologischen Bekämpfungsmittel Bacillus thuringiensis.

Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen: "Statistisch ist circa jede zehnte Eiche in Marburg befallen", sagte eine Sprecherin der mittelhessischen Stadt. Neben mechanischen Verfahren wie Verkleben, Absaugen oder Heißwasserbehandlung wird auch in Marburg in diesem Jahr erstmals der biologische Wirkstoff Bacillus thuringiensis eingesetzt.

Zusätzlich soll die "biologische Vielfalt, insbesondere von Gegenspielern des Eichenprozessionsspinners" gefördert werden. In sensiblen Bereichen seien in diesem Frühjahr 280 Nistkästen für Meisen und Fledermäuse angebracht worden. Auch werden dünne Äste am äußeren Rand der Baumkrone zurückgeschnitten, um dort bereits abgelegte Eier schon im Frühjahr zu entfernen.

Quelle: dpa

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