HessenWelche Angebote gibt es für einsame Menschen in Hessen

Ob Tanzenkurse, Tandems oder Nachbarschaftstreffen: In Hessen gibt es verschiedene Initiativen, die Menschen zusammenbringen und Begegnungen ermöglichen.
Frankfurt (dpa/lhe) - In Frankfurt will das Projekt "Social Prescribing" Menschen per Rezept aus der Einsamkeit holen. Interessierte können sich beim Gesundheitsamt melden, sie müssen einen Fragebogen ausfüllen und werden nach einem Gespräch in eine kostenfreie Aktivität vermittelt. Die ersten Programme, etwa ein Tanzkurs, haben im Juni begonnen.
Aber in Hessen gibt es noch andere spannende Initiativen, um Menschen in Kontakt zu bringen. Eine kleine Auswahl:
Tandems gegen die Einsamkeit in Gießen
Seit 2019 bringt das Gießener Freiwilligenzentrum über das Projekt "dabei bleiben" Menschen zusammen: Patinnen und Paten können insbesondere mobilitätseingeschränkten Menschen Zeit schenken und mit ihnen etwas unternehmen. Schon 190 solcher Tandems hätten sich seit dem Start gefunden, sagt Projektleiterin Helga Kroll. Viele Freundschaften hätten sich entwickelt.
Das Zentrum sucht weiter Patinnen und Paten, die etwa zwei Stunden Zeit pro Woche aufbringen können. Diese erhalten dann auch eine Schulung. "Ganz wichtig ist, dass die Chemie stimmt."
Wie gut das funktioniert, zeigen zahlreiche Beispiele: Da sei der mittlerweile leider schon verstorbene Mann, der dank des Kontakts zu einer Studentin wieder mit dem Klavierspielen anfing, sagt Kroll. Eine Freundschaft habe sich auch zwischen einer jungen Tunesierin und einer 85-jährigen Frau entwickelt. Der Kontakt könne auch zugewanderten Paten helfen, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. "Es sind wunderbare Win-win-Situationen entstanden."
"Café Lebenslust" in Kassel richtet sich vor allem an Ältere
Es sei ein öffentlicher Ort der Begegnung und des Austausches, des Kennenlernens und Vernetzens. Das "Café Lebenslust" im Kulturzentrum Schlachthof richtet sich schwerpunktmäßig an Menschen ab 60 Jahren mit und ohne Migrationserfahrung.
"Es ist sozialer Knotenpunkt für die Nordstadt und steht darüber hinaus auch Bewohnerinnen und Bewohnern anderer Stadtteile und anderen Altersgruppen offen", erklären die Veranstalter. Es gibt Freizeit- und Bildungsangebote sowie Beratungen zu verschiedenen Themen.
Das Projekt wird im Rahmen des Programms "Stärkung der Teilhabe älterer Menschen - gegen Einsamkeit und Isolation" unter anderem vom Bundesfamilienministerium gefördert.
Besuchskreis Biebrich in Wiesbaden
Ältere, alleinstehende Menschen besuchen, das machen ehrenamtlich tätige Männer und Frauen im Rahmen des Besuchskreises Biebrich in Wiesbaden. "In der Regel ist ein Treffen für 1-2 Stunden in der Woche vorgesehen. Inhaltlich reicht hier die Palette von Zuhören, Vorlesen, Spaziergängen und Ausflügen bis hin zum gemeinsamen Lachen", heißt es auf der Seite des Freiwilligen-Zentrums Wiesbaden.
Träger ist das Nachbarschaftshaus Wiesbaden e.V., ein sozialintegratives Zentrum im Stadtteil Biebrich. Die Ehrenamtlichen selbst erhalten demnach bei regelmäßigen Treffen im Nachbarschaftshaus die Möglichkeit zu Reflexion, Austausch sowie zu Coaching und Qualifizierungsfortbildungen.
Mobile Stadtteilarbeit in Darmstadt
"Zusammen setzten wir ein Zeichen gegen Einsamkeit, Anonymisierung und Rückzug", heißt es bei der mobilen Stadtteilarbeit in Darmstadt-Bessungen.
"Durch unterschiedliche Aktionen möchten wir mit den Bürger:innen an verschiedenen mobilen Orten ins Gespräch kommen. Parks, belebte Straßen, Spielplätze, Märkte und Freiflächen werden zu mobilen Nachbarschaftstreffs, Plauderecken und Ideenschmieden." Zudem sorge ein regelmäßiger Austausch dafür, "dass wir mehr voneinander erfahren und unseren nachbarschaftlichen Zusammenhalt stärken".
Frankfurter "Babbel-Nett-Stammtisch" wurde 2022 gegründet
In Frankfurt wollen etwa die Initiatoren des "Babbel-Nett-Stammtischs" Menschen aus der Einsamkeit holen. An drei Tagen die Woche wird an drei verschiedenen Orten zu den moderierten Treffen geladen.
Es gebe wechselnde Themen und viel Raum für gute Gespräche, heißt es auf der Homepage der Bürgerinitiative "Gemeinsam gegen Einsamkeit". "Komm einfach vorbei - kostenlos und ohne Anmeldung. Jede und jeder ist herzlich willkommen!" Die Initiative wurde 2021 - also in Zeiten von Corona - in Frankfurt gegründet. Der erste Stammtisch ging 2022 an den Start. Zudem gebe es weitere Aktionen wie gemeinsames Tanzen oder Wanderungen.