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Mecklenburg-VorpommernBehörde: kein Passagierverkehr mit Eisbrecher nach Hiddensee

28.01.2026, 18:52 Uhr
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Erst legt Eis die Fähre lahm, nun darf ein Eisbrecher laut zuständiger Behörde keine Passagiere von und nach Hiddensee befördern, beziehungsweise nur im Notfall. Anders äußert sich der Bürgermeister.

Vitte (dpa/mv) - Nach einem Eisschaden der Fähre "Vitte" ist der weitere Passagierverkehr von und auf die Insel Hiddensee unklar. Der eigentlich als Ersatz gedachte Eisbrecher "Swanti" darf laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ostsee grundsätzlich keine Passagiere befördern. Nur in Notfällen, etwa medizinischer Art, dürften Passagiere mitfahren, sagte eine WSA-Sprecherin am Mittwochabend. Hiddensees Bürgermeister Thomas Gens teilte hingegen mit, auch eine Beförderung darüber hinaus sei erlaubt worden.

Nach Angaben des WSA gab es auf eine mündliche Anfrage eine mündliche Untersagung. "Die Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit der Schiffsuntersuchungskommission (SUK), da das Schiff baulich und betrieblich nicht für die Personenbeförderung ausgelegt ist."

Unter den aktuellen Rahmenbedingungen könne die Sicherheit von Passagieren an Bord der "Swanti" nicht gewährleistet werden.

Eisbrecher soll geprüft werden

Derzeit befasse sich die SUK mit einem Antrag auf Sondergenehmigung. "Dieser bezieht sich auf die Möglichkeit eines begrenzten Notverkehrs mit Personenbeförderung, beispielsweise für medizinische Notfälle oder vergleichbare Ausnahmesituationen." Eine Entscheidung stehe noch aus. Die WSA-Sprecherin kündigte für Donnerstagmorgen eine Untersuchung der "Swanti" durch SUK an.

Zur Frage nach einer Alternative verwies die Behörde auf die Reederei Hiddensee. "Diese prüft eigenständig geeignete Alternativen, etwa den Einsatz entsprechend zugelassener Fahrzeuge oder andere betriebliche Lösungen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee ist nicht Betreiber des Linienverkehrs und trifft hierzu keine Entscheidungen."

Am Mittwoch hatte die "Swanti", die nach Angaben der Reederei Platz für 20 Mitfahrer hat, bereits Passagiere von der Insel gebracht. Zuvor hatte Hiddensees Bürgermeister Thomas Gens erklärt, dass der Fokus nach dem Ausfall der "Vitte" auf der Grundversorgung liege. "Eine Überfahrt für Touristen und Gäste zur Insel Hiddensee ist aktuell nicht möglich", hatte er auf seinem Whatsapp-Kanal mitgeteilt. Menschen, die mitfahren wollten, sollten sich zuvor registrieren.

Im Winter 2010 musste die Insel zeitweise aus der Luft versorgt werden, weil die eigentlich eisgängige "Vitte" wegen der zugefrorenen Gewässer nicht fahren konnte und auch damals einen Schaden erlitten hatte.

Menschen müssen für Chemotherapie von der Insel

Einige Menschen seien auf die Fahrten von der Insel angewiesen, hatte Gens der dpa gesagt. "Wir haben zum Beispiel Personen, die zur Chemotherapie müssen und wieder zurück." Die "Swanti" war schon zuvor im Rahmen eines eingeschränkten Eisfahrbetriebs als Eisbrecher im Einsatz.

Regelmäßig auf dem Bodden unterwegs ist normalerweise Mathias Schilling, Landwirt und Gastwirt unter anderem auf Hiddensee und Rügen. Er wohnt mit seiner Familie direkt gegenüber von Schaprode auf einer kleinen Privatinsel. "Wir kommen rüber zu uns", sagte er der dpa. Sie hätten stets eine Rinne offengehalten. Aktuell sei dort auch kein Eis.

Rinder von Landwirt sind versorgt

Eigentlich habe er eines seiner Restaurants auf Hiddensee am Wochenende öffnen wollen. Das werde er aber verschieben. Es kämen aktuell weder Ware noch Touristen auf die Insel. "Ist schade, denn in Berlin beginnen die Winterferien." Seine Tiere seien versorgt. "Für die Rinder leben die Betreuer auf Hiddensee und Futter ist genug da."

Mittwochmittag kam nach Angaben von Bürgermeister Gens der erste Schlepper im Hafen von Vitte an und später auch die "Görmitz" des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Ostsee.

Auf dem Rückweg sicherte sie laut WSA die Verschleppung der "Vitte". "Dabei erfolgte ein Eisaufbruch bis Stralsund, um eine sichere Rückführung des Fahrzeugs zu gewährleisten." In Stralsund soll die "Vitte" repariert werden. Sie wird laut Gens schätzungsweise sieben bis zehn Tage ausfallen. "Die genaue Dauer hängt vom Ergebnis der Untersuchung im Dock ab", schrieb er auf Whatsapp.

Sowohl die "Vitte" als auch die "Swanti" stammen laut Reederei aus den 1960er Jahren. Eigentlich war nach dem letzten Winter mit Versorgung Hiddensees aus der Luft angedacht, eine zweite eisgängige Fähre zu kaufen mit Unterstützung auch des Landes. Dieses Schiff sollte früheren Angaben zufolge bis zu 40 Zentimeter dickes Eis bewältigen können. Dem Vernehmen nach wurde davon jedoch wieder Abstand genommen wegen der höheren Betriebskosten für ein solches Schiff und angesichts vieler Jahre ohne nennenswerte Eisbildung.

Quelle: dpa

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