Mecklenburg-VorpommernGrößte ihrer Art Europas - Baustart der Peenebrücke gefeiert

Zweieinhalbmal so viel Konstruktionsstahl wie der Eiffelturm und endlich Entlastung für die Wolgaster: Der Bau der neuen Peenestrombrücke läuft, trotz gestiegener Kosten.
Wolgast (dpa/mv) - Sie könnte wie die Rügenbrücke für Rügen ein neues Wahrzeichen Usedoms werden: In Wolgast läuft der Bau der neuen Peenestrombrücke. Am Donnerstag rammten Arbeiter die erste Spundwand der künftigen Uferkante auf der Festlandseite in den Grund des Peenestroms.
Die Brücke ist Teil der inzwischen mit mehr als 500 Millionen Euro veranschlagten Ortsumgehung Wolgast, die als neue Zufahrt auf die Insel Usedom dienen soll. Es handelt sich um das derzeit größte Straßenbauprojekt Mecklenburg-Vorpommerns.
"Das klingt ja so ein bisschen bescheiden - Ortsumgehung Wolgast", sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). "Ich glaube, jetzt wird erst Stück für Stück klar, was da alles dranhängt." Nicht nur die finanziellen Dimensionen sind gewaltig. Die Brücke soll 1,4 Kilometer lang werden mit 70 Meter hohen Pylonen und einer lichten Höhe von 42 Metern über dem Peenestrom. "Es ist eine sogenannte Zügelgurtbrücke, die, wenn sie einmal fertig ist, die größte ihrer Art in Europa sein wird", erklärte Schwesig.
"Auch nicht ganz preiswert"
"Wir verbauen 56.000 Kubikmeter Konstruktionsbeton", verdeutlichte Jan Göttsche vom beteiligten Unternehmen Implenia die Dimensionen. Hinzu kämen 6.600 Tonnen Bewehrungsstahl im Beton. "Und unsere Stahlbau-Kollegen verbauen 18.000 Tonnen Konstruktionsstahl. Und das ist ein guter Wert, den man sich merken kann, weil das ist genau zweieinhalbmal so viel wie der Eiffelturm."
Wichtig für die Region sei das Projekt, sagte Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, "und auch nicht ganz preiswert". 2021 war noch von knapp 140 Millionen Euro die Rede gewesen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei seinem Antrittsbesuch in MV im vergangenen November dennoch gesagt, dass der Bund trotz knapper Kassen zur Finanzierung des Projekts steht. Schwesig dankte dem Bund erneut für die Übernahme des Löwenanteils.
Termin für Fertigstellung wiederholt verschoben
Die Arbeiten an der Umgehung laufen bereits seit 2021. Umfangreiche Straßenbauarbeiten etwa für die Anbindung an die B111 sind bereits erfolgt. Der Termin für die Fertigstellung hat sich wiederholt verschoben. Inzwischen rechnen die Verantwortlichen mit einer Freigabe der Ortsumgehung Ende 2029.
Die Zufahrten auf die Urlaubsinsel sind Nadelöhre, an denen es immer wieder, vor allem in Urlaubszeiten, zu Staus kommt. Die nördliche Zufahrt führt über den Peenestrom und bislang durch Wolgast hindurch, mit einer entsprechenden Belastung für die Stadt. Nicht nur die Wolgaster warteten sehnsüchtig auf die Umgehung, sagte Schwesig.
Die bestehende Klappbrücke in Wolgast muss regelmäßig für den Schiffsverkehr geöffnet werden. Auf der Brücke wurde zuletzt der Fahrbahnbelag sowie an der Brücke Korrosionsschutz erneuert. Die Brücke, über die auch Züge fahren, soll nach Fertigstellung der neuen Brücke bestehen bleiben. Dann sollen auch umfassendere technische Arbeiten an ihr möglich sein.
Auch die Zecheriner Brücke, über die die südliche Zufahrt auf die Insel Usedom verläuft, ist in die Jahre gekommen. Auch hier liefen bereits Planungen für einen Ersatzneubau, hieß es vom Landesstraßenbauamt.