Mecklenburg-VorpommernLandesfrauenrat warnt: Weniger Frauen auf Wahllisten in MV

Der Frauenanteil auf den Wahllisten in Mecklenburg-Vorpommern ist gesunken. Warum der Landesfrauenrat das als Alarmsignal wertet und in welchen Wahlkreisen gar keine Direktkandidatin antritt.
Rostock (dpa/mv) - Der Anteil der Frauen an den Kandidaten für den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist gesunken - für den Landesfrauenrat ein Alarmsignal. "Diese Entwicklung zeigt, dass wir die Gleichstellung von Frauen und Männern noch lange nicht erreicht haben", sagte Geschäftsführerin Kathrin Herold der Deutschen Presse-Agentur.
Von den 402 Kandidaten auf den Landeslisten der Parteien sind 124 Frauen. Das ist ein Anteil von knapp 31 Prozent und ein Prozentpunkt weniger als bei der Landtagswahl 2021. In drei der 36 Wahlkreise in MV - Hansestadt Rostock II, Mecklenburgische Seenplatte II und Vorpommern-Rügen IV - sind alle Direktkandidaten männlich.
Als Grund für die Entwicklung sieht der Landesfrauenrat unter anderem ein zunehmend antifeministisches und raueres politisches Klima. "Frauen berichten uns häufiger von persönlicher Abwertung, verschärfter Kritik und einer raueren Debattenkultur, in der ihre fachliche Kompetenz überproportional infrage gestellt wird", sagte die Geschäftsführerin. "Wer mit Sexismus, Anfeindungen und ständiger Rechtfertigung rechnen muss, überlegt sich eine Kandidatur zweimal."
Frauenrat: Alle Frauen in der Öffentlichkeit betroffen
Politikerinnen würden gezielte Einschüchterung erleben, so Herold. Sie würden kritischer beäugt als ihre männlichen Kollegen und müssten sich häufiger für ihr Handeln öffentlich rechtfertigen. Auch andere Akteurinnen in Verwaltung und Führungsfunktionen, etwa Beauftragte für Frauenrechte und Gleichstellung, stünden zunehmend unter politischem und gesellschaftlichem Druck.
Der Landesfrauenrat forderte schon 2021 die Parteien auf, mehr Frauen für die Landtagswahl aufzustellen. Entscheidend sei dabei auch, auf welchen Plätzen die Frauen landeten. "Denn ein hinterer, aussichtsloser Listenplatz ist gleichstellungspolitisch wenig wert - entscheidend ist, ob Frauen auch auf den vorderen, wählbaren Plätzen zu finden sind", betonte Herold.
In der Aufstellung der Listen zeigten sich deutliche Unterschiede: Einige Parteien hätten Frauen konsequent auf aussichtsreiche Plätze gesetzt, andere platzierten sie eher in der zweiten Reihe. "Das macht deutlich, dass eine paritätische Beteiligung von Frauen offensichtlich nicht überall gleich ernst genommen wird", sagte Herold. Es brauche verbindliche Vorgaben, "damit Frauen nicht nur auf dem Papier vertreten sind".
Eine konsequente paritätische Besetzung findet sich etwa bei den Grünen. Bei den Linken stehen auf den ersten 17 Plätzen sogar mehr Frauen als Männer. Die SPD besetzt bis zum 50. Listenplatz paritätisch. Auf der AfD-Liste findet sich die erste Kandidatin an fünfter Stelle.
Rückläufiger Frauenanteil auch in anderen Parlamenten
Im Landtag von Sachsen-Anhalt sitzen nach dem vorläufigen Wahlergebnis der Landtagswahl vom vergangenen Sonntag künftig 18 Frauen und 65 Männer. Das entspricht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einem Rückgang des Frauenanteils um rund 6 Prozentpunkte auf 21,7 Prozent.
Demnach hat der Landtag von Sachsen-Anhalt künftig den geringsten Anteil weiblicher Abgeordneter unter allen deutschen Parlamenten. Den nunmehr vorletzten Platz belegt der Bayerische Landtag mit 24,6 Prozent. Einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis am nächsten kommt die Hamburgische Bürgerschaft mit einem Frauenanteil von 48,8 Prozent.
Auch im Bundestag sitzen aktuell mit 32,4 Prozent weniger Frauen als zu Zeiten der Ampelregierung. Dort konnten rund 35 Prozent Frauen auf den Rängen des Plenarsaals mitbestimmen.