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Mecklenburg-Vorpommern Laut WWF Altlasten und Wetter Gründe für Fischsterben

Die gesammelten toten Fische aus dem Jasmunder Bodden auf der Insel Rügen liegen in einem Container.

(Foto: Stefan Sauer/dpa/Archivbild)

Lietzow (dpa/mv) - Nach dem massenhaften Fischsterben am Kleinen Jasmunder Bodden geht die Umweltschutzorganisation WWF von einer Vergiftung in Folge mehrerer Faktoren aus. Dabei spielten neben dem Wetter und Dünger aus der Landwirtschaft auch Abwasser-Altlasten eine Rolle. "Das Fischsterben ist vermutlich menschengemacht", erklärte am Dienstag Florian Hoffmann, Biologe im WWF-Ostseebüro in Stralsund.

"Wir gehen davon aus, dass die Fische im Kleinen Jasmunder Bodden durch eine zu hohe Konzentration von Ammonium und Nitrit im Wasser verendet sind." Dafür sprächen braune Verfärbungen an den Kiemen. Die Stoffe entstünden, wenn Nährstoffe bei Sauerstoffmangel umgewandelt werden.

In den Bodden sei bis zum Bau einer Kläranlage nach der Wende Abwasser aus umliegenden Orten unbehandelt eingeleitet worden. Über Jahre haben sich demnach Fäkalien und damit Nährstoffe am Grund angesammelt. Zusätzlich habe sich zuletzt durch viele Niederschläge und Schneeschmelze jede Menge Nährstoffe aus der Landwirtschaft und nahe gelegenen Teichen im Kleinen Jasmunder Bodden sammeln können. Eisbildung Ende vergangenen Jahres habe zu Sauerstoffmangel geführt. In der Folge seien vermutlich die giftigen Stoffe entstanden.

Nach dem Schmelzen der Eisdecke seien diese nicht mehr nachweisbar, da sie sich dann schnell zersetzten. Die Behörden hätten laut Hoffmann schneller Proben entnehmen müssen. "Wenn man das direkt gemacht hätte, dann hätte man dieses Rumstochern im Nebel nicht gehabt."

Eine Sprecherin des Umweltministeriums in Schwerin sagte, die Mitarbeiter der zuständigen Ämter hätten getan, was sie konnten. Das Eis habe die Entnahme erschwert. Weitere Ergebnisse eigener Untersuchungen stünden noch aus. Helfer bargen ungefähr 31 Tonnen tote Fische, nachdem Angler und Anwohner ungewöhnlich viele tote Fische am Ufer des Boddens entdeckt hatten. Das Ministerium hatte vor dem Angeln, Einsammeln, der Verarbeitung und dem Verzehr von Fischen aus dem Bodden gewarnt. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen sollen fernbleiben.

Nach Aussage Hoffmanns war der Große Jasmunder Bodden vermutlich nicht direkt vom Fischsterben betroffen. Vielmehr stammten die toten Fische hier wahrscheinlich aus dem angrenzenden Kleinen Jasmunder Bodden. Am Wochenende habe der WWF keine neuen toten Fische mehr festgestellt. Auch hätten etwa Adler und Kormorane gejagt, was das Vorhandensein lebender Fische zeige. "Es ist auch nicht so, dass da jetzt kein Fisch mehr drin ist." Wegen der Belastung des Kleinen Jasmunder Boddens kann es nach Hoffmanns Einschätzung immer wieder zum Fischsterben kommen. "Das wird wahrscheinlich in kleiner Form öfter mal vorkommen." In größerem Umfang sei es das erste Mal seit 1990 gewesen.

Quelle: dpa

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