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Mecklenburg-VorpommernWerftarbeiter kontaminiert - Stralsund teilt Ergebnisse mit

29.01.2026, 17:38 Uhr
Im-Herbst-2023-wurde-in-der-Schiffbauhalle-auf-dem-Stralsunder-Volkswerft-Gelaende-an-den-Seglern-Gorch-Fock-1-und-Greif-gearbeitet

Nach teils zu hohen Bleiwerten bei Stralsunder Werftarbeitern hat die Stadt selbst die entsprechende Halle untersuchen lassen. Der Oberbürgermeister äußert sich und verweist auch auf Werft-Pächter.

Stralsund (dpa/mv) - Nach Berichten über die Kontamination ehemals beim Schiffbauer Fosen auf der Stralsunder Werft beschäftigter Arbeiter mit Blei hat der Oberbürgermeister Untersuchungsergebnisse mitgeteilt. "Die Messung der Raumluft hat ergeben, dass die strengen Arbeitsplatz-Grenzwerte deutlich unterschritten sind", wurde Alexander Badrow (CDU) in einer Mitteilung zitiert.

Im Rahmen eines von der Stadt beauftragten Gutachtens seien zudem an bestimmten Orten Proben von in Öl gebundenen Ablagerungen genommen worden. Das Ergebnis werde nun gründlich und professionell ausgewertet.

Badrow schließe "als Laie" daraus, dass "nur wer eine verunreinigte Fläche anfasst und danach die Hände in den Mund steckt, Stoffe aufnehmen kann". Zeitnah werde eine Spezialfirma die betroffene Schiffbauhalle reinigen.

19 Arbeiter betroffen

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) hatte wegen akuter Beschwerden das Blut der Arbeiter untersucht. 19 Arbeiter seien betroffen, so das Lagus. Bei neun sei ein erhöhter Wert über dem biologischen Grenzwert ermittelt worden. Der Behörde zufolge wurde die Kontamination mit hoher Wahrscheinlichkeit im Herbst 2023 durch das Entfernen von Farbanstrichen verursacht. Dem Lagus sei bekannt, dass damals an den Traditionsseglern "Gorch Fock 1" und "Greif" gearbeitet worden sei.

Von Bleianstrichen könnten in Abhängigkeit vom Aufnahmeweg unterschiedliche akute Beschwerden, etwa im Magen-Darm-Bereich, oder chronische Gesundheitsgefahren, wie Herz-Kreislauf-Probleme, Beeinträchtigungen des Nervensystems oder Krebsgeschehen resultieren.

Der biologische Grenzwert (BGW) gebe an, bis zu welcher Konzentration die Gesundheit von Beschäftigten im Allgemeinen nicht beeinträchtigt werde. Aus einer alleinigen Überschreitung des BGW könne nicht notwendigerweise eine gesundheitliche Beeinträchtigung abgeleitet werden: "Hinweise auf chronische Verläufe liegen im Moment nicht vor."

Keine Stellungnahme des ehemaligen Pächters

Als Vorsichtsmaßnahme sollte bis auf weiteres die Anzahl der Menschen in der Halle so gering wie möglich gehalten werden. Sie müssten zudem mit Partikelfilter-Atemschutz arbeiten.

Die Mitarbeiter arbeiteten im fraglichen Zeitraum für die inzwischen insolvente Stralsunder Tochter des norwegischen Schiffbauers Fosen Yard. Der Stadt gehört das Werftgelände und auch die "Gorch Fock 1".

Badrow betonte, "dass für die Einhaltung von Arbeitsschutz- und Hygienevorschriften bei der Arbeit an den Schiffen ausschließlich die jeweiligen Pächter vor Ort als Arbeitgeber zuständig sind". Der ehemalige Geschäftsführer des Stralsunder Fosen-Ablegers war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Medien hatten über ein Gutachten zur Belastung der Schiffbauhalle berichtet, das auch der dpa vorliegt. Demnach wird etwa der an einem Handlauf festgestellte Bleiwert als "extrem kritisch" beschrieben. Es handle sich um das 100-fache des sogenannten Sanierungskontrollwertes an einer Kontaktfläche. Es liege eine signifikante Schwermetallbelastung besonders mit Blei in Form von Staub vor. Die ständige Gefahr der Staubaufwirbelung sei gegeben. "Die Oberflächen müssen zwingend dekontaminiert werden."

Quelle: dpa

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