Niedersachsen & BremenBrandanschlag auf Raumfahrtkonzern: Staatsschutz ermittelt

Das Raumfahrtunternehmen OHB ist geschockt. Unbekannte werfen in der Silvesternacht Brandsätze auf ein Bürogebäude in Bremen. Das Feuer richtet erheblichen Schaden an. Es ist nicht der erste Anschlag.
Bremen (dpa/lni) - Nach einem Brandanschlag auf den Raumfahrtkonzern OHB in Bremen vermuten die Sicherheitsbehörden die Täter erneut in den Reihen der linksextremistischen Szene. Noch liege kein Bekennerschreiben vor, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Montag. "Aber natürlich liegt der Verdacht nahe, dass die Täter auch dieses Mal vermutlich in der linksextremistischen Szene zu suchen sind." Mäurer bezog sich damit auf einen Brandanschlag Mitte November 2021, als zwei Brandsätze auf einem Parkplatz vor dem Unternehmen entdeckt worden waren.
Damals tauchte kurze Zeit später auf einer vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuften Internetplattform ein Bekennerschreiben auf, das die Polizei prüfte und als echt wertete. Als Motiv für die Tat im November wurde unter anderem die Geschäftsbeziehung zwischen OHB und der Bundeswehr genannt, bei der es um den Auftrag für das Aufklärungssatelliten-System SAR-Lupe geht. Auch 2018 gab es einen ähnlichen Zwischenfall bei OHB, als Container in Brand gesetzt wurden.
Der Umsatzanteil durch das Geschäft mit der Bundeswehr liegt laut OHB im einstelligen Prozentbereich. "Wir bekennen uns klar zur Bundeswehr als Auftraggeber", sagte OHB-Vorstandsmitglied Daniela Schmidt bei einer Besichtigung der Brandstelle am Montag. Das Feuer in der Silvesternacht zog mehrere Büroräume auf zwei Etagen stark in Mitleidenschaft.
Zwar laufe die Schadensermittlung noch, man könne aber sicher von einem sechsstelligen Betrag ausgehen, sagte Dirk Schulze, der als OHB-Vorstandsmitglied für den Standort verantwortlich ist. Zum Tatzeitpunkt in der Nacht zum Samstag habe sich ein Wachmann im Gebäude aufgehalten. Es wurde aber niemand durch das Feuer verletzt. Die Unternehmensführung zeigte sich schockiert.
In Bremen wurden in der Vergangenheit immer wieder auch Brandanschläge auf Polizei- und Bundeswehrfahrzeuge verübt. Um die Serie der Anschläge in den vergangenen Monaten aufzuklären, richtete der Staatsschutz bereits vor längerem eine eigene Ermittlungsgruppe ein. Mäurer will sich diese Woche noch mit OHB-Chef Marco Fuchs treffen. "Die Besorgnis bei OHB ist groß. Das nehmen wir sehr ernst", so Mäurer.
Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) war bereits Montag bei OHB, um sich ein Bild von dem Brandort zu machen. "Gewalt ist kein Mittel der Politik und kann es auch nicht sein", sagte sie. Sie verwies auf die immense Bedeutung der Raumfahrt für die Umwelt, den Klimaschutz, die Wirtschaft und Verbraucher. "Ohne Erdbeobachtung wüssten wir nichts über den Klimawandel", so Vogt.
Der innenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Marco Lübke, betonte, dass zum Glück niemand verletzt worden sei. "Aber wir sehen ganz klar, dass die Täter inzwischen gezielter vorgehen. Auch in technischer Hinsicht sind diese jüngsten Taten anders zu bewerten. Wir haben es mit verfestigten Strukturen in der linksextremistischen Szene Bremens zu tun. Der Organisationsgrad nimmt zu."
Klare Worte fand auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD): "Ich verurteile den Anschlag auf OHB in aller Schärfe und versichere dem Unternehmen meine volle Solidarität. Wer Feuer in Büroräumen legt, ist nichts weiter als ein Krimineller. Die Polizei wird alles tun, um die Täter zu ermitteln", schrieb er auf Twitter.
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