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Niedersachsen & BremenImmer weniger Kliniken: So läuft die Reform in Niedersachsen

17.04.2026, 05:02 Uhr
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Neue Zentralkliniken lösen altgediente Standorte ab: Was das für die Patienten im Land bedeutet und was Niedersachsens Gesundheitsminister an der Krankenhausreform noch stört.

Hannover (dpa/lni) - Die Krankenhausreform, jahrelang ein politischer Zankapfel, ist inzwischen beschlossen: Erst in dieser Woche traten weitergehende Anpassungen in Kraft, die den Kliniken auch in Niedersachsen mehr Planungssicherheit geben sollen.

Passend dazu beteiligte sich Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) jüngst an der Grundsteinlegung für die neue Zentralklinik Ostfriesische Meere in Südbrookmerland. Ein Projekt, das zum Trend der Zentralisierung der Krankenhäuser passt. Wo steht Niedersachsen beim Umbau der Kliniken – und was bedeutet er für die Patientenversorgung? Ein Überblick.

Wie viele Krankenhäuser gibt es aktuell in Niedersachsen?

Von der Nordseeküste bis in den Harz gibt es derzeit 161 Krankenhäuser. So steht es im Krankenhausplan für dieses Jahr.

Wird es mit der Reform weniger Kliniken geben?

Schon in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Krankenhäuser in Niedersachsen deutlich zurückgegangen: Im Vergleich zum Jahr 2006 hat fast jedes Fünfte inzwischen geschlossen. Damals gab es noch 195 Krankenhäuser, vor zehn Jahren waren es immerhin noch 182 Krankenhäuser landesweit.

Mit der Krankenhausreform dürfte sich dieser Trend fortsetzen, denn vielerorts werden frühere Standorte zu neuen Zentralkliniken zusammengeführt.

Eine stärkere Konzentration und Spezialisierung der Kliniken sind ausdrücklich gewollt. "Dabei werden zum Beispiel im Rahmen von Zusammenschlüssen auch Krankenhäuser schließen", erklärt das Bundesgesundheitsministerium.

Warum werden die Krankenhäuser zentralisiert?

"Größere Einrichtungen mit hoher Fallzahl und Spezialisierung verfügen in der Regel über bessere strukturelle Voraussetzungen, eingespielte Prozesse und umfangreiche Erfahrung" – und das wirke sich in der Regel positiv auf die Qualität aus, teilt das Gesundheitsministerium in Hannover mit. Das Ziel sei eine möglichst gleichwertige Versorgungsqualität in ganz Niedersachsen.

Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) betont, Krankenhäuser aller Versorgungsstufen müssten in allen Regionen in angemessenen Zeiten erreichbar sein. Dabei komme es nicht auf eine konkrete Anzahl an, sondern auf die regionale Verteilung. "Schließungen und Zusammenführungen fanden statt und werden weiterhin stattfinden", sagt Verbandsdirektor Helge Engelke.

Viele Doppelstrukturen seien in Niedersachsen so bereits abgebaut worden. "Dieser Prozess befindet sich, auch unabhängig von der aktuellen Krankenhausreform, weiterhin auf einem sehr guten Weg."

Wo entstehen Zentralkliniken?

Neben der Zentralklinik Ostfriesische Meere im Landkreis Aurich entstehen auch in den Landkreisen Heidekreis und Diepholz neue Zentralkliniken. Die Projekte ersetzen laut Gesundheitsministerium jeweils zwei bis drei "veraltete" Standorte. Die ersten Inbetriebnahmen seien für Ende 2028 geplant.

Eine weitere Zentralklinik sei bereits beantragt worden, noch mehr könnten nach dem Abschluss der Abstimmungen und Planungen vor Ort folgen.

Konkret werden für die Zentralklinik Georgsheil in Südbrookmerland die Standorte Emden, Norden und Aurich aufgegeben. Für die Zentralklinik im Landkreis Diepholz werden die Krankenhäuser Bassum, Sulingen und Diepholz in Twistringen zusammengelegt, für die Zentralklinik Heidekreis in Fallingbostel fallen die Standorte Walsrode und Soltau weg.

Für eine Zentralklinik, die den Landkreis Friesland und die Stadt Wilhelmshaven versorgen soll, läuft die Standortsuche. Geplant ist laut NKG dafür die Aufgabe der Standorte Nordwest Krankenhaus Sande und Klinikum Wilhelmshaven.

Welche Rolle spielen Regionale Gesundheitszentren?

Die Landesregierung sieht in den Regionalen Gesundheitszentren, kurz RGZ, einen wichtigen Faktor vor allem für die Versorgung auf dem Land. Patientinnen und Patienten könnten dort von einem Facharzt ambulant behandelt werden, aber, wenn nötig, auch für einige Tage stationär versorgt werden. Auch kleine Operationen seien möglich. Darüber hinaus könnten etwa Angebote der Kurzzeitpflege oder Physiotherapie in die RGZ integriert werden.

Bisher gibt es vier RGZ in Niedersachsen: in Norden (LK Aurich), Holzminden, Bad Gandersheim (LK Northeim) und Ankum-Bersenbrück (LK Osnabrück). Wie viele es perspektivisch landesweit sein sollen, ist noch offen.

Was erhofft sich Niedersachsen von der Krankenhausreform?

"Die Krankenhausreform verfolgt das Ziel, Qualität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit zu stärken und ermöglicht zugleich Ausnahmen zur Sicherstellung einer flächendeckenden, erreichbaren Versorgung, gerade auch in strukturschwächeren Regionen", erklärt das Ministerium in Hannover.

Die NKG betont, es sei wichtig, die Erreichbarkeit und regionale Besonderheiten der Krankenhäuser zu sichern. Schematische bundesweite Kriterien griffen dafür zu kurz – entsprechend wichtig seien eine verlässliche Landesplanung, transparente Leistungszuweisungen und die finanzielle Absicherung

Wo sieht das Land noch Änderungsbedarf?

Gesundheitsminister Philippi kritisiert, dass der Bund die Zuweisung der Krankenhaus-Leistungsgruppen kurzfristig noch an die strikte Einhaltung von Personaluntergrenzen gekoppelt hat. Eine Unterschreitung dieser Grenzen in einem pflegesensitiven Bereich führe dadurch dazu, dass alle Gutachten des Medizinischen Dienstes eines Standorts negativ würden.

"Das würde viele Häuser treffen, insbesondere unsere großen Krankenhäuser und unsere Uniklinika, die im schlimmsten Fall keine Leistungen mehr anbieten dürften", warnte Philippi. Er erwarte daher vom Bund kurzfristige Klarstellungen oder Übergangsregelungen, ohne eine überbordende Bürokratie zu schaffen.

Quelle: dpa

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