Niedersachsen & BremenKernkraftwerk Stade wird abgerissen

Das Atomkraftwerk Stade ist bereits seit Jahren abgeschaltet. Verabschiedet wurde es mit einem Kunstprojekt, nun wird es vollständig zurückgebaut.
Stade (dpa/lni) - Das Kernkraftwerk Stade wird komplett abgerissen. Mit einer etwa vier Tonnen schweren Stahlkugel wird zunächst gegen die Fassade des Reaktorgebäudes geschlagen, um es mürbe zu machen. Nach und nach soll das Reaktorgebäude einstürzen, dabei kommen eine 16 Tonnen schwere Hydraulikschere und ein 180 Tonnen schwerer Seilbagger zum Einsatz. Geplant ist nach Angaben der Preussenelektra, das Reaktorgebäude bis Ende dieses Jahres vollständig zurückzubauen.
"Mit dem Start der Abbrucharbeiten am Reaktorgebäude erreichen wir den finalen technischen Meilenstein, an dem wir lange gearbeitet haben", sagte Anlagenleiter Marco Albers. "Das gesamte Team hat enorme Sorgfalt in die Erstellung der erforderlichen Unterlagen gesteckt, und ich bin sehr zufrieden, dass die Prüfung des unabhängigen Sachverständigen und die Zustimmung des Niedersächsischen Umweltministeriums jetzt erfolgt sind."
Richtungsweisender Meilenstein für Rückbauprojekte
Zur Vorbereitung des Abbruchs stand seit vergangenen Mai die Schadstoffsanierung im Fokus. Parallel wurde die Freigabefähigkeit des Sicherheitsbehälters – die im Reaktorgebäude befindliche Stahlkugel – und weiterer metallischer Strukturen nachgewiesen, wie das Unternehmen mitteilte. Damit ist der Weg für den Abbau und das Recycling auch dieser Gebäudestrukturen frei.
Dies sei ein branchenweit anerkannter Meilenstein, der richtungsweisend für kommende Rückbauprojekte sein werde, erklärte Hans Georg Willschütz, Fachbereichsleiter Rückbau in Stade. Seit 2022 wurden dafür über 12.000 Quadratmeter Oberfläche untersucht, Hunderte Messreihen durchgeführt und mehr als 500 Proben ausgewertet.
Rückbau läuft seit 2005
Der Rückbau läuft seit 2005 nach einem mehrstufigen Konzept. Die Entlassung des Standorts aus der atomrechtlichen Überwachung ist für Herbst 2027 vorgesehen. Damit wird das Kernkraftwerk Stade der erste kommerziell genutzte Druckwasserreaktor Deutschlands sein, der vollständig zurückgebaut ist.
Im vergangenen Jahr wurde das Werk mit einem Kunstprojekt in der Kuppel verabschiedet, ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfallprodukte bleibt. 1972 ging das Werk in Betrieb, 2003 war es eines der ersten, das in Deutschland abgeschaltet wurde.