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Niedersachsen & BremenNatur und Mini-Dörfer - Warum ein Trip ins Wendland lohnt

23.08.2026, 05:37 Uhr
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(Foto: Ulrike Cordes/dpa)

Das Hannoversche Wendland hat Kult-Charakter. Doch was kaum einer weiß: Fast die gesamte Gegend ist schon seit 1968 ein einziger Naturpark. Und neuerdings sogar mit einem Gold Award ausgezeichnet.

Lüchow (dpa/lni) - Das Hannoversche Wendland ist die am dünnsten besiedelten Landschaften Niedersachsens und bietet so einiges für Naturfreunde: Etwa die Göhrde als größtes zusammenhängendes Mischwaldgebiet Norddeutschlands oder Höhenzüge wie den Höhbeck, auf dem schon Kaiser Karl der Große eine Burg erbauen ließ. Dazu Heide und Vogelschutzgebiete, Seen und Flüsse samt Biber und Eisvogel, Reiher und Seeadler.

Mehr als 300 teils winzige Dörfer mit Namen wie Waddeweitz und Tolstefanz sowie malerische Fachwerkstädtchen können zudem im äußersten Nordosten Niedersachsens besichtigt werden. Unter den Dörfern sind zahlreiche sogenannte Rundlinge, eine weltweit einzigartige Siedlungsform.

116.000 Hektar Fläche

Die Region hat im Laufe der letzten Jahrzehnte viele Fans gewonnen. Einige kamen seit 1977 regelmäßig zum Protest gegen die Atomanlagen in Gorleben und sind geblieben. Andere machen dort Rad-, Reit-, Wander- oder Paddel-Urlaub oder besuchen im Frühjahr die Kulturelle Landpartie. Was kaum einer weiß, selbst Alteingesessene oft nicht: Quasi das ganze Wendland bildet einen einzigen Naturpark. Offiziell gehören zu ihm der Landkreis Lüchow-Dannenberg und im Bereich Bleckede und Dahlenburg noch ein Stück vom Landkreis Lüneburg. Insgesamt gibt es 14 Naturparks in Niedersachsen und 105 in ganz Deutschland.

Gegründet 1968, umfasst der Naturpark Wendland.Elbe heute eine 116.000 Hektar große Fläche. Einzig ein Streifen entlang der Elbe gehört nicht dazu - er steht seit 1997 als Unesco-Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue unter noch höherem Schutz.

Als Naturpark-Geschäftsführerin verantwortlich zeichnet seit 2024 Johanna Mayrberger, trotz ihres österreichischen Namens eine Einheimische. Die 46-Jährige lebt mit ihrer Familie wieder im Landkreis. Zuvor hatte sie in Berlin Geschichte und in Flensburg Tourismus studiert und danach in Dänemark sowie beim BUND Sachsen-Anhalt gearbeitet.

Schutz und Pflege für Küchenschelle und Co.

Ein Status als Naturpark – der im Wendland als gemeinnütziger Verein aus Samtgemeinden und Landkreis sowie Privatmenschen, Unternehmen und Gruppierungen organisiert ist – verpflichtet zur Natur- und Landschaftspflege, zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, zur Tourismusförderung und zur Regionalentwicklung. "Man kann alle vier Säulen bespielen, muss man aber nicht", erklärt Mayrberger in ihrem kleinen Büro im Rundlingsmuseum in Lübeln.

So kümmert sich der Naturpark-eigene Bauhof im Bereich der Natur- und Landschaftspflege um die 390 Kilometer Wander- und 1.100 Kilometer Radwege und deren Beschilderung sowie um Bänke, Rastplätze und Schutzhütten. Immer wieder müssen die fünf Mitarbeiter auch zurückgelassenen Müll einsammeln. In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde in Lüchow setzt der Naturpark zudem Schutz- und Pflegemaßnahmen für gefährdete Arten wie die Küchenschelle um.

Hat die Chefin eine Lieblingsecke im Park? "Es gibt viele - doch tatsächlich mag ich die nach einem großen Waldbrand 1975 entstandene Nemitzer Heide besonders gern", verrät Mayrberger.

Naturpark-Kitas und ein mobiles Waldlabor

"Im Bereich Bildung geht es darum, Menschen ein Verständnis dafür zu geben, wie Natur, Umwelt und Klima funktionieren - um hoffentlich einen positiven Effekt zu erreichen", informiert sie. Das Verständnis soll schon bei den Kleinsten geweckt werden. Es gibt fünf Naturpark-zertifizierte Kitas, in denen eine der vier Büro-Mitarbeiterinnen die pädagogischen Fachkräfte schult. "Wir haben auch ein mobiles Waldlabor - ein Bollerwagen mit Materialien, mit denen die Kinder Arten entdecken und Naturphänomene spielerisch erforschen können", erzählt die Geschäftsführerin.

Ausgesprochen am Herzen liegt Mayrberger zudem die Förderung der Erholung und des nachhaltigen Tourismus in der wirtschaftlich eher strukturschwachen Region. "Sanfter Tourismus ist die Zukunftsvision für unseren Landkreis. Und da gibt es wahnsinnig viel Potenzial, das gehoben werden kann", betont sie. Zum Beispiel durch eigens entwickelte Naturerlebnisangebote wie den Zwergenpfad bei Proitzer Mühle.

Daneben verantwortet der Naturpark auch die strategische Entwicklung und die überregionale Vermarktung des Feriengebiets Landkreis Lüchow-Dannenberg. Ein Problem dabei: Man hätte gern noch ein paar mehr hochwertige gastronomische Betriebe - doch wie überall mangelt es auch hier an Nachfolgern und Neugründern in der Branche. Ein positives Beispiel ist das Kartoffelhotel direkt neben dem Museum in Lübeln, das 365 Tage im Jahr geöffnet ist.

Ein Gold Award für die Ferienregion

Das bisherige Ergebnis der Naturpark-Aktivitäten würdigte die niederländische Stiftung Green Destinations 2026 mit einem Gold Award - einer international anerkannten Zertifizierung für nachhaltige Tourismusregionen. Schon 2023 hatte es für die Region einen Silver Award gegeben. "Unser Naturpark hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt", formuliert Lüchow-Dannenbergs Landrätin Dagmar Schulz (parteilos), die zugleich Vorsitzende des Naturpark-Vereins ist.

Die Landrätin führt dazu aus: "Unsere Natur und naturnahen Lebensräume prägen uns und ermöglichen eine Entwicklung, die zu uns passt. Das Wendland wird zunehmend zur "Marke" und zieht Besuchende, aber auch neue Mitbürgerinnen und Mitbürger an."

Quelle: dpa

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