Regionalnachrichten

Niedersachsen & BremenWarum an einer Schule jetzt Handys weggesperrt werden

23.02.2026, 04:31 Uhr
Die-Huellen-sollen-die-Handynutzung-reduzieren

Abgeben müssen Schüler ihr Handy nicht, auch verboten ist es nicht. Wirklich nutzen können sie es an der Oberschule Northeim aber auch nicht. Was hinter dem Konzept steckt und wie es funktioniert.

Northeim (dpa/lni) - Wenn morgens der Schulgong an der Northeimer Oberschule läutet, haben die Schülerinnen und Schüler die erste Aufgabe bereits erledigt: Sie haben ihr Handy weggesperrt. Noch vor dem Unterrichtsbeginn müssen alle Schüler ihre Smartphones und auch Smartwatches in speziell gesicherten Hüllen verstauen. Erst nach Unterrichtsschluss gibt es die Technik wieder. Was hat es damit auf sich?

Die Schule erhofft sich dadurch mehr Konzentration bei den Schülern sowie einen bewussteren Umgang mit Medien, wie die zuständigen Lehrerinnen Beate Münker und Julia Fabian mitteilten. Weiter sollen so das Miteinander der Schülerschaft gestärkt und Stress und Konflikte durch digitale Medien vermieden werden. Mobbing sei etwa deutlich schwerer, "wenn man seinem Gegenüber dabei in die Augen sehen muss und nicht einfach irgendwas in sein Handy tippen kann", sagte Schulleiter Henning Schult dazu der "Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen". Seit Anfang Februar gilt die Regelung.

Magnetschloss für Handys

Im Detail werden die sogenannten Handyverbotshüllen mit einem magnetischen Mechanismus verschlossen. Ist das Schloss zu, wandert das Handy in den Schulrucksack oder die Jackentasche. Die Schüler müssen ihr Gerät also nicht abgeben, können es aber auch nicht benutzen. Bis zu 15 Euro kostet eine Hülle, die die Schüler selbst kaufen müssen. Nach Unterrichtsschluss werden sie von Lehrerinnen und Lehrern mit einem speziellen Schlüssel wieder geöffnet. Für Notfälle sei auch im Sekretariat einer der Schlüssel hinterlegt, um jederzeit an die Geräte kommen zu können.

Nur Schüler mit chronischen Erkrankungen und einer ärztlichen Bescheinigung sind von der Regelung ausgenommen. Auch sie dürfen aber nur im Notfall oder wenn es medizinisch notwendig ist ihre Handys aus dem Rucksack nehmen - etwa um den Blutzucker zu überprüfen. Eine Arbeitsgruppe der Universität Göttingen soll den Erfolg oder Misserfolg des Projektes künftig untersuchen. Die beiden Lehrerinnen erklärten, weil das niedersächsische Kultusministerium keine konkreten Vorgaben für die zunehmende Handnutzung gemacht habe, "fühlten wir uns aufgefordert, eine Lösung für unsere Schüler zu schaffen".

Land gegen pauschale Verbote

Auch andere Schulen in Niedersachsen schaffen eigene Lösungen. Am Osnabrücker Ratsgymnasium soll es beispielsweise in der Jahrgangsstufe fünf ab dem kommenden Schuljahr eine Smartphone-freie Klasse geben, wie die Schule auf ihrer Homepage schreibt.

Erst Ende vergangenen Jahres hatte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) pauschale Handyverbote sowie Alleingänge einzelner Bundesländer bei dem Thema abgelehnt. Auch Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte sich zuvor ähnlich geäußert und darauf verwiesen, dass Schüler lernen müssen, mit Handys umzugehen. Gleichzeitig wurden Schulen aufgefordert, innerhalb eines Jahres verbindliche Regeln zur Nutzung von Smartphones und Smartwatches festzulegen. Grundschulen wurde explizit ein Handyverbot empfohlen.

Auch auf Bundesebene wird der Umgang mit Handys und sozialen Medien diskutiert. So zeigte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erst vergangene Woche offen für eine Altersbegrenzung für soziale Medien.

Quelle: dpa

Regionales