Niedersachsen & BremenWeniger Straftaten, aber mehr Messerangriffe

Die Gewaltkriminalität in Niedersachsen nimmt ab, aber zunehmende Messerangriffe machen Innenministerin Behrens Kopfschmerzen. Wie das Land darauf reagieren will.
Hannover (dpa/lni) - Im zweiten Jahr in Folge ist die Zahl der Straftaten in Niedersachsen gesunken. Insgesamt 506.634 Taten wurden 2025 gezählt - ein Jahr zuvor waren es noch 529.264 Taten, wie das niedersächsische Innenministerium mitteilte. "Niedersachsen ist im vergangenen Jahr noch sicherer geworden", sagte Innenministerin Daniela Behrens (SPD). Sie gehe davon aus, dass sich das Land angesichts sinkender Fallzahlen und einer gleichbleibenden Aufklärungsquote "in einer vorderen Position im Ländervergleich" befinden werde, so Behrens.
Allerdings gebe es bei Messerangriffen "gegen den Trend" steigende Fallzahlen. "Wir müssen repressiv mit aller Konsequenz gegen Messerangriffe vorgehen und den Schutz der Bürgerinnen und Bürger auch präventiv weiter stärken", forderte sie. Landespolizeipräsident Axel Brockmann sprach von Fallzahlen, die "auf deutlich zu hohem Niveau" lägen: Im vergangenen Jahr gab es demnach im Vergleich zu 2024 insgesamt 130 Messerangriffe mehr, die Gesamtzahl stieg auf 3.185 Fälle. Immerhin 87 der Tatverdächtigen waren männlich.
Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr angekündigt
Bedrohungen machten mit 1.739 Fällen mehr als die Hälfte (54,6 Prozent) aus. Allerdings sank die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen im Zusammenhang mit Messerangriffen um 112 auf 766. Behrens kündigte an, das Ministerium werde ein landesweites Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr erlassen - zeitnah. Das betreffe Busse, Bahnen, Fähren sowie Bahnhofsgebäude, Bahnsteige und Unterführungen, sagte Brockmann.
Einen erheblichen Anteil am Rückgang der Fallzahlen hatte die Entkriminalisierung von Cannabis, hier wurden 2025 immerhin 5.572 Fälle weniger erfasst. Dieser Rückgang sei allerdings "trügerisch", sagte Behrens. Der gewachsene Bedarf an Cannabis könne weder durch den Eigenanbau noch durch Anbauvereinigungen gedeckt werden: "Es ist deshalb naheliegend, dass die Beschaffung auch im Bereich von Cannabis zu einem großen Teil weiterhin auf dem illegalen Markt erfolgt."