Niedersachsen & BremenProzess um getötete Frau: Angeklagter bestreitet Erinnerung

Eine Frau stirbt in Hildesheim, ihr früherer Partner stellt sich wenig später. Zwischen beiden soll es einst eine Liebesbeziehung gegeben haben. Zu den Vorwürfen sagt der Verdächtige vor allem eines.
Hildesheim (dpa/lni) - Nach dem gewaltsamen Tod einer 43 Jahre alten Frau hat ihr tatverdächtiger Ex-Partner zu Prozessbeginn jede Erinnerung an eine eigene Beteiligung abgestritten. "Haben Sie etwas damit zu tun?", fragte der Vorsitzende Richter am Landgericht Hildesheim, Philipp Suden. "Nicht, dass ich wüsste", antwortete der 37-Jährige. Er könne sich nicht an das erinnern, was passiert ist - er habe sie "niemals verletzen geschweige denn töten" wollen. Dem Mann wird Totschlag vorgeworfen, der Deutsche soll die Frau Ende Februar in seiner Wohnung getötet haben.
Mutmaßlicher Täter stellt sich der Polizei
Laut Anklage hatten der Angeklagte und das Opfer zwischen 2013 und 2024 eine Beziehung, zwei Kinder gingen daraus hervor. Die Beziehung sei von Eifersucht, Alkohol- und Drogensucht sowie körperlicher Gewalt geprägt gewesen. Seit Oktober 2025 sei der 37-Jährige in einer neuen Beziehung. Erst kurz vor der Tat soll die 43-Jährige wieder Kontakt zu ihm aufgenommen haben und in seine Wohnung eingezogen sein.
Am 28. Februar soll die Lage eskaliert sein, der Angeklagte soll dem Opfer in beide Oberarme gestochen und derart auf ihr Gesicht und ihren Oberkörper "eingewirkt" haben, dass sie erstickte. Der mutmaßliche Täter hatte sich nach zwei Tagen auf der Flucht selbst der Polizei gestellt.
"Dauernd besoffen und unter Drogen"
In einer Erklärung vor Gericht sagte der 37-Jährige, es habe oft Streit mit seiner Ex-Partnerin gegeben. Auch seien viel Alkohol und Drogen im Spiel gewesen, die Kinder seien daher in Obhut seiner Eltern gekommen - "weil wir dauernd besoffen waren und unter Drogen standen". Nach längerer Trennung habe sie "verheult und mit zwei blauen Augen" vor seiner Tür gestanden - sie habe einem Bekannten Kokain entwendet und konsumiert. Auch habe sie die Beziehung wieder aufnehmen wollen. Körperliche Übergriffe habe es nicht gegeben.
Am Tag vor der Tat habe er mit Bekannten viel getrunken und Kokain genommen, später in seiner Wohnung habe er weitergetrunken, erzählte der Angeklagte. Auf dem Sofa sei er eingeschlafen, dann sei er aufgewacht, weil er einen "dumpfen Schlag" auf dem Kopf verspürt habe. Die 43-Jährige habe mit "böser, dämonischer Fratze" vor oder möglicherweise auf ihm gesessen. Er wehrte sich. Erst später habe er wahrgenommen, dass sie auf dem Boden lag, und versucht, sie wiederzubeleben - vergeblich. In Panik sei er zu einer Tante nach Göttingen geflohen. An vieles konnte er sich nicht erinnern.
Während der Aussage war von der Nebenklage-Bank, wo die Familie des Opfers saß, leises Lachen zu hören - und der Ausruf: "Frechheit." In dem Prozess sind fünf Fortsetzungstermine geplant, ein Urteil könnte demnach am 29. September fallen.