Niedersachsen & BremenUm Abschluss gebracht - "Ein richtiger Schlag ins Gesicht"

Ein fehlendes Zeugnis, verlorenes Vertrauen und drei verschenkte Jahre: Wie eine Schülerin um ihren verwehrten Abschluss kämpfte.
Vechta (dpa/lni) - Ein Fehler ihrer Schule hat einer jungen Frau drei Jahre gekostet: Sanem Arduc aus Vechta hat jahrelang umsonst die Schulbank gedrückt, weil ihr der Abschluss verweigert wurde. "Als ich das erste Mal erfahren habe, dass ich meinen Realschulabschluss eigentlich schon 2022 hätte bekommen müssen, habe ich sehr geweint", erzählt Arduc der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", der "Nordwest-Zeitung" und anderen Medien. "Für mich war das ein richtiger Schlag ins Gesicht."
Arduc ist eine von mehr als 100 Schülerinnen und Schülern, die an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Vechta mit einem zu niedrigen oder gar keinem Schulabschluss entlassen worden waren. Das Land will prüfen, ob auch andere Ober- und Gesamtschulen betroffen sind.
Wie die Schülerin doch noch ihren Abschluss bekam
Sie sei damals schon skeptisch gewesen, erzählt die Schülerin. Doch sie habe ihren Lehrkräften vertraut. "Als ich den Realschulabschluss nicht bekommen habe, waren mein Selbstwertgefühl und mein Grundvertrauen in mich selbst plötzlich weg."
Nur durch Zufall habe sie im vergangenen Jahr auf einer Geburtstagsfeier von einem ähnlichen Fall erfahren und daraufhin das Kultusministerium kontaktiert. Mit Erfolg: Wenige Wochen später habe sie ein Schreiben der Schulleitung erreicht, dass sie nun ihr Zeugnis abholen könne. "Darin stand: "Es tut uns leid."", sagt Arduc. "Sie konnte nicht einmal meinen Nachnamen richtig schreiben. Da denke ich mir schon: Wie viel Wert legt sie eigentlich darauf, dass ich wegen dieses Fehlers drei Jahre verloren habe."
Auch Freunde von ihr seien betroffen, berichtet Arduc. "Sie haben teilweise sehr darunter gelitten." Inzwischen hätten alle ihren Weg gefunden. Sie selbst mache gerade ihr Abitur. "Nächstes Jahr möchte ich studieren."