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Niedersachsen & BremenZecken breiten sich im Nordwesten aus – so schützen Sie sich

21.07.2026, 05:01 Uhr
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Aufgrund des Klimawandels sind Zecken in Niedersachsen mittlerweile das ganze Jahr über aktiv. Zum Kontakt kommt es meist im Alltag – und nicht nur bei Ausflügen. So halten Sie Gefahren gering.

Hannover (dpa/lni) - Ob im Wald, in Parks oder im eigenen Garten: Zecken breiten sich auch im Norden immer weiter aus. "Zecken kommen verstärkt in ganz Niedersachsen vor – in der freien Natur, aber auch in Parks und Gärten", sagt Holger Scharlach, Sprecher des niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA). Zum Kontakt komme es meist im Alltag – und nicht nur bei Ausflügen.

Sind Zecken in Niedersachsen auf dem Vormarsch?

"Wir beobachten auch, dass sich die von Zecken übertragbare Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, aus den südlichen und südöstlichen Bundesländern immer weiter in den Norden verbreitet", erklärt Masyar Monazahian, Virologe am NLGA. In ganz Deutschland könne mittlerweile das FSME-Virus in Zecken nachgewiesen werden.

Auch in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen Jahren neue FSME-Risikogebiete ausgewiesen worden, während diese zuvor überwiegend in Süddeutschland bekannt waren, wie Monazahian erläuterte. "Dies zeigt, dass der Trend grundsätzlich Richtung Norden geht, aber eine genaue Prognose, wie sich die regionale Situation in den kommenden Jahren verändern wird, ist nicht möglich".

Wo ist das Risiko besonders hoch?

Mittlerweile sind in Niedersachsen das Emsland (seit 2019) und Celle (seit 2025) zu FSME-Risikogebieten erklärt worden. Das Landesgesundheitsamt beobachtet laut Monazahian die Entwicklung der FSME seit Jahren sehr genau und untersucht stichprobenartig Zecken auf diese Viren. Dabei wurde in verschiedenen Orten – unter anderem in den Landkreisen Emsland, Cuxhaven, Nienburg und in der Region Hannover – das FSME-Virus in Zecken nachgewiesen.

Zecken finden sich im direkten Lebensumfeld, also vor der Haustür, im eigenen Garten oder im Park – und nicht nur tief im Wald. Die Tiere seien flächendeckend verbreitet. "Der Kontakt passiert im Alltag – nicht nur bei Ausflügen", betont der Virologe.

Wann ist Saison in Niedersachsen?

"Die typische Zeckenzeit von März bis September gibt es quasi nicht mehr", erklärt Monazahian. Aufgrund des Klimawandels seien Zecken inzwischen ganzjährig aktiv und zu jeder Jahreszeit ein gesundheitliches Risiko.

Wie viele FSME-Erkrankungen gibt es?

In diesem Jahr sind – Stand Mitte Juli – fünf FSME-Fälle in Niedersachsen gemeldet worden, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es elf Fälle, in 2024 insgesamt 13 Infektionen. Wichtig sei: Nicht jeder gemeldete Fall sei auf eine Infektion in Niedersachsen zurückzuführen.

Bekanntestes Symptom einer FSME-Erkrankung ist die Hirnhautentzündung. Unter Umständen können Fieber, Kopfschmerzen oder Erbrechen und selbst Darmbeschwerden auf eine Infektion hindeuten.

Wie ist die Lage in Bremen?

Bis Mitte Juli wurde im Land Bremen kein FSME-Fall registriert, wie Kristin Viezens, Pressesprecherin der Gesundheitssenatorin, mitteilte. Auch im vergangenen Jahr gab es keine FSME-Infektion, in 2024 wurde demnach eine Erkrankung gemeldet.

Sollte ich mich impfen lassen?

Gegen FSME kann man sich durch eine Impfung schützen. Für Niedersachsen besteht wie in ganz Deutschland die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO): "Allen Erwachsenen, die in einem Risikogebiet leben und sich häufiger in der freien Natur aufhalten – und entsprechend ein höheres Risiko für Zeckenbisse haben – wird eine Impfung empfohlen", sagt Thomas Buck, stellvertretender Präsident der Ärztekammer Niedersachsen. Ebenso werde sie Reisenden empfohlen, die innerhalb oder außerhalb Deutschlands in Risikogebiete einreisen. "Für die Impfung gilt generell, dass sie meist sehr gut vertragen wird und einen sehr hohen Schutz bietet", betont der Mediziner.

Eine Impfung könne auch in Regionen, in denen FSME bei Zecken nachgewiesen wurde, sinnvoll sein. "Insbesondere bei Personen, die sich oft im Freien aufhalten und auch schon von Zecken gebissen worden sind, sollte man dies in Betracht ziehen", sagt Buck.

Sind Kinder stärker gefährdet?

Vor allem für Kinder gilt laut Buck, dass sie sich häufiger im Freien aufhalten und deshalb auch ein höheres Risiko haben, von einer Zecke gebissen zu werden. Eltern sollten bei Kindern grundsätzlich nach längeren Aufenthalten im Freien Ausschau nach Zecken halten.

Wie weit ist Borreliose verbreitet?

Zecken können außer der FSME auch Borreliose übertragen. "Das ist keine meldepflichtige Erkrankung, deshalb liegen hierzu keine Zahlen vor", sagt Monazahian. Überall im Land bestehe aber die Gefahr, nach einem Zeckenstich an einer Borreliose zu erkranken. Je nach Region und Entwicklungsstadium der Zecken sind bis zu 35 Prozent mit Borrelien infiziert.

Typisches Anzeichen einer Borreliose ist ein roter Hautring um die Einstichstelle. Gegen die Krankheit gibt es keine Impfung, sie kann insbesondere im Frühstadium mit Antibiotika behandelt werden. "Eine Zecke, die zugestochen hat und fest in der Haut sitzt, sollte immer möglichst schnell entfernt werden, denn es dauert einige Stunden, bis die Borreliose-Erreger auf den Menschen übertragen werden", erklärt der Virologe.

Was bewirkt der Klimawandel?

"In Deutschland gesamt beobachten wir eine stetige Zunahme von FSME-Risikogebieten", erklärt Buck. Infolgedessen sei es durchaus vorstellbar, dass zukünftig von einem generell hohen Risiko ausgegangen werden muss und die Impfempfehlung dann irgendwann sogar ganz allgemein gilt.

Quelle: dpa

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