Nordrhein-WestfalenBewaffneter Überfall auf Juwelier – Angeklagte gestehen

Eine halbe Million Euro Beute, Masken und eine Maschinenpistole: Im Prozess um den Überfall in Mönchengladbach legen die Angeklagten Geständnisse ab. Sie hätten aus Angst gehandelt.
Mönchengladbach (dpa/lnw) - Nach dem Überfall eines mit einer Maschinenpistole bewaffneten Trios auf einen Juwelier und Goldhändler in Mönchengladbach haben drei Männer Geständnisse abgelegt. Beim Prozessbeginn am dortigen Landgericht räumten der 21 Jahre alte Angeklagte und die beiden 22 Jahre alten Angeklagten ihre Tatbeteiligung ein.
Besonders schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung
Die Männer aus den Niederlanden waren noch im Umfeld des Ladens gestellt worden. Sie sind unter anderem wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Überfall hatte sich am 9. August in der Mönchengladbacher Innenstadt abgespielt.
Ein Überwachungsvideo des Ladens zeigt, wie drei bewaffnete und mit Motorradhelmen und Sturmhauben maskierte Täter in das Geschäft eindringen und den Goldhändler attackieren. Doch der Inhaber wehrt sich, zwei Angehörige und zwei Kunden greifen ein.
Opfer leisten Widerstand
Der 46-Jährige hatte versucht, einem der Räuber die Maschinenpistole zu entreißen. Dabei soll es sich um einen Kalaschnikow-Nachbau gehandelt haben. Bei dem Gerangel löste sich aus der Waffe ein Schuss, verletzt wurde dabei niemand. Das Überwachungsvideo des Ladens zeigt, wie einer der beiden 22-jährigen Angeklagten von vier Männern in dem Geschäft massiv bedrängt, geschlagen und getreten wird.
In der Zwischenzeit räumte einer der Räuber Gold und Schmuck in eine Tasche. "Der Wert: rund eine halbe Million Euro", sagte der Goldhändler als Zeuge im Prozess. Er habe nahezu alles zurückbekommen. "Jetzt fehlen noch 170 Gramm Gold." Der Verbleib sei ungeklärt.
Zur Tat gezwungen?
Übereinstimmend erklärten die Angeklagten über ihre Verteidiger, dass sie in den Niederlanden zu der Tat "von wirklich gefährlichen Leuten" gezwungen worden seien. Nur aus Angst um sich und ihre Familien hätten sie mitgemacht. In der Einlassung des jüngsten Angeklagten hieß es, er habe in Groningen hohe Schulden beim Pokern in einer marokkanischen Shisha-Bar gemacht. Für seine Teilnahme am Überfall sollten ihm 21.000 Euro Schulden erlassen werden. Gleichzeitig sei seine Familie massiv bedroht worden.
Ähnlich soll es bei den beiden Mitangeklagten gewesen sein. Angeblich aus Angst vor Racheaktionen gegen ihre Angehörigen wollten die drei Angeklagten keine Angaben zu den Anstiftern des Überfalls machen. Bei einer Verurteilung müssen die jungen Männer mit mehrjährigen Gefängnisstrafen rechnen. Für den Prozess sind bis zum 4. Februar noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt.