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Nordrhein-Westfalen Einstiges Steag-Kraftwerk in Lünen wird gesprengt

Das Steag-Kraftwerk wird auf seine Sprengung vorbereitet. Foto: Bernd Thissen/dpa

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

420 Kilo Sprengstoff wird es brauchen, um einen riesigen Schornstein, einen Kühlturm und ein Kesselhaus zu Fall zu bringen. Mit dem einstigen Steag-Kraftwerk in Lünen wird am Sonntag ein Stück Steinkohlegeschichte dem Erdboden gleichgemacht.

Lünen (dpa/lnw) - 250 Meter ragt der Schornstein in die Höhe, daneben der 110 Meter hohe Kühlturm: Doch nach Sonntag ist dieser Blick auf das ehemalige Steag-Kraftwerk in Lünen Geschichte. Zwei Jahre nach seiner Stilllegung wird der Meiler gesprengt. Die Vorbereitungen auf das explosive Ende des Steinkohlekraftwerks laufen bereits seit Dezember.

Denn bevor am Sonntag mit zwei großen Sprengungen erst der Schornstein und dann etwa eine Stunde später Kesselhaus und Kühlturm zu Fall gebracht werden, werden die Sprengexperten der Abbruchfirma Hagedorn insgesamt 2100 Bohrungen gemacht haben. 420 Kilogramm Sprengstoff werden in die Löcher gefüllt. Besonders herausfordernd sei es, den bis zu 40 Millimeter dicken Stahl der Kraftwerkskonstruktion zu durchtrennen, sagte Sprengmeister André Schewcow laut Mitteilung.

Der Standort in Lünen war bis zur Stilllegung 2018 das älteste Kraftwerk des Energieerzeugers Steag GmbH und hat früher unter anderem Bahnstrom produziert. Verlust von Arbeitsplätzen einerseits, ein weiterer sichtbarer Schritt für den Strukturwandel und die Energiewende andererseits: Für viele Menschen in der Region sei das Verschwinden der Landmarken emotional behaftet, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens Hagedorn, das das 37 Hektar große Kraftwerksareal Ende 2019 erworben hatte und nun für die Ansiedlung neuer Unternehmen aufarbeiten will.

Weil in der Corona-Pandemie keine Menschenansammlungen und somit kein kollektives Mitverfolgen der Sprengung vor Ort möglich sei, kündigte Hagedorn eine Online-Übertragung mit Live-Berichten und vorproduziertem Rahmenprogramm an. Auch die Stadt Lünen bat die Menschen angesichts der hohen Corona-Infektionsraten, das Spektakel vor dem Bildschirm zu verfolgen. Zum Zeitpunkt der Sprengung wird rund um das Kraftwerksgelände zudem ein Sperrbereich von bis zu 800 Metern errichtet, in dem Anwohner ihre Häuser verlassen müssen und Straßen abgeriegelt werden.

Doch auch nach dem Fall von Kühlturm, Schornstein und Kesselhaus bleibt die Stadt Lünen in der Nähe von Dortmund Kraftwerksstandort: Der Stadtwerkeverbund Trianel aus Aachen betreibt dort ein Kraftwerk mit einer Leistung von 750 Megawatt. Es war gegen den Widerstand von Umweltverbänden auch vor Gerichten 2013 ans Netz gegangen.

© dpa-infocom, dpa:210326-99-977718/2

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