Nordrhein-WestfalenHandy in Windeln, Kokain im Fisch - Verbotenes in der JVA

Die Wege, Drogen und Mobiltelefone in den Knast zu schleusen, werden immer raffinierter. Justizminister Limbach hält den Strafvollzug aber für sicher. Wie kommt das Zeug rein und was können Spürhunde?
Köln (dpa/lnw) - Handys so klein wie eine Streichholzschachtel werden in einem Tennisball oder in der Körperöffnung eines Besuchers in den Knast eingeschleust. Haschisch steckt in einer Dattel, eine harte Droge finden Bedienstete der Justizvollzugsanstalt Köln in einer Dose Heringsfilet. Ein größeres Mobiltelefon schafft es in einer Schuhsohle per Postpaket hinter Gefängnismauern, ein Ladekabel steckt tief im gefüllten Nutella-Glas.
Beispiele aus den letzten beiden Jahren, die der Leiter der Sicherheit in der JVA Köln, Frank Pohlen, am Rande eines Besuchs von NRW-Justizminister Benjamin Limbach schildert. Kleinere Mengen Drogen würden auch immer wieder über Gefängnismauern geworfen. Die JVA Köln ist die größte im geschlossenen Vollzug des Landes. Aktuell sind dort 802 Männer und Frauen inhaftiert - der offene Vollzug ist dabei eingerechnet.
Limbach: Die Sicherheitsmaßnahmen im Strafvollzug wirken
Auch wenn es immer wieder zu teils spektakulären Funden kommt, betont Limbach: "Der Strafvollzug ist sicher." Dafür sorgten die Bediensteten, die einen "sehr harten, einen sehr schweren Job" machten, regelmäßige Haftraumkontrollen sowie Diensthunde. "Unsere Maßnahmen funktionieren", sagt der Grünen-Politiker, der wegen Korruptionsverdachtsfällen gegen JVA-Bedienstete und eingeschmuggelter verbotener Gegenstände in diversen Haftanstalten in der Kritik steht.
Im Rechtsausschuss des Düsseldorfer Landtags war Limbach mehrfach gefragt worden, ob die Haftanstalten in NRW noch ausreichend sicher seien, die SPD-Opposition hatte seine Ablösung verlangt. In Köln bemängelte der Minister nun, dass ein "Generalverdacht" gegen JVA-Bedienstete entstanden sei. Einzelne Verdachtsfälle nehme er ernst.
Diensthunde sind auf Handys und Drogen konditioniert
Sicherheitschef Pohlen zufolge werden die Hafträume einmal pro Woche kontrolliert - bei konkreten Verdachtsfällen könne das auch täglich erfolgen. Solche Kontrollen seien aber auch "schwere Eingriffe", der Haftraum werde auf links gedreht, die gefangene Person müsse sich womöglich entkleiden. Jeder Besucher werde "im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten" durchleuchtet, etwa mittels Abtasten und mit einer Sonde, die metallische Gegenstände finde. "Aber damit finden Sie natürlich nicht alles."
Besondere Sorgen bereiten die sogenannten Neuen Psychoaktiven Stoffe (NPS), die etwa auf Briefe aufgesprüht würden und so an Gefangene gelangen könnten. Diese Drogen seien sehr gefährlich, erläutert Pohlen. Mitunter schafften es auch "Waffen" hinter Gittern - Werkzeugteile oder auch mal eine präparierte messerscharfe Dose Bohnen.
Der Vollzug arbeite gut, es werde viel gefunden und aus dem Verkehr gezogen. Allerdings: "Dass die hier drinnen nicht auf einmal Chorknaben werden, ist ja klar." Und es gebe ein "großes Netzwerk draußen", das auch technisch immer geschickter vorgehe. Die Diensthunde seien eine gute Unterstützung.
Bis zu 14 Diensthunde in den Gefängnissen in NRW
Die Hunde können Handys, Drogen, auch NPS aufspüren, schildert der Koordinator der Diensthundestaffel in NRW, Guido Schindler. Und so zeigt die belgische Schäferhund-Dame Evi bei dem Medientermin mit Limbach in einer Zelle ihr Können. Allerdings stehen für die Haftanstalten im gesamten Bundesland nur sieben Diensthundeführer bereit, die laut Konzept zwei Hunde haben, wie Schindler berichtet.
Limbach stellt klar, dass er angesichts der jüngsten Berichte über Mängel und Skandale auch in die JVA gekommen sei, um deutlich zu machen, was der Strafvollzug "an Manpower und Dogpower" aufbringe und leiste. Trotz aller immer wieder nachgeschärften Maßnahmen könne es aber keine hundertprozentige Sicherheit geben.
JVA-Leiterin Angela Wotzlaw sagte zu Korruptionsverdachtsfällen, es handele sich um Einzelfälle, das komme leider überall in der Gesellschaft vor. Sie wies vor allem auf schwarze Schafe unter den Besucherinnen und Besuchern hin. Beispiel: Eine Mutter und ihr Baby werden kontrolliert, auch die Windel. Die Frau geht kurz auf die Toilette, holt ein XS-Handy aus ihrer intimen Körperöffnung, schiebt es beim neuerlichen Wickeln in die Windel - und als der inhaftierte Papa sein Baby umarmt, wird er zum Handy-Besitzer.