Nordrhein-Westfalen"Katastrophe": Bonner Nordbrücke jetzt voll gesperrt

Eine wichtige Ost-West-Autobahnbrücke ist ab sofort dicht: Wegen Schäden am Tragwerk sperrt die Autobahn GmbH die A565-Rheinbrücke Bonn-Nord. IHK und ADAC sprechen von einer Katastrophe.
Bonn (dpa/lnw) - Neue Hiobsbotschaft für Autofahrer im Rheinland: Die marode Bonner Nordbrücke ist ab sofort voll für den Verkehr gesperrt. Aktuelle Prüfungen hätten strukturelle Schäden am Tragwerk ergeben, teilte die Autobahn GmbH zur Begründung mit. Die Brücke ist Teil der Autobahn 565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region Bonn/Rhein-Sieg. Wie lange die Sperrung dauern wird, ist nicht absehbar – "bis auf weiteres", sagte eine Sprecherin.
Die Sperrung werde erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in der Region haben, räumte Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH, ein. Aber: "Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar." In Abstimmung mit den Behörden seien Ausweichrouten vorbereitet worden.
ADAC: "Vollkatastrophe für die Region"
Nun werde geprüft, ob es technische Möglichkeiten gibt, mit denen die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. "Eine abschließende Bewertung kann erst nach Abschluss der Untersuchungen erfolgen. Bis dahin bleibt die Brücke gesperrt."
Die Sperrung sei "eine Vollkatastrophe für die Region", sagte Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein. Der ADAC hat bereits im vergangenen Jahr in einer Modellstudie die Sperrung der Nordbrücke simuliert und berechnet, dass Autofahrer dann pro Jahr Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen müssten, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern.
IHK: Minister soll Brücke zur Chefsache machen
Viele Autofahrer würden in den Kölner Raum ausweichen und dort das ohnehin schon am Limit laufende Verkehrssystem belasten. Der volkswirtschaftliche Schaden wird sich nach Einschätzung des ADAC auf mehr als 170 Millionen Euro belaufen.
Die IHK Bonn/Rhein-Sieg sprach von einer Katastrophenmeldung. "Die Rheinbrücken sind die Lebensadern unserer Region. Die Nordbrücke muss spätestens jetzt Chefsache des Verkehrsministers werden", forderte IHK-Präsident Stefan Hagen. Ähnlich äußerte sich der Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Thomas Rademacher: "Die Rheinbrücken bilden das Rückgrat unserer Region – ohne sie steht der Verkehr still und der wirtschaftliche Schaden wird immens sein."
Bonner OB erst kurz vor der Sperrung informiert
Der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) war nach Angaben einer Sprecherin am späten Vormittag über die kurzfristige Sperrung der Brücke informiert worden. Die Autobahn GmbH habe versichert, dass die Nordbrücke für sie ab sofort "Priorität Nummer eins in NRW" sei. Möglich seien demnach "eine Ertüchtigung der Nordbrücke für die Wiedernutzung oder der Neubau."
Aus Sicht der SPD-Landtagsfraktion hat NRW nun "einen weiteren Stau-Hotspot": "Jetzt geht es darum, dass der Verkehr bestmöglich umgeleitet wird und dabei die Belange der Wirtschaft sowie der Anwohnerinnen und Anwohner zuvorderst in den Blick genommen werden", sagte der verkehrspolitische Sprecher Gordan Dudas.
Sperrung betrifft auch weitere Abschnitte der A565
Der Grünen-Landesvorsitzende Tim Achtermeyer forderte die Einrichtung einer Taskforce, der unter anderem Vertreter anliegender Kommunen und der regionalen Wirtschaft angehören sollten, "um gemeinsam nach schnellen Lösungen für die nun entstehende Verkehrssituation" zu suchen.
Die Sperrung betrifft laut Autobahn GmbH nicht nur die Brücke selbst, sondern auch weitere Abschnitte der A565 zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Autobahndreieck Bonn-Nordost. So sind in Fahrtrichtung Koblenz keine Überfahrten mehr von der A59 aus Köln und Königswinter auf die A565 möglich. In Fahrtrichtung Siegburg sind im Kreuz Bonn-Nord sämtliche Verbindungen auf die A565 nach Siegburg gesperrt. Weiträumige Umfahrungen führen über die A3 oder die A61.
Brücke bereits seit Februar für Lkw gesperrt
Bereits seit Februar gilt auf der Rheinbrücke Bonn-Nord ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Bis dahin fuhren dort täglich rund 100.000 Fahrzeuge über den Rhein, davon gut fünf Prozent Schwerlastverkehr.
Bei Überprüfungen waren an der 660 Meter langen Brücke aus den 1960er Jahren zahlreiche Schäden aufgefallen. Zudem gibt es an einem Teil der Konstruktion statische Probleme. Der geplante Neubau soll nach früheren Angaben frühestens in den 2030er Jahren beginnen.
Laut ADAC ist fast ein Drittel der rund 6.200 Autobahnbrücken in NRW sanierungsbedürftig. Als aktuelles Sorgenkind gilt etwa auch die Wiehltalbrücke auf der A4 zwischen Köln und Olpe. An der A45 bei Lüdenscheid war die marode Rahmede-Talbrücke von Ende 2021 an vier Jahre lang für den Verkehr gesperrt - seit vergangenem Dezember rollt der Verkehr über eine neue Brücke.