Nordrhein-WestfalenNRW-Wirtschaft: Forscher sehen Licht am Horizont

Das RWI erwartet für NRW ein leichtes Wirtschaftswachstum und rechnet mit mehr Arbeitsplätzen. Wie die Prognose für 2026 aussieht und welche Herausforderungen bleiben.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Wirtschaftsleistung in Nordrhein-Westfalen wird laut einer Prognose im laufenden Jahr wieder etwas wachsen. Experten des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt in NRW um 0,9 Prozent zulegen wird und damit ähnlich stark wie insgesamt in Deutschland (1,0 Prozent).
"In Nordrhein-Westfalen mehren sich die Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung", sagte RWI-Konjunkturforscher Torsten Schmidt in Düsseldorf bei der Vorlage des Konjunkturberichts. Er trägt die Überschrift "Schritt für Schritt aufwärts". 2025 war die Wirtschaft in NRW nicht gewachsen. Laut RWI stagnierte das Bruttoinlandsprodukt (0,0 Prozent).
Konjunkturforscher rechnen mit Rückgang der Arbeitslosenquote
"Die Auftragszahlen steigen, die Erwartungen der Unternehmen hellen sich allmählich in allen Wirtschaftszweigen auf", hieß es beim NRW-Wirtschaftsministerium. Die Beschäftigung entwickele sich überdurchschnittlich gut. Laut RWI-Prognose sollen 2026 in NRW etwa 36.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, was ein Plus von rund 0,5 Prozent bedeuten würde. Bei der Arbeitslosenquote rechnen die Forscher mit 7,6 Prozent im Jahresdurchschnitt nach 7,8 Prozent im Jahr 2025. Für Deutschland rechnet das RWI für 2026 mit 6,2 Prozent (2025: 6,3 Prozent).
"Ein echter Aufschwung fühlt sich anders an", kommentierte Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) die Prognose. Zwar komme man wieder in Bewegung, aber man sei noch nicht im Sprint. Sie verwies auf das 30 Milliarden Euro schwere Infrastruktur- und Investitionsprogramm "NRW-Plan", das die Landesregierung im vergangenen Herbst vorgelegt hatte. Das Programm lege die Grundlage, "damit aus Hoffnung wieder echte wirtschaftliche Stärke wird", so Neubaur.
IHK NRW: Lage zu Jahresbeginn stabilisiert sich auf niedrigem Niveau
"Der Start in das Jahr 2026 war für viele Unternehmen schwierig", betonte der Präsident der Industrie- und Handelskammer NRW, Ralf Stoffels. Hohe Arbeits- und Energiekosten sowie die Unsicherheiten im Außenhandel belasteten die Konjunktur. "Immerhin: Nach sechs Jahren des Abschwungs stabilisiert sich die Lage zu Jahresbeginn auf niedrigem Niveau."
Laut Schmidt können staatliche Programme zwar Impulse geben, aber "keine durchgreifenden Strukturreformen für ein sich selbst tragendes Wachstum" ersetzen. Dabei habe NRW gute Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung. "Das Land verfügt über eine starke industrielle Basis, gut ausgebildete Fachkräfte und eine innovative Forschungslandschaft."
SPD kritisiert schwarz-grüne Landesregierung
Die SPD-Opposition im Düsseldorfer Landtag warf der Landesregierung vor, keine Lösungen anzubieten. "Nach fast vier Jahren im Amt hat Wirtschaftsministerin Neubaur keine strukturell wirksamen Maßnahmen durchgesetzt, die die Wettbewerbsfähigkeit messbar verbessern", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexander Vogt. Wenn sich die Konjunktur leicht stabilisiere, dann sei das vor allem dem Bund zu verdanken. "Ohne dessen Sondervermögen für Infrastruktur gäbe es gar keinen NRW-Plan der Landesregierung."