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Nordrhein-WestfalenNRW startet erstes anonymes Feedback-Portal für Schüler

16.03.2026, 15:28 Uhr
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Wie erleben Schüler ihren Schulalltag wirklich? NRW fragt nach Sorgen, Miteinander und Mitbestimmung – anonym und digital.

Düsseldorf (dpa/lnw) - In Nordrhein-Westfalen soll systematisch erhoben werden, wie Kinder und Jugendliche sich an ihren Schulen fühlen und ob sie über das Schulleben mitentscheiden dürfen. Alle öffentlichen Schulen und privaten Ersatzschulen seien in dieser Woche eingeladen worden, sich am ersten großen Testlauf für ein neues Schüler-Feedback zu beteiligen, berichtete Schulministerin Dorothee Feller (CDU) in Düsseldorf.

In einem digitalen Portal können anonym Fragen beantwortet werden - etwa zu Sorgen und Belastungen, dem Umgang miteinander und zur demokratischen Teilhabe. Für Grundschüler gibt es 30 Fragen, an weiterführenden Schulen 40 Fragen.

Vor Angst lieber zuhause bleiben

Unter anderem können sie in fünf Abstufungen angeben, inwieweit sie etwa folgenden Vorgaben zustimmen:

  • Manchmal habe ich so große Angst vor der Schule, dass ich lieber zuhause bleiben würde.

  • In der Schule ist es in Ordnung, dass ich so bin, wie ich bin.

  • Ich habe das Gefühl, ich bin meinen Lehrkräften wichtig.

  • Ich habe an meiner Schule eine Lehrkraft, die an meinen schulischen Erfolg glaubt.

  • Ich fühle mich in meiner Schule sicher.

  • An unserer Schule werden wir darin unterstützt, aus Fehlern zu lernen.

  • In der Schule erlebe ich oft, dass ich ausgeschlossen werde.

Das Portal ist ab dem 17. März erreichbar. In zwei verschiedenen Intervallen können Schulen sich bis zum 8. Mai an dem Pilot-Feedback beteiligen. Lehrkräfte und Schulleitungen erhalten anschließend digitale Ergebnisberichte, in denen die Rückmeldungen zusammengefasst sind - auch im Vergleich zu landesweiten Daten. Auf dieser Grundlage sollen Schulen und Aufsicht planen, wie sie das Wohlbefinden und die Leistungen der Schüler steigern können.

Feedback ohne "Lehrer dissen"

Das Schüler-Feedback habe nichts mit dem umstrittenen ehemaligen Lehrerbewertungsportal "Spickmich" gemein, betonte Feller. Die Fragen seien gemeinsam mit Schülern entwickelt worden.

Mit diesem Instrument reagiere ihr Haus auf Studien, denen zufolge viele Schülerinnen und Schüler Unterstützung bei ihrer sozial-emotionalen Entwicklung benötigten. So habe der jüngste Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen über alle Bundesländer hinweg offenbart, dass jeder zweite Schüler nach eigener Aussage unter mittleren oder sogar großen emotionalen Problemen leide.

"Ich wisch’ das nicht weg nach dem Motto: "Die stellen sich so an"", versicherte die Schulministerin. "Soziale und emotionale Kompetenzen sind für den Lern- und Bildungserfolg unserer Kinder und Jugendlichen genauso wichtig wie das Lesen, Schreiben, Zuhören und Rechnen." Deshalb müsse man ihnen ganz genau zuhören.

Schulklos außer Frage

Bei der Befragung gehe es um das Zwischenmenschliche, nicht um den Zustand der Schul-Toiletten oder um zugige Fenster, erklärte Feller. "Dass die Toiletten so sind, wie sie sind, das sehe ich auf Anhieb. Da muss ich die Schüler nicht erst fragen."

Künftig solle das Feedback für alle Schulen in NRW verbindlich sein, für die Schulen aber freiwillig bleiben.

Zweite Neuerung: Alle Schulen erhalten erstmals ein sogenanntes kompaktes Schuldatenblatt, das auf 20 bis 30 Seiten alle relevanten Fakten zur Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht übersichtlich zusammenfasst. Bislang hätten sich die Schulen solche Daten teilweise mühsam aus unterschiedlichsten Quellen zusammenklauben müssen. Dazu zählen etwa:

  • der Anteil der Schüler nach Schulformempfehlung

  • der Anteil der Schüler, in deren Elternhaus nicht Deutsch gesprochen wird

  • der Anteil mit sonderpädagogischem Förderbedarf

  • Ergebnisse von Vergleichsarbeiten und zentralen Prüfungen.

Eine Gesamtschule in Mülheim traut sich was

Dass datengestützte Qualitätsentwicklung in der Praxis Früchte trage, zeigten Beispiele von Schulen, die sich bereits auf den Weg gemacht hätten. "Ich habe neulich noch eine Gesamtschule in Mülheim besucht, die keinen guten Ruf hatte, die schlechte Anmeldezahlen hatte und die all die Maßnahmen eingeführt haben", berichtete Feller. Freiwillig sei diese Schule sogar so weit gegangen, dass sie auch ein Schüler-Feedback bezogen auf einzelne Lehrkräfte angeboten habe. "Denen ist es gemeinsam gelungen, anschließend mit einem guten Klima innerhalb des Lehrerkollegiums die Stimmung in der Schule völlig zu drehen, weil sie den Mut hatten, das Fieberthermometer mal reinzuhalten und zu gucken, wie die Stimmung tatsächlich ist.".

Quelle: dpa

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