Nordrhein-WestfalenImmer mehr Badeverbote am Rhein

Kleine Sandstrände am Rhein bieten ein trügerisches Bild. Wer hier baden möchte, begibt sich in Lebensgefahr. Badeverbote und Bußgelder sollen das vielerorts unterstreichen. Was ist da noch erlaubt?
Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein striktes Badeverbot für den Rhein haben bereits mehr als zehn Kommunen in Nordrhein-Westfalen erlassen. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben. Seit dem vergangenen Sommer greifen immer mehr Kommunen zu diesem Mittel. Damit sollen tödliche Badeunfälle in dem stark von Schiffen befahrenen Strom verhindert werden. Von den Geldbußen musste bisher kaum Gebrauch gemacht werden.
Die Liste wird immer länger: Im vergangenen Monat kamen Kleve, Rees und Kalkar hinzu. In Emmerich soll das Badeverbot zeitnah voraussichtlich in der Ratssitzung im Mai beschlossen werden, wie eine Sprecherin sagte. Auf das strikte Badeverbot in Düsseldorf folgten im vergangenen Jahr Regelungen in Dormagen, Köln, Krefeld, Leverkusen, Meerbusch und Neuss. In Duisburg wurde ein seit 1972 geltendes Badeverbot auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt.
Was ist noch erlaubt?
Knöcheltief ist erlaubt. Mehr nicht. Die Regelungen sind ähnlich streng. "Als Baden im Sinne dieser Verordnung gilt das planmäßige Verweilen mit dem Körper in mehr als jeweils knöcheltiefem Wasser des Rheins zu Erholungs-, Sport- oder Freizeitzwecken, insbesondere das Schwimmen, Waten oder Spielen im Wasser", heißt es etwa in Rees. Ausgenommen vom Verbot ist etwa in Düsseldorf das kurzzeitige Ein- und Aussteigen aus Wasserfahrzeugen an den dafür vorgesehenen Stellen sowie das Ausüben des Angelsportes.
Was droht bei Verstößen?
Es drohen bei Verstößen Bußgelder in einer Höhe von bis zu 1.000 Euro. Und das nicht nur im Hochsommer oder für eine Saison. Die strikten Badeverbote sind in der Regel von den Kommunen für mehrere Jahre erlassen worden.
Wie viele Verfahren gab es?
Nur sehr wenige und das auch nur in Düsseldorf. Hier sind im vergangenen Jahr nach dem Erlass von Mitte August drei Ordnungswidrigkeitsverfahren erlassen worden. Mit demonstrativen Kontrollen sollte dem neuen Badeverbot am Rhein Nachdruck verliehen werden: In der Landeshauptstadt waren wegen tödlicher Badeunfälle im Rhein sogar Doppelstreifen von Mitarbeitern des kommunalen Ordnungsamtes mit der Polizei an sehr beliebtem Stellen eingeführt worden.
Ermahnungen und Aufklärung
Im benachbarten Neuss heißt es: "Die Bürgerinnen und Bürger waren nach Ansprache durch das Ordnungsamt einsichtig, weshalb es bei den mündlichen Verwarnungen geblieben ist." Auch in Köln sind im vergangenen Jahr keine Ordnungswidrigkeitenverfahren eröffnet worden: Da das Verbot hier erst Mitte September in Kraft trat, ging es vor dem Herbstbeginn vor allem um Aufklärung, heißt es. In Meerbusch, Krefeld und Duisburg sind keine Verstöße festgestellt worden. In Dormagen ist bisher weder kontrolliert noch geahndet worden.
Wie wird auf die Verbote aufmerksam gemacht?
Vielerorts sollen noch Verbotsschilder aufgestellt werden. So sind entlang des Kölner Rheinufers neue Schilder geplant. Bislang gibt es in Köln schon knapp 60 Schilder, die auf das Badeverbot hinweisen. Düsseldorf, Neuss, Meerbusch, Krefeld und Kleve verweisen auf bestehende Schilder. In Dormagen, Rees und Kalkar sollen neue Verbotsschilder aufgestellt werden. In Duisburg laufen die Planungen. Kommunen wollen auch auf Social-Media-Kanälen sensibilisieren.
Warum greifen die Kommunen zu Verboten?
Nach Daten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gab es im Rhein in NRW im vergangenen Jahr bis Ende Juli bereits 10 Todesfälle. Ab Mitte August 2025 griffen die ersten kommunalen Badeverbote. Im Gesamtjahr 2025 waren es 12 tödliche Badeunfälle am Rhein in NRW. 2024 gab es insgesamt 14 Todesfälle - die höchste Zahl seit Jahren.
Die Verbote sollen Leben retten. Trotz Schildern, Warnhinweisen, Social-Media-Kampagnen und Ansprachen hätten immer wieder Menschen im Rhein gebadet und die Lebensgefahr unterschätzt, hieß es dazu damals etwa in Düsseldorf.
DLRG begrüßt Maßnahmen
"Spätestens im Mai sollten die Menschen auch wieder über andere Medien auf die Gefahren des Schwimmens im Rhein und das geltende Badeverbot hingewiesen werden", erklärte ein DLRG-Sprecher. Das Thema gewinne mit der sich nähernden Badesaison an Relevanz. Die DLRG wolle am 13. Mai an der Weser in Bremen Bilanz der ehrenamtlichen DLRG Arbeit im Jahr 2025 vorstellen und zu Beginn der neuen Badesaison auf wesentliche Gefahren hinweisen. Dabei werden die großen Flüsse eine Rolle spielen, erklärte er.
Was sind die Gefahren?
Der Rhein ist nach DLRG-Einschätzung eines der gefährlichsten Gewässer in Deutschland. Auch die Wasserschutzpolizei verdeutlichte immer wieder: Starke Strömungen und Strudel, starker Schiffsverkehr und plötzlich abfallende Uferbereiche machen den Fluss unberechenbar - selbst für geübte Schwimmer.