Nordrhein-WestfalenDie wichtigsten Fragen und Antworten zum Olympia-Entscheid

Mehr als vier Millionen Menschen in 17 NRW-Städten stimmen ab: Soll sich ihre Kommune an der Olympia-Bewerbung "KölnRheinRuhr" beteiligen? Die wichtigsten Fakten zu den Bürgerentscheiden.
Köln (dpa/lnw) - Noch bis diesen Sonntag laufen in 17 Kommunen in NRW die Ratsbürgerentscheide über die NRW-Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044. Etwa jeder dritte Einwohner aus NRW lebt laut Statistischem Landesamt in einer der Bewerbergemeinden.
Worum geht es bei dem Bürgerentscheid in NRW?
In den 17 beteiligten Städten Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal wird abgestimmt, ob sich die jeweilige Stadt an der Bewerbung von "KölnRheinRuhr" um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 beteiligen soll. Die Bürgerinnen und Bürger können auf dem Wahlzettel "Ja" oder "Nein" ankreuzen.
Wie läuft die Abstimmung?
Die Abstimmung erfolgt ausschließlich per Brief. Es gibt keine Möglichkeit vor Ort abzustimmen und die Unterlagen wie bei einer Wahl in eine Urne zu werfen. Alle Wahlberechtigten - mehr als vier Millionen Menschen in den beteiligten Städten - haben ihre Unterlagen automatisch zugesandt bekommen. Aufgrund der Postlaufzeiten ist vielerorts ein Versand des Abstimmungsbriefes bis spätestens Mittwoch, 15. April, per Post empfohlen.
Was kann ich tun, wenn ich den Brief noch nicht abgeschickt habe?
Abstimmungsbriefe können noch bis Sonntag persönlich in die Briefkästen der zuständigen Wahlämter oder teils auch Rathäuser eingeworfen werden. Dabei gelten je nach Stadt unterschiedliche Fristen – in Köln muss der Brief beispielsweise bis 16.00 Uhr beim Wahlamt eingegangen sein, in Herten bereits um 12.00 Uhr im Rathaus der Stadt.
Was passiert am Sonntag (19. April) selbst?
Die Auszählung der Stimmen erfolgt am Sonntag. Im Anschluss wird das vorläufige Endergebnis veröffentlicht. Ein Großteil der Städte startet zwischen 16.00 und 18.00 Uhr mit der Auszählung. Die Stadt Herten beginnt bereits um 12.00 Uhr und rechnet schon gegen 15.00 Uhr mit einem Ergebnis. Die meisten Städte erwarten ihre Resultate gegen 20.00 Uhr. Düsseldorf rechnet aber etwa erst gegen 22.00 Uhr mit einem Ende der Ergebniserfassung.
Am Sonntagabend findet in Köln eine zentrale Veranstaltung zu den Ergebnissen der Ratsbürgerentscheide statt. Mit dabei sind neben Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter der Bewerbung.
Wann sind die Ratsbürgerentscheide erfolgreich?
Die Olympia-Ratsbürgerentscheide sind erfolgreich, wenn mehr Bürgerinnen und Bürger in NRW mit "Ja" stimmen als mit "Nein". Damit das Ergebnis gültig ist, muss aber auch ein bestimmter Zustimmungswert erreicht werden. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern muss die Zustimmung bei zehn Prozent der Abstimmungsberechtigten in der Kommune liegen. In kleineren Kommunen liegt der Wert bei bis zu 20 Prozent.
Was passiert bei einem positiven Abstimmungsergebnis?
Eine Zustimmung zur Bewerbung ist noch keine Entscheidung für Sommerspiele in NRW. Parallel bewerben sich auch München, Hamburg und Berlin für eine Ausrichtung. In München gab es bereits ein positives Votum, in Hamburg steht die Abstimmung am 31. Mai an, in Berlin stimmt das Abgeordnetenhaus ab. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September über den deutschen Bewerber und geht davon aus, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) frühestens 2027 eine Entscheidung trifft.
Was passiert bei einem negativen Abstimmungsergebnis?
Fällt das Votum in einer Kommune negativ aus, scheidet sie aus der Olympia-Bewerbung aus. Für diesen Fall hat die NRW-Landesregierung alternative Sportstätten eingeplant, hieß es zuletzt aus Regierungskreisen. In großen Städten könnte ein Nein jedoch möglicherweise die gesamte Bewerbung gefährden. Der DOSB bewertet alle Kandidaten mit Hilfe einer Matrix. Dabei fließt auch das Ergebnis der Bürgerentscheide ein – je höher die Zustimmung, desto besser die Bewertung.
Warum bewirbt sich NRW überhaupt und wie sieht das Konzept aus?
NRW wirbt mit den kompaktesten, nachhaltigsten und spektakulärsten Spielen und plant mit 100 Prozent bestehender oder temporärer Sportstätten. Den Athletinnen und Athleten soll die größtmögliche Bühne für den größten Moment geboten werden. Rund 14 Millionen Tickets, eine hohe Dichte an Wettkampfstätten, eine starke Infrastruktur und ein sportbegeistertes Publikum sollen überzeugen. Die Bewerbung soll nach Angaben der Organisatoren den Zusammenhalt stärken und langfristige Impulse für Sport, Stadtentwicklung und Inklusion setzen.
Was würden Olympische und Paralympische Spiele in NRW kosten?
Die Durchführungskosten der Spiele "KölnRheinRuhr" schätzt der DOSB auf 4,8 Milliarden Euro. Dagegen sollen aber etwa durch Werbung, Ticketverkäufe, TV-Rechte und Weiteres 5,2 Milliarden Euro an Einnahmen stehen. Das ist aber erst mal nur eine Prognose. So wurden etwa die letzten Spiele in Paris vor zwei Jahren teurer als gedacht.