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Nordrhein-WestfalenOperation "Scheinkind" - Cybergroomern auf der Spur

22.07.2026, 16:11 Uhr
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In sozialen Netzwerken, Chats und Games gehen als Kinder getarnte Ermittler auf Tätersuche. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Düsseldorf (dpa/lnw) - "Hey wie jung bist du? Was hast du an Prinzessin?" Manchmal kommen die erwachsenen Täter im Internet nach kaum einer Minute zur Sache und schicken schon ein Penisbild oder ein Masturbationsvideo an ihre minderjährigen Chatbekanntschaften.

Die perfide Methode nennt sich "Cybergrooming" und beschreibt, wie Täter und auch Täterinnen in bei Kindern beliebten Chats, sozialen Netzwerken und auch auf Spieleplattformen gezielt Kontakt zu Minderjährigen suchen, um sexuelle Übergriffe zu begehen. "Die Zahlen zeigen sehr deutlich: Das ist keine Ausnahme, es ist tatsächlich ein Massenphänomen", sagt der Direktor des Landeskriminalamts (LKA) Nordrhein-Westfalen, Ingo Wünsch.

Manche Täter geben sich als ungefähr gleichaltrig aus, andere inszenieren sich als verständnisvolle Erwachsene. Ihr Ziel aber ist immer ähnlich: Sie wollen Vertrauen aufbauen, Abhängigkeiten schaffen und ihre Opfer manipulieren. Sie verschicken Liebesbekundungen, äußern sexuelle Fantasien oder bringen Kinder dazu, ihnen freizügige Selbstporträts zu senden. Und manche Täter versuchen, sich mit den Kindern in der realen Welt zu treffen, um sie dort zu missbrauchen.

Als Kinder getarnte Ermittler fahnden nach Tätern

Das LKA NRW hat eine eigene verdeckte Ermittlertruppe auf die Cybergroomer angesetzt - und die ist ziemlich erfolgreich: Die Männer und Frauen surfen als Kinder getarnt in sozialen Netzwerken, Chatportalen und Spieleplattformen - und fahnden so nach Pädokriminellen. In sogenannten Scheinkindoperationen im Internet haben sie schon Hunderte Fahndungserfolge erzielt. Seit 2023 wurden durch Scheinkindeinsätze nach Angaben des LKA durch solche Einsätze 674 Strafverfahren wegen des Verdachts auf Cybergrooming eingeleitet.

Seit gut einer Stunde sitzen acht Ermittler und Ermittlerinnen an einem Tisch zusammen an ihren Laptops. Als Kinder getarnt chatten sie unablässig auf Snapchat, Tiktok und vielen anderen Portalen. Jeder von ihnen chattet gleichzeitig mit mehreren Personen. An einer Tafel führen sie Strichliste: Schon fünf Treffer haben sie an dem Tag erzielt - fünf Fälle, die zu Anzeigen führen werden.

80 Prozent der Täter werden identifiziert

Die verdeckten Ermittler sprechen nicht selbst Chatpartner an, sie lassen sich ansprechen, denn die Ermittlungen müssen später vor Gericht bestehen. Die realen Ermittlungen zur Identifizierung von Tätern übernehmen Polizei-Kollegen, für die Arbeitsplätze mit riesigen Bildschirmen aufgebaut sind. "Tatsächlich identifizieren wir die Täter im Schnitt zu 80 Prozent", sagt Kriminaldirektorin Jessica Bouska.

Ergeben sich Hinweise auf Straftaten wie sexuellen Missbrauch von Kindern, werden Strafverfahren eingeleitet. Eine Straftat ist es bereits, wenn auf das Kind durch einen pornografischen Inhalt oder entsprechende Reden eingewirkt wird. Mit den Scheinkindeinsätzen soll der Verfolgungsdruck auf pädokriminelle Täter, die über das Internet Kontakt zu potenziellen Opfern aufnehmen, kontinuierlich erhöht werden. Manchmal muss schnell gehandelt werden, lassen die Ermittler durchblicken. Dann kann es zu Festnahmen und Wohnungsdurchsuchungen kommen.

Neben fortlaufenden Einsätzen gab es von November 2023 bis Juni 2026 auch insgesamt 23 konzentrierte Scheinkindoperationen der LKA-Ermittler mit einer Dauer zwischen einem Tag und einer Woche. Manchmal gibt es bis zu 20 Treffer an einem Tag, gelegentlich auch fast 40. "Die fliegen wie die Motten ins Licht", sagt Bouska über die Täter. Das liege aber auch an den Algorithmen der Plattformen.

Besonders aktiv sind Täter nach Beobachtung der Ermittler auf Gaming-Portalen. Vielfach gäben sie sich dort als gleichaltrig aus, sagt Bouska. Auch bei Online-Spielen wie "Bibi Blocksberg" oder "Harry Potter" habe es schon Vorfälle gegeben. "Ich glaube nicht, dass Eltern sich dessen bewusst sind, dass eben auch da Täter in die Kommunikation gehen können", sagt Bouska. LKA-Chef Wünsch warnt: "Immer da, wo Kinder sich im Netz bewegen, sind auch die Täter."

Kinder haben Angst vor Stress mit Eltern

Doch viele der sexuellen Anbahnungen bleiben im Dunkeln. Gerade in dem Bereich der Sexualdelikte und auch beim Cybergrooming ist das Dunkelfeld nach Einschätzung des LKA immens groß. "Die Kinder sagen nicht Bescheid, die trauen sich gar nicht, weil sie Angst haben vor Stress mit den Eltern", sagt Bouska. Teilweise wüssten sie auch gar nicht, was da überhaupt mit ihnen passiere.

Das LKA empfiehlt Kindern und Jugendlichen, keine offenen Profile im Netz preiszugeben und niemals Bilder oder Videos an Personen zu schicken, die sie nur virtuell kennen. Kommt es doch zum Versuch des Cybergroomings, sollten sich Kinder den Eltern, guten Freunden oder Lehrkräften anvertrauen. Aber auch die Eltern seien in der Verantwortung, sagte LKA-Chef Wünsch. "Eltern müssen sich für ihre Kinder interessieren, und sie müssen den Kindern sagen, das kann dir passieren, und wenn dir das passiert, komm zu mir."

Quelle: dpa

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