Nordrhein-WestfalenStudie zum Glücksspiel: Mehr Automaten in Gaststätten

Zocken am Automaten ist einer Untersuchung zufolge praktisch flächendeckend in NRW möglich. Mit Sorgen blickt die Suchtprävention vor allem auf die Geldspielgeräte in Gaststätten.
Bielefeld (dpa/lnw) - Zocken am Automaten, bei Pferdewetten oder im Kasino: Glücksspielangebote sind in Nordrhein-Westfalen einer Studie zufolge flächendeckend verfügbar, kommunale Kontrollen aber lückenhaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Landesfachstelle Glücksspielsucht im Auftrag des NRW-Sozialministeriums. Sie nimmt den "terrestrischen" legalen Glücksspielmarkt in den Blick, klammert also den kleineren Bereich des Online-Glücksspiels aus.
Für die alle zwei Jahre durchgeführte Studie wurden Fragenbögen zum gewerblichen Automatenspiel ausgewertet, den diesmal 346 von 396 Kommunen (gut 87 Prozent) beantwortet hatten. Im Fokus steht das gewerbliche Automatenspiel in Gaststätten und Spielhallen, erstmals waren zudem für die aktuelle Analyse auch Lotto-Annahmestellen, Spielbanken, Wettvermittlungsstellen und Pferdewetten eingeschlossen.
Angebotsdichte ist weiterhin hoch
In den 346 erfassten Kommunen gab es zu Jahresbeginn demnach 2.431 Spielhallenkonzessionen, 35.846 Geldspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten, 2.900 Lotto-Annahmestellen und 554 Wettvermittlungsstellen. Zwischen 2024 und 2026 sank zwar die Zahl der Spielhallenkonzessionen und Standorte und der Geldspielgeräte in Spielhallen.
In Gaststätten war die Entwicklung aber gegenläufig, dort stieg die Zahl der Geldspielgeräte binnen zwei Jahren um gut 7 Prozent. "Der Aufstellort Gaststätte ist aus Sicht der Suchtprävention besonders relevant, weil dort häufig gleichzeitig Alkohol ausgeschenkt wird und der Zugang zum Glücksspiel niedrigschwelliger ist", hieß es.
Der hochgerechnete Kasseninhalt stieg insgesamt - auf Basis von hier allerdings lediglich 309 über die Jahre 2024 und 2026 vergleichbaren Kommunen um etwa 26 Prozent.
Landesfachstelle: Zu wenig Beratungsstellen und Kontrollen
Dem flächendeckenden Glücksspielangebot steht demnach ein vergleichsweise kleines Hilfeangebot gegenüber: Während in 89 Prozent der erfassten Kommunen mindestens ein Geldspielgerät und in fast 98 Prozent mindestens eine Lotto-Annahmestelle vorhanden war, hatten laut Studie nur rund 12 Prozent der Kommunen eine Beratungsstelle mit einem glücksspielspezifischem Angebot.
Die Untersuchung stellt erhebliche Kontrolllücken fest. "Regelmäßige Kontrollen sind eine zentrale Voraussetzung wirksamer Glücksspielaufsicht." Dennoch gaben 2025 knapp 31 Prozent der befragten Kommunen an, keine Außenkontrollen von Spielstätten durchgeführt zu haben. Die Landesfachstelle betont: Wo nicht kontrolliert werde, könnten illegale Geräte nicht erkannt und Verstöße etwa gegen Jugendschutzbestimmungen oder geltende Gerätehöchstzahlen nicht zuverlässig festgestellt und geahndet werden.
Die Leiterin der Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW, Verena Küpperbusch, mahnte, die Verfügbarkeit von Glücksspiel müsse weiterhin aufmerksam beobachtet werden - auch dort, wo Angebote weniger sichtbar seien.