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Nordrhein-WestfalenWarnstreik schränkt NRW-Nahverkehr stark ein

27.02.2026, 14:31 Uhr
Warnstreikende-an-einem-Bonner-Busdepot

"Verbindung gestrichen" oder "Fällt aus" - solche Formulierungen sind nun häufig zu lesen an Bus- und Bahn-Haltestellen. Verdi hat zum Ausstand aufgerufen, Tausende sind dem Aufruf gefolgt.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein Warnstreik in Nordrhein-Westfalens Nahverkehr hat zu enormen Einschränkungen für Fahrgäste gesorgt. Eine Vielzahl an Verbindungen wurde gestrichen, Pendler mussten auf das Auto oder Fahrrad umsteigen. S-Bahnen und Regionalzüge fuhren aber ganz normal, sie waren nicht betroffen von dem Ausstand. Eine Verdi-Sprecherin sagte am Freitagnachmittag, dass die Gewerkschaft etwa 12.000 Streikende verzeichnet habe und damit etwa gleich viele wie bei dem Warnstreik Anfang Februar. Damals hatte die Arbeitsniederlegung nur einen Tag gedauert, nun sollte es nach dem Start am Freitagmorgen noch bis in die Nacht zu Sonntag weitergehen.

Bestreikt wurden mehr als 30 kommunale Verkehrsbetriebe, die gut 30.000 Beschäftigte haben. Aus Bielefeld hieß es, es seien nur wenige Busse unterwegs und es führen gar keine Stadtbahnen. Die Kölner Verkehrs-Betriebe strichen der Firmenwebseite zufolge alle Fahrten ihrer Busse und der Stadtbahn, Subunternehmer sollen dort aber einige Fahrten ermöglichen. Die Düsseldorfer Rheinbahn plante ein "Not-Netz" mit Bussen, nur sehr vereinzelte Stadtbahnen waren unterwegs.

Aus Dortmund hieß es, der Nahverkehr stehe weitgehend still. Die Bonner Stadtwerke teilten mit, dass Busse und Bahnen an beiden Streiktagen im Depot blieben. Die Bogestra aus Bochum und Gelsenkirchen teilte mit, am Freitag und Samstag würden in ihrem Betriebsgebiet keine Nahverkehrsfahrten mehr durchgeführt, auch von Subunternehmern nicht.

In anderen Städten sah es für Fahrgäste besser aus, das in Moers und Wesel tätige Unternehmen Niag berichtete von moderaten Einschränkungen. Bis Freitagmittag seien weniger als zehn Prozent der Fahrten im Niag-Netz betroffen gewesen, damit habe es weniger Ausfälle gegeben als befürchtet, sagte ein Unternehmenssprecher. Am Samstag werden dort ähnlich geringe Auswirkungen erwartet.

Verdi bewertet die Streikmaßnahmen als notwendig, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. "Die Beschäftigte sind entschlossen und stehen zusammen, sie wollen ein vernünftiges Angebot der Arbeitgeber bekommen", sagte der Branchenkoordinator von Verdi NRW, Lukas Frew. "Dafür setzen sie ein Ausrufezeichen." Die Arbeitsplätze in der Branche müssten attraktiver gemacht werden, damit sich junge Leute für diese Berufe entscheiden und der Personalmangel gelindert werden kann. Es geht um Bus- und Straßenbahn-Fahrer sowie um Beschäftigte in den Werkstätten und Leitstellen sowie in der Verwaltung.

Am Freitag kamen viele Beschäftigte zu den Betriebshöfen ihrer Unternehmen, um sich dort bei Verdi in Streiklisten einzutragen und ihr Streikgeld zu bekommen. Mancherorts hielten Verdi-Vertreter kurze Reden. Zentrale Kundgebungen gab es nicht.

Lange Liste an betroffenen Städten

Die Liste der Städte, die von den Arbeitsniederlegungen betroffen sind, ist lang. Unter ihnen sind Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen, Münster, Krefeld, Herne, Gelsenkirchen, Bochum, Castrop-Rauxel, Moers, Wesel, Gütersloh und Bielefeld. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Aachen und Paderborn, deren Kommunalbetriebe nicht unter den aktuell verhandelten Tarifvertrag fallen.

Wuppertal fällt zwar darunter, gestreikt wird dort aber trotzdem nicht: Man möchte dort die dortigen Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Schwebebahn nicht beeinträchtigen, daher drückt Verdi gewissermaßen ein Auge zu.

Arbeitgeber und Gewerkschaft noch weit auseinander

Bei der ersten Verhandlungsrunde waren die Positionen von Verdi und von den Arbeitgebern noch weit voneinander entfernt. Verdi fordert, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich um zwei Stunden auf 37 Stunden zu reduzieren. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf mindestens elf Stunden erhöht werden, und der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. Dieser Verbesserungen sollen dazu führen, dass der Beruf attraktiver wird und der Fachkräftemangel abnimmt. Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal.

Die Arbeitgeber äußerten ihr Unverständnis über das Vorgehen von Verdi. "Die Forderungen der Gewerkschaft sind angesichts der schwierigen Haushaltslage der Kommunen schlichtweg nicht zu stemmen", sagte Bernhard Langenbrinck, Hauptgeschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Nordrhein-Westfalen. "Die Arbeitgeber appellieren an die Gewerkschaft, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und von den unrealistischen und unerfüllbaren Forderungen Abstand zu nehmen." Eine Verhandlungslösung werde nicht auf der Straße erzielt, sondern nur am Verhandlungstisch. Für kommenden Montag ist die zweite Verhandlungsrunde zwischen den Tarifparteien geplant.

Quelle: dpa

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