Nordrhein-WestfalenWegen Warnstreiks: Viele Busse und Bahnen fallen aus

Die Gewerkschaft Verdi trommelt zum Warnstreik im Nahverkehr, Tausende Beschäftigte dürften ihre Arbeit niederlegen. Das hat wohl gravierende Folgen für den Nahverkehr.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein Warnstreik der Gewerkschaft Verdi wird heute voraussichtlich große Teile des Nahverkehrs lahmlegen. Es wird mit zahlreichen Ausfällen von Bussen und Bahnen gerechnet, Städte wie Dortmund gehen sogar von einem Stillstand des Nahverkehrs aus.
In anderen Städten werden die Folgen moderat bleiben, am Niederrhein rechnet das Verkehrsunternehmen Niag nur mit dem Ausfall von einzelnen Fahrten. Dort hatten die Arbeitsniederlegungen bereits am Donnerstag begonnen, aber kaum Folgen gehabt - am Freitag soll das dort Verdi zufolge anders werden.
Der Warnstreik-Aufruf richtet sich landesweit an gut 30 kommunale Firmen, die mehr als 30.000 Beschäftigte haben. Bei den Arbeitsniederlegungen geht es um den größten Teil von Nordrhein-Westfalen, es gibt nur wenige Ausnahmen, etwa Aachen und Wuppertal. Beim ersten Warnstreik im laufenden Tarifkonflikt am 2. Februar legten in NRW nach Angaben von Verdi 12.000 Busfahrer, Triebfahrzeugführer und andere Beschäftigte die Arbeit nieder.
Volle Straßen und volle S-Bahnen
Der ADAC rechnet vor allem am Nachmittag mit vollen Straßen und Autobahnen, weil viele Pendler auf das Auto ausweichen. Der ADAC rät zu Fahrgemeinschaften oder - wenn möglich - zur Nutzung des Fahrrads.
S-Bahnen und Regionalzüge werden nicht bestreikt, da sie von der Deutschen Bahn und anderen Bahnunternehmen betrieben werden, die nicht Teil der Tarifverhandlungen sind. Die S-Bahnen und Regionalzüge dürften voll werden. Die Warnstreiks sollen am Samstag fortgesetzt werden und in der Nacht zu Sonntag enden.
Bei der ersten Verhandlungsrunde waren die Positionen von Verdi und von den Arbeitgebern noch weit voneinander entfernt, am 2. März steht die zweite Runde an. "Wir erwarten, dass die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde auf unsere konkretisierten Forderungen eingehen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen", sagte der Gewerkschafter Heinz Rech, der die Verhandlungen für Verdi NRW führt.
Arbeitgeber und Gewerkschaft noch weit auseinander
Verdi fordert, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich um zwei Stunden auf 37 Stunden zu reduzieren. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf mindestens elf Stunden erhöht werden, und der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. Dieser Verbesserungen sollen dazu führen, dass der Beruf attraktiver wird und der Fachkräftemangel abnimmt. Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal.
Aus Sicht der Arbeitgeber sind Verdis Forderungen unbezahlbar und überzogen. Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV) weist darauf hin, dass die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr erst im vergangenen Jahr Entgeltsteigerungen von 5,8 Prozent bekommen hätten.
"Würde man den Forderungen der Gewerkschaft nachkommen, wäre der Leistungsauftrag der Nahverkehrsunternehmen für die Bürgerinnen und Bürger im Ergebnis nachhaltig gefährdet", sagt KAV-Hauptgeschäftsführer Bernhard Langenbrinck. Die Tarifverhandlungen sollen am kommenden Montag fortgesetzt werden.