Nordrhein-WestfalenWohnungssuche für Studierende in NRW bleibt Herausforderung

In Köln, Münster und anderen NRW-Städten sind Wohnheimplätze für Studierende weiter stark gefragt. Die Rückkehr zu G9 entspannt die Situation kaum.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Obwohl in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr Tausende Abiturienten weniger die Schule beendet haben, bleibt die Wohnungssuche in Studierenden-Metropolen angespannt. Rund 30.000 Schülerinnen und Schüler haben laut Bildungsportal des NRW-Schulministeriums 2026 ihr Abitur abgelegt. Im Vorjahr waren es noch 78.000. Trotzdem bleiben die Plätze in den Studentenwohnheimen rar, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt.
In Köln sogar mehr Bewerbungen als im Vorjahr
An den meisten Gymnasien in NRW gibt es in diesem Jahr keinen Abiturjahrgang. Grund ist die Rückkehr von der achtjährigen Gymnasialzeit (G8) zur neunjährigen (G9) an einem Großteil der Schulen.
Vor allem in beliebten Studenten-Städten wie Köln, Münster und Aachen wirkt sich die geringere NRW-Abiturientenzahl kaum auf die Wohnheimplätze aus. "Wir haben immer noch eine große Nachfrage", sagt Klaus Wilsberg, Pressesprecher des Kölner Studierendenwerks. Die Zahl der Bewerbungen sei dort 2026 sogar höher als im vergangenen Jahr. "2025 hatten wir 2.700 Bewerbungen. In diesem Jahr sind es bis jetzt 2.829", so Wilsberg.
In Aachen stehen derzeit rund 11.000 Studierende auf der Warteliste für einen Platz im Wohnheim, sagt Sprecherin Ute von Drathen. Demgegenüber stehen 5.000 Wohnheimplätze, von denen nur ein geringer Teil pro Semester frei wird. Der Bedarf übersteige das Angebot seit Jahren deutlich.
Notunterkünfte gleichen Mangel kaum aus
Auch in Münster seien die Bewerberlisten so voll wie in den Vorjahren, berichtet Katrin Peter, Pressesprecherin des Studierendenwerks Münster. Wie in jedem Jahr werden auch 2026 zusätzlich zu den Plätzen im Studierendenheim 29 Plätze in Notunterkünften bereitgestellt. Ausgleichen könne das den Mangel an Wohnraum kaum.
Aufgrund finanzieller Engpässe der Studierenden sei der Bedarf an günstigem und sozialem Wohnraum nach wie vor hoch, sagt Achim Landgraf, Geschäftsführer des Studierendenwerks Bielefeld. Es gebe einen viel höheren Bedarf an bezahlbaren Wohnungen als Angebote.
Warteliste genauso lang wie in Vorjahren
An kleineren Hochschulstandorten wie Lemgo, Minden und Höxter sei die Suche nach einer Wohnung etwas unkomplizierter, berichtet Landgraf. Sie bleibe aber eine Herausforderung.
In Bocholt, Heiligenhaus und Gelsenkirchen ist die Nachfrage nach Wohnheim-Plätzen dieses Jahr leicht zurückgegangen, wie Pia Nehring vom Akademischen Förderungswerk in Bochum mitteilt. Den Überschuss an Bewerbungen gleiche dies jedoch nicht aus.
In Paderborn hingegen bleibe die Bewerberzahl konstant, teilt Nina Karbstein vom dortigen Studierendenwerk mit. Die geringere NRW-Abiturientenzahl habe kaum Einfluss auf die hohe Auslastung. Auch Katrin Ziegert vom Studierendenwerk in Siegen geht von einer vollen Auslastung der studentischen Wohnanlagen aus.
Viele Bewerbungen aus dem Ausland
Ein großer Teil der Bewerbungen auf die Wohnheimplätze komme von internationalen Studierenden, berichtet Petra Sellke, Referentin für Unternehmenskommunikation beim Studierendenwerk Dortmund. In Bochum gibt es derzeit mehr internationale Bewerbungen als im Vorjahr, wie Pia Nehring vom Akademischen Förderungswerk mitteilt.
Das Statistische Landesamt (IT.NRW) hatte zuletzt für das Wintersemester 2025/26 ein Rekordhoch ausländischer Studierender an nordrhein-westfälischen Hochschulen verzeichnet. Knapp 16 Prozent aller Studierenden an NRW-Hochschulen hatten demnach nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.
Mögliche Gründe für die Beliebtheit Deutschlands bei internationalen Studierenden sind laut der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks von 2021 die hohe Lebensqualität, die geringen Kosten sowie der Wunsch, nach dem Studium in Deutschland zu arbeiten.
Die achtjährige Gymnasialzeit (G8) war in NRW 2005 eingeführt worden. Nach anhaltender Kritik wurde sie seit dem Schuljahr 2019/20 mit den damaligen Fünft- und Sechstklässlern wieder rückabgewickelt. Der letzte G8-Jahrgang legte 2025 das Abitur ab. Der nachfolgende Jahrgang macht erst 2027 nach neun Jahren am Gymnasium Abitur.