Nordrhein-WestfalenZüge in NRW waren 2025 noch einmal unpünktlicher

Bahn-Pendler brauchen in Nordrhein-Westfalen weiter starke Nerven. Die Züge sind im vergangenen Jahr noch einmal unpünktlicher geworden. Aber es gibt auch einen positiven Trend.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen wird für Reisende immer stärker zur Geduldsprobe. Im vergangenen Jahr hat sich die Pünktlichkeit von S-Bahnen und Regionalzügen erneut spürbar verschlechtert. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Kompetenzcenters Integraler Taktfahrplan NRW hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.
Damit setzt sich der jahrelange Abwärtstrend bei der Pünktlichkeit fort. Als Hauptgrund sieht die Branche das marode Schienennetz. Weil die Modernisierung Zeit braucht, sei kurzfristig auch nicht damit zu rechnen, dass die Pünktlichkeit der Bahn in NRW besser werde.
Einen Lichtblick gibt es allerdings: Der Lokführermangel, der in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass immer wieder Züge kurzfristig ausfielen, ist weitgehend behoben. Die Zahl der Zugausfälle ist 2025 erstmals seit langem wieder zurückgegangen.
28 Prozent der Züge waren unpünktlich
Als verspätet gilt ein Zug in NRW, wenn er mindestens vier Minuten hinter seinem Zeitplan herfährt. Das traf im vergangenen Jahr auf 28 Prozent aller Züge zu. Das ist der höchste Wert seit Jahren. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren 25,1 Prozent der Züge unpünktlich, im Jahr 2020 waren es nur 13,2 Prozent.
Auch der Trend zeigt im Laufe des vergangenen Jahres in die falsche Richtung: Denn die Pünktlichkeit wurde von Quartal zu Quartal immer schlechter.
Die für den Schienenverkehr zuständigen Verbände Go.Rheinland (Rheinland/Aachen), VRR (Ruhrgebiet/Niederrhein) und NWL (Westfalen) machen Reisenden auch wenig Hoffnung auf eine schnelle Trendwende. Denn bis die in die Jahre gekommene Schienen-Infrastruktur erneuert ist, sorgen überall im Land Baustellen für noch mehr Probleme. Daher werde sich das System "vermutlich erst in den 2030er Jahren stabilisieren können", sagte ein Sprecher von Go.Rheinland.
Verspätungen vor allem auf stark genutzten Linien
Besonders groß sind die Probleme seit Jahren bei den Regionalexpress-Linien. Dort fuhr den vorläufigen Zahlen zufolge 2025 mehr als jeder dritte Zug (36 Prozent) seinem Fahrplan hinterher. Die RE-Züge fahren oft auf weiteren Strecken durch mehrere störungsanfällige Knotenpunkte an Rhein und Ruhr - und sind deshalb besonders verspätungsanfällig.
Die unpünktlichste Linie war im vergangenen Jahr der Rhein-Haard-Express (RE2) von Düsseldorf über Essen und Münster nach Osnabrück. Rund 58 Prozent der Züge konnten den Fahrplan nicht einhalten.
Auch auf vielen anderen Linien mit hohem Fahrgastaufkommen war nicht einmal jeder zweite Zug pünktlich: Auf den Linien RE4 (Aachen-Düsseldorf-Dortmund), RE5 (Koblenz-Köln-Wesel), RE7 (Rheine-Köln-Krefeld) und RE11 (Düsseldorf-Hamm-Kassel) fuhren weniger als 50 Prozent der Züge zu den im Fahrplan vorgesehen Zeiten.
Besser sah es bei den S-Bahnen aus: Dort waren im vergangenen Jahr 22 Prozent der Züge unpünktlich. Die pünktlichste Linie in NRW war die S4 zwischen Dortmund und Unna - dort fuhren nur rund zwei Prozent der Züge verspätet.
Verkehrsminister: Situation so nicht hinnehmbar
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) reagierte verärgert auf die aktuellen Zahlen. "Das ist eine Betriebssituation, die so nicht hinnehmbar ist. Wenn auf einzelnen hochbelasteten Linien weniger als die Hälfte der Züge pünktlich kommt, ist das für die Fahrgäste eine Zumutung", sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur.
"Jetzt rächt sich bitter, dass die Bahn jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren worden ist. NRW hat das marodeste Schienennetz aller Flächenländer und den größten Sanierungsbedarf." Die Bundesregierung müsse nun handeln. "Wir erwarten vom Bund, der über die Deutsche Bahn die Verantwortung für die Infrastruktur trägt, dass Sanierung und Ausbau weiter beschleunigt werden", sagte Krischer. "Wir brauchen Gleise, Oberleitungen und Stellwerke, die den Standards des 21. Jahrhunderts entsprechen."
Hauptproblem: Baustellen
Das größte akute Problem seien im Moment die vielen Baustellen im Schienennetz, sagen Sprecher der für den Bahnverkehr in NRW zuständigen Aufgabenträger. Doch daran, die Infrastruktur zu modernisieren, führe kein Weg vorbei. "Ohne die Bauarbeiten droht ein Kollaps auf der Schiene", betonte ein Sprecher von Go.Rheinland. Auch beim VRR heißt es: "Bis die Modernisierung der maroden Infrastruktur abgeschlossen ist, wird es für die Fahrgäste noch über einen längeren Zeitraum Engpässe und Einschränkungen geben."
Zwar versuche man, vor Ort kleine Verbesserungen umzusetzen - doch die großen Probleme bleiben bestehen. Man arbeite aber an Vorschlägen für langfristige landesweite Maßnahmen, sagte ein Sprecher des NWL. Diese sollen im Juni vorgestellt werden.
Ein weiteres Problem ist die hohe Auslastung vieler Strecken. Dadurch sorgen Verspätungen im Fernverkehr sofort für Probleme bei Nahverkehrszügen, die auf der gleichen Strecke fahren. Denn Regionalzüge müssen verspätete ICE in der Regel vorlassen. Es gebe viele Strecken, die zu 125 Prozent ausgelastet seien, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. "Die steigende Nachfrage trifft auf ein Streckennetz, das nicht für die aktuellen Belastungen und künftiges Wachstum ausgelegt ist." Deshalb gebe es gerade so viele Baustellen im Schienennetz.
Etwas weniger Zugausfälle
Bei einem anderen großen Problem der vergangenen Jahre fallen die Zahlen hingegen etwas positiver aus: Noch vier Prozent der Züge fielen im Jahr 2025 kurzfristig aus. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Kurzfristige Zugausfälle etwa wegen Personalmangels waren lange Zeit ein besonderes Ärgernis für viele Pendler, weil sie schon am Bahnsteig standen und ihr Zug dann doch nicht kam.
Mit massiven Investitionen in Personalwerbung und Ausbildung haben das Land und die Eisenbahnunternehmen in den vergangenen Jahren viele freie Stellen wieder besetzen können.