Nordrhein-WestfalenZwei Kühltürme von altem Kohlekraftwerk gesprengt

15.000 Tonnen Beton krachen kontrolliert zusammen: In Gelsenkirchen wird Platz geschaffen für ein modernes Gaskraftwerk. In Zukunft soll am Standort auch Strom mit Wasserstoff erzeugt werden können.
Gelsenkirchen (dpa/lnw) - An einem alten Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen sind gleich zwei Kühltürme gesprengt worden. Auf das Kommando des Sprengmeisters wurden am Vormittag die beiden 114 Meter hohen Türme des Uniper-Kraftwerks im Stadtteil Scholven mit Sprengladungen zum Einsturz gebracht. Unmittelbar nach der Zündung kippten die beiden Bauwerke - und damit rund 15.000 Tonnen Beton - wie geplant aufeinander zu, wie Uniper mitteilte.
"Es ist alles nach Plan verlaufen", sagte eine Sprecherin des Energiekonzerns. Ein vor der Sprengung eingerichteter Sperrbereich von rund 300 Metern mit einigen gesperrten Straßen sollte nach der Begehung durch die Spreng-Fachleute ebenfalls freigegeben werden.
Stromversorgung mit grünem Wasserstoff geplant
Auf dem Gelände der gesprengten Kühltürme soll in den nächsten Jahren eine neue Turbinenanlage entstehen, die Strom aus Gas erzeugt. Perspektivisch könnte die Anlage auch mit klimafreundlichem Wasserstoff betrieben werden, teilte Uniper mit. Der Standort Scholven bleibe dadurch wichtig für die Stromversorgung der Region und für den Wandel hin zu erneuerbaren Energien.
Das Kraftwerk Scholven war den Angaben des Unternehmens zufolge in den 1960er Jahren das größte Steinkohle-Kraftwerk Deutschlands. Mit dem Abschied von der Stromerzeugung aus Kohle wurden die meisten Kraftwerksblöcke stillgelegt. In den Jahren 2008, 2015 und 2025 wurden schon drei Kühltürme und mehrere Industriegebäude auf dem Gelände gesprengt. Nun sind die Blöcke D und E an der Reihe.
Anwohner dürfen in ihren Wohnungen bleiben
Ganz vorbei ist die Zeit der Kohleverstromung am Standort Scholven allerdings noch nicht. Die beiden Blöcke B und C wurden als systemrelevant eingestuft und sollen bis 2031 am Netz bleiben und die Stromversorgung stabilisieren, wenn zu wenig Wind- und Solarstrom erzeugt wird.