Rheinland-Pfalz & SaarlandHubig: KMK wird nach Hanau über Demokratiebildung reden

Bildungsministerin Hubig sieht im Hanauer Anschlag und anderen Taten Attacken auf die Demokratie. Die Kultusministerkonferenz-Präsidentin sagt: "Jetzt ist es Zeit, dass wir uns alle zusammentun und uns gegen Hass und Hetze stark machen" - auch und gerade in Schulen.
Mainz (dpa/lrs) - Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) will Demokratiebildung und den Umgang etwa mit dem rassistischen Anschlag von Hanau im Kreis der Kultusminister voranbringen. Hanau, der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder auch die NSU-Morde seien allesamt Anschläge auf "unsere Demokratie" gewesen, sagte Hubig in einem Redaktionsgespräch der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.
Es gehe den Tätern darum, die offene, plurale Gesellschaft auszuhöhlen und sie ins Wanken zu bringe. Zudem gebe es in Deutschland eine Tendenz zur Verrohung der Sprache. Alltagsrassismus dürfe nicht toleriert werden, sagte Hubig. "Das muss in Schulen ein ständiges Thema sein. Schulen müssen die ersten Verteidiger unserer Demokratie sein." Respekt, Miteinander, Toleranz und der Wert von Demokratie und Europa würden in Schulen und Kitas als erstes vermittelt.
"Demokratiebildung und politische Bildung muss in Schulen noch stärker geschehen", forderte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK). Dies müsse in allgemeinbildenden Schulen genauso wie in Berufsschulen ausgebaut werden. "Es ist ein Thema für alle Schülerinnen und Schüler und alle Schulen", sagte die SPD-Politikerin. In Rheinland-Pfalz werde beispielsweise zum übernächsten Schuljahr der Sozialkunde-Unterricht aufgestockt.
Fertig sei hierzulande mittlerweile auch die Verwaltungsvorschrift, die Fahrten zu Gedenkstätten und die Arbeit mit Zeitzeugen regele. Für Referendare aller Schularten sei verpflichtend, mindestens einmal eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen. Zudem müsse in der Schullaufbahn eines jeden Schülers einmal mit Zeitzeugen gearbeitet werden. Das könne geschehen, indem Zeitzeugen direkt in Schulen kämen, indem aufgezeichnete Interviews mit Zeitzeugen im Unterricht besprochen würden, denkbar seien auch Besuche von Nachfahren von Zeitzeugen in Schulen. Welche Form gewählt werde, obliege den Schulen. "Aber es muss eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und mit Einzelschicksalen sein", sagte Hubig.
Auch das Thema Antisemitismus müsse an Schulen weiter bearbeitet werden. "Es kann nicht sein, dass Kinder keine Kippa oder ein Basecap darüber tragen, damit niemand sieht, dass sie jüdischen Glaubens sind", betonte die Ministerin. Niemand dürfe sich so fühlen, dass er sage, er rede nicht über seine Religion. "Aber das ist mancherorts Realität und das ist erschreckend." Die Kampagne der rheinland-pfälzischen Landesregierung gegen Hass und Hetze komme genau zum richtigen Zeitpunkt. "Jetzt ist es Zeit, dass wir uns alle zusammentun und uns gegen Hass und Hetze stark machen."