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Rheinland-Pfalz & SaarlandPolizeiseelsorger: "Die Wunde bleibt offen"

08.04.2026, 04:02 Uhr
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Vor einer Woche sorgte das Urteil um die tödlichen Schüsse auf einen Polizisten im Saarland für Aufsehen. Warum viele Polizisten weiter fassungslos sind.

Saarbrücken (dpa/lrs) - Nach dem Freispruch im Prozess um ihren getöteten Kollegen herrscht bei Polizisten im Saarland laut Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim weiterhin eine große Fassungslosigkeit: "Das Schlimmste an dem Urteil ist, dass man die Tat des Täters und die Schuldunfähigkeit im Kopf nicht zusammenbekommt", sagte der katholische Polizeiseelsorger der Deutschen Presse-Agentur. "Man kann es nicht verstehen."

Das gelte vor allem für die Polizeibeamten, die bei der Tat im August 2025 in Völklingen dabei gewesen seien. Der angeklagte 19-Jährige hatte mehrfach auf den 34 Jahre alten Polizeioberkommissar Simon Bohr geschossen - auch noch, als dieser bereits wehrlos am Boden lag. Der Oberstaatsanwalt hatte daher im Prozess von einer gezielten Hinrichtung gesprochen.

Das Landgericht Saarbrücken hatte den wegen Mordes angeklagten jungen Mann vor einer Woche wegen einer Schizophrenie-Erkrankung von den Tötungsvorwürfen freigesprochen. Die Kammer ordnete die dauerhafte Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik für Straftäter an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kein Abschluss bei möglicher Prozess-Neuauflage

Unter den Polizisten im Saarland gebe es viel Solidarität: "Ich spüre eine große Betroffenheit. Viele sagen: "Jetzt ist der Simon tatsächlich völlig umsonst gestorben. Jetzt war sein Tod noch sinnloser als sowieso schon"", sagte Kesselheim, der viele Polizisten betreut. "Auch für die Witwe ist es eine ganz schwere Situation." Ganz klar: "Das Urteil wirkt noch lange nach."

Hinzu komme, dass es nach dem Urteil und der bereits von der Staatsanwaltschaft angekündigten Revision keinen Abschluss für die Polizisten gebe. "Die Wunde bleibt offen und die Kollegen müssen irgendwann noch mal aussagen", sagte der Seelsorger. "Das hätten wir gerne vermieden."

Auch für die Witwe sei das "ganz furchtbar". Sie müsse das Ganze dann erneut durchstehen. Im ersten Prozess wurden drei bei der Tat anwesende Polizisten per Video vernommen, damit sie nicht im Gerichtssaal erscheinen mussten. Eine Konfrontation mit dem Angeklagten sollte vermieden werden.

Der Deutsche mit türkischen Wurzeln hatte auf der Flucht nach einem Tankstellenüberfall in Völklingen einem Polizeianwärter die Dienstwaffe entrissen und den Polizeioberkommissar mit Schüssen tödlich verletzt. Ein Polizist wurde verletzt.

"Beschimpfung von Richtern geht gar nicht"

Wie im Fall einer Neuauflage des Prozesses das Urteil aussehen werde, sei natürlich offen, sagte Kesselheim. "Wir haben eine unabhängige Justiz." Und es sei gut, dass es Rechtsmittel gibt. Beschimpfungen der Richter nach dem Urteil lehne er ab. "Das geht gar nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das aus der Polizei heraus passiert", sagte er.

Quelle: dpa

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