Rheinland-Pfalz & SaarlandZecken zunehmend ganzjährig aktiv – auch neue Arten dabei

Steigende Temperaturen locken Zecken ganzjährig hervor. Welche Risiken das für Spaziergänger, Haustiere und Landwirte birgt – und worauf jetzt besonders zu achten ist.
Mainz/Koblenz (dpa/lrs) - Zecken können Experten zufolge nicht nur im Sommer vermehrt unterwegs sein. "Anders als früher sind Zecken wegen steigender Temperaturen und milder Winter nicht mehr saisonal, sondern immer häufiger ganzjährig aktiv", sagte ein Sprecher des Naturschutzbunds (Nabu) in Rheinland-Pfalz.
Zeckenexpertin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart geht zudem von einem Sommer mit hoher Zeckenaktivität aus, sagte sie auf Anfrage. "Da der gesamte Entwicklungszyklus der Zecke - gemeint ist in diesem Fall der Gemeine Holzbock - mehrere Jahre dauert, hängt die Anzahl der Zecken, die jetzt auf Wirtsuche gehen auch davon ab, wie viele den Winter überlebt haben", sagte die Expertin. "Allerdings gehen wir nicht davon aus, dass die kalten Temperaturen, die wir in den letzten Wochen erlebt haben, einen großen Einfluss auf die Zeckenpopulationen gehabt haben, da die Kälteperioden nicht lang genug waren."
Hohe Temperaturen könne der Gemeine Holzbock gut ertragen, er reagiere jedoch empfindlich auf niedrige Luftfeuchtigkeit, sagte Mackenstedt. "Dann wandern sie in Richtung Boden, da es dort feuchter ist oder müssen den Bereich ganz verlassen."
Längere Aktivitätszeiten
Der Gemeine Holzbock ist dem Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Rheinland-Pfalz zufolge vor allem bei Temperaturen zwischen circa 7 Grad und 30 Grad aktiv. Untersuchungen des Zentrums haben ergeben, dass die Tage, an denen Zecken witterungsbedingt aktiv sein können, über die Jahre zugenommen haben. Daraus schließt das Zentrum, dass der Klimawandel einen erheblichen Einfluss auf die Populationsdichte von Zecken ausüben könne.
Neue Zecken und ihre Feinde
In Deutschland sind dem Nabu-Sprecher zufolge rund 20 Zeckenarten bekannt. Die häufigste Art ist demnach der Gemeine Holzbock. "In den letzten Jahren tauchen aber auch immer häufiger Zeckenarten, die ursprünglich aus Südeuropa stammen", sagte der Nabu-Sprecher und nannte als Beispiel die Wiesenzecke.
Im Zuge eines Mitmachprojekts untersucht der Nabu daher, wie aktiv diese Arten sind, wo sie vorkommen und welche Tiere sie befallen. Wer beim Spazieren oder danach eine Zecke sieht, kann diese fotografieren und dem Nabu melden.
Eingegrenzt wird die Zeckenpopulation unter anderem durch ihre natürlichen Fressfeinde. Dazu gehören laut Nabu Vögel, vor allem Hühner, aber gelegentlich auch Spinnen, Laufkäfer, Amphibien und Reptilien. Es gebe auch bestimmte Pilzarten, die auf Zecken wachsen oder Fadenwürmer, die sie befallen. Die Erzwespe legt demnach ihre Eier in Zecken und die schlüpfenden Larven ernähren sich dann von ihnen.
Gesundheitsrisiken durch Zeckenbisse
Das Landesuntersuchungsamt sieht in Zecken ein Gesundheitsrisiko, "da sie sowohl die Lyme-Borreliose als auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen können", sagte eine Sprecherin. Demnach sind die Fallzahlen von Lyme-Borreliose 2025 deutlich höher ausgefallen als in den vier Jahren davor, bleiben jedoch unter den Zahlen im Zeitraum 2012 bis 2020. Die Meldezahlen von FSME sind den Angaben nach in den letzten Jahren konstant gewesen.
Rheinland-Pfalz hat nach Angaben des Gesundheitsministeriums vor einigen Jahren eine eigene Meldepflicht für Borreliose eingeführt. Hierdurch werde die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gegenüber zeckenübertragenen Erkrankungen gestärkt, sagte ein Ministeriumssprecher. Gegen Lyme-Borreliose hilft an erster Stelle, sich vor Zeckenbissen zu schützen, so die Amtssprecherin. "Sollte sich ein Zeckenbiss trotzdem ereignen, ist eine möglichst schnelle Entfernung der Zecke nach dem Biss sehr wichtig."
Impfung empfohlen
Für Personen, die in FSME-Risikogebieten gegenüber Zecken exponiert sind oder etwa in der Landwirtschaft arbeiten, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung, wie das Robert Koch-Institut (RKI) aufführt. Die Impfempfehlung gilt auch für Menschen, die außerhalb von Deutschland in FSME-Risikogebiete reisen. In Rheinland-Pfalz gilt der Landkreis Birkenfeld seit einigen Jahren als FSME-Risikogebiet.
Auch Haustiere können von Zecken befallen werden. Dazu weist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit darauf hin, dass die Wahl des richtigen Tierarzneimittels zum Schutz vor Zecken, Flöhen und anderen Ektoparasiten enorm wichtig sei. Während der Wirkstoff Permethrin von Hunden in der Regel gut vertragen werde, könne er bei Katzen zu schweren Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod führen. Es sei ratsam, eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufzusuchen.
Wo Zecken lauern
Generell halten sich Zecken laut Nabu gern in dichten, niedrigen Kraut- und Strauchzonen mit feuchtem Kleinklima, Sonnen- und Windschutz auf. Daher kommen sie besonders häufig in Wäldern, Waldrändern, Wiesen und Flussauen vor.
Nach jedem Besuch eines möglichen Zeckengebiets sollte der ganze Körper nach den Tieren abgesucht werden, sagte der Nabu-Sprecher. Der beste Schutz sei das Tragen geschlossener Kleidung, also etwa festen Schuhen und langen Hosen. Zeckensprays können helfen, allerdings nur zeitlich begrenzt.