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Rheinland-Pfalz & SaarlandSchweitzer will "Digitalkultur in der Pflege anstoßen"

04.05.2023, 14:12 Uhr
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(Foto: Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild)

Die Digitalisierung ist in der Pflege angekommen. Es gibt aber auch noch deutlichen Aufholbedarf. Rheinland-Pfalz hat das in einer Studie genau analysieren lassen - und plant nun eine Bildungsoffensive.

Mainz (dpa/lrs) - Die Pandemie war bei der Digitalisierung der Pflege in den rheinland-pfälzischen Einrichtungen und Schulen einer Studie zufolge "Treiber und Barriere" zugleich. Die Ausstattung sei zwar vorangekommen, es gebe aber noch Luft nach oben, sagte Studienleiter Professor Frank Weidner von dem vom Arbeitsministerium beauftragten Forschungsinstitut Dienstleistung, Innovation, Pflegeforschung GmbH (Dip) am Donnerstag in Mainz.

Die Ergebnisse zeigten auch: "Erst das Konzept, dann die Technologie." Nur ein Drittel der befragten Pflegeschulen beispielsweise habe bereits ein Konzept für Medienbildung, und diese seien weiter entwickelt als die anderen. Auf der Basis der Standortanalyse des Instituts will Sozial-, Arbeits- und Digitalisierungsminister Alexander Schweitzer "eine neue Digitalkultur in der Pflege anstoßen" mit Angeboten in allen Schulen 2024.

Pflege lasse sich nicht durch Digitales ersetzen, so könne aber mehr Freiraum für die eigentliche Pflege geschaffen werden, sagte der SPD-Politiker. Die Landespflegekammer unterstützt die Pläne. Erforderlich sei aber auch "eine umfassende und mit allen relevanten Partnern abgestimmte Digitalisierungsstrategie", sagte der Präsident der Landespflegekammer, Markus Mai. Eine solche Strategie könne auch als Grundlage für die Produkt- und Softwareentwicklung dienen sowie eine Grundlage für die Unterstützung mit öffentlichen Geld bieten.

Die Ausstattung mit Wlan als Voraussetzung für die Digitalisierung ist der Studie zufolge unterschiedlich gut. In 85 Prozent der Pflegeschulen sei sie sehr gut, in den Versorgungseinrichtungen aber schlechter, berichtete Weidner. Am schlechtesten schnitten die Krankenhäuser ab.

Drei Viertel der befragten Einrichtungen und Dienste hätten ihre Mitarbeiter inzwischen mit einem PC oder Smartphone ausgestattet, viele Auszubildende hätten Tablets bekommen. Videotelefonie habe "enorm zugelegt" und "fast alles, was administrativ läuft, ist digital", berichtete Weidner aus der Praxis. Bei der Pflege-Planung und -Dokumentation laufe dies noch nicht so gut, lasse sich aber auch nicht komplett digitalisieren.

Als andere Beispiele für Digitalisierung nannte Weidner Sturzerkennung, Entertainment und das Monitoring in Krankenhäusern. Telemedizin mit Robotern werde dagegen nach seiner Einschätzung - auch in Japan - bis auf weiteres nicht über Einzelprojekte hinausgehen. Sie funktionierten nicht so komplex wie die Pflege.

Die allermeisten Menschen würden in den eigenen vier Wänden gepflegt, betonte Schweitzer. Mit Hilfe von Angehörigen, Ehrenamt und ambulanten Diensten. In der Kommunikation der Helfenden untereinander sowie etwa mit Pflegestützpunkten könne die Digitalisierung vieles vereinfachen, und die Fehleranfälligkeit reduzieren. Dies gelte auch für die Übergabe des Fachpersonals, denn "die Abstimmung ist oft durch schnelle Abläufe geprägt".

Von den rund 65 Pflegeschulen, 100 Krankenhäusern sowie je 500 stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen im Land seien für die Studie insgesamt mehr als 200 Einrichtungen erreicht worden, sagte Weidner. Darunter auch 60 Prozent der Schulen. Rund 75 Lehrende seien befragt worden und 22 Experten hätten in Workshops mitgewirkt. Die Ergebnisse der ersten Studie dieser Art in Deutschland zeichneten ein repräsentatives Bild.

Quelle: dpa

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