Rheinland-Pfalz & SaarlandWas Forscher beim alten römischen Trier noch umtreibt

Trier gilt als die älteste Stadt Deutschlands. Vieles aus der Römercity ist bereits erforscht, aber es gibt noch einige große Rätsel.
Trier (dpa/lrs) - Porta Nigra, Kaiserthermen, Amphitheater: Vieles ist über die einst römische Metropole Trier bekannt. Bis zu 80.000 Menschen lebten einst in der größten Stadt nördlich der Alpen, die Ende des dritten Jahrhunderts sogar zur Hauptstadt des Weströmischen Reiches wurde.
Aber: Es gibt noch große Forschungsfragen zur Stadtarchäologie, die bis heute nicht geklärt sind, wie der Leiter der Außenstelle Trier der Landesarchäologie, Joachim Hupe, sagt. Dazu gehöre etwa die Frage, wo das antike Theater gelegen habe, also das szenische Theater, in dem Komödien und Dramen gezeigt wurden.
"Das müsste sich eigentlich im archäologischen Befund irgendwo zeigen, aber wo es lag, ist völlig unklar", sagt der Archäologe der Deutschen Presse-Agentur. In einer Stadt wie Trier habe es sicher solch ein Theater gegeben. "Es zeichnet eine römische Stadt, die was auf sich hält, aus."
Hupe rechnet damit, dass der Fund irgendwo unter der Erde schlummert: "Es wird wahrscheinlich stark abgebrochen sein, weil man später eben nicht mehr an die Bausubstanz angeknüpft hatte", sagt er.
Und wo genau lag die römische Pferderennbahn?
Die zweite Frage sei die nach der Lage der vermuteten römischen Pferderennbahn, dem antiken Circus von Trier. "Er ist auch literarisch überliefert und wir haben mittlerweile ein paar archäologische Hinweise, die die alte These, ihn im Gartenfeld anzusiedeln, bestätigt", sagt Hupe.
Man gehe davon aus, dass der Circus im Osten von Trier rund 400 Meter lang und 80 Meter breit war. Es soll dort Wagenrennen mit Vierspännern - also zwei Pferdepaaren hintereinander - gegeben haben. Derzeit laufe eine kleinere Grabung in der Agritiusstraße, im Außenbereich der vermuteten Rennbahn.
"Wir haben zuvor schon kleinräumige Grabungen an verschiedenen Punkten im Gartenfeld gehabt", sagt Hupe. "Aber sie bringen noch kein Gesamtbild." Diese Anlage sei wahrscheinlich sehr stark mit Erde modelliert gewesen und trete nicht als festes Bauwerk in der Fläche in Erscheinung. Daher sei sie schwer zu finden.
Hinzu komme, dass das Gartenfeld im Mittelalter vorwiegend agrarisch genutzt wurde. In den frühesten Karten gebe es keinen Hinweis auf den Circus, aber spätantike Nachrichten von Schriftstellern belegten die Existenz der Pferderennbahn. Außerdem gebe es drei Wagenlenker-Mosaike vermutlich von Rennstallbesitzern, sagt der Experte.
Gab es einen Kapitolstempel?
Unklar sei auch noch, wo der Kapitolstempel liege. "Römische Städte sind immer ein Abbild von Rom gewesen. Und Rom hat das Kapitol mit dem Tempel des Jupiter, der Juno und der Minerva." Jede römische städtische Gründung habe diese Bauten nachzuahmen versucht. "Und wir haben bisher keine klaren Hinweise, wo der Kapitolstempel liegt." Eine Theorie besage, dass er sich im Bereich der Römerbrücke befand. Eine andere lokalisiere ihn auf dem Forum im Zentrum.
Zudem gibt es noch ganz Elementares, das die Forscher zu der römischen Vergangenheit von Trier umtreibt. "Wie wohnten damals die einfachen Menschen? Welche Hausformen kannten sie?", fragt Hupe. Bislang liegen demnach nur wenige mehr oder weniger vollständige Hausgrundrisse vor.
Trier gilt als die älteste Stadt Deutschlands. Die Stadt wurde um 17 vor Christus als "Augusta Treverorum" gegründet. Dieses Jahr stehen die antiken Monumente im Fokus: Vor 40 Jahren erfolgte die Ernennung zum Unesco-Welterbe "Römische Denkmale, Dom St. Peter und Liebfrauenkirche in Trier".
Grabungen nur bei aktuellem Anlass
Grabungen gibt es in Trier nur bei neuen Bauvorhaben, etwa vor geplanten Neu- oder Anbauten. Wenn irgendwie möglich, sollten Bodendenkmäler unangetastet im Boden bleiben, um diese für künftige Generationen zu erhalten, sagte Hupe.
So sei es etwa geschehen nach der zweijährigen Grabung im Vorfeld des Neubaus der Hauptfeuerwache in Trier 2023 bis 2024. Dabei sei eine Kultstätte für den römischen-persischen Lichtgott Mithras mitsamt Teilen der Ausstattung entdeckt worden. Diese Funde seien an Ort und Stelle belassen worden. "Das war ein großes Glück. Sonst hätten wir den Baubefund zerstören müssen", sagte Hupe.