Rheinland-Pfalz & SaarlandWen die SPD als Minister in die neue Regierung schickt

Die fünf designierten Minister und Ministerinnen der SPD haben alle Regierungserfahrung. Neue Gesichter gibt es bei den sieben künftigen Staatssekretären und Staatssekretärinnen.
Mainz (dpa/lrs) - Drei Minister und zwei Ministerinnen von der SPD werden der neuen Landesregierung in Rheinland-Pfalz angehören. Dazu kommen sieben Staatssekretäre, darunter vier Frauen. Die CDU stellt ihre Minister am Dienstag vor.
Doris Ahnen
Die mit Abstand dienstälteste Ministerin in Rheinland-Pfalz gehört seit 25 Jahren verschiedenen Kabinetten an. Von 2001 bis 2014 war sie Bildungs- und Wissenschaftsministerin, seither ist sie Finanzministerin. Dabei hat sie sich auch bei Verhandlungen im Bund einen guten Ruf erworben. In der neuen großen Koalition übernimmt sie die Koordinierung der SPD-Ressorts, auch mit dem Partner CDU.
Obwohl die CDU in der Opposition Ahnens Politik oft angegriffen und in den Koalitionsverhandlungen um das Ministerium gekämpft hat, kann die 61-Jährige in dem Amt weitermachen. Sie bekommt Digitalisierung und Staatsmodernisierung dazu.
Die gebürtige Triererin lebt seit vielen Jahren in Mainz und ist eine langjährige enge Wegbegleiterin von Minister Michael Ebling sowie eine Freundin von Ex-Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Ahnen gehört der SPD seit 1985 an, seit 2004 ist sie stellvertretende Landesvorsitzende und leitet in der Regel die Landesparteitage. Seit 2006 ist sie Landtagsabgeordnete und hat ihren Wahlkreis mehrfach gewonnen. Sie war einige Male Vorsitzende der Finanzministerkonferenz, viele Jahre Mitglied im SPD-Bundesvorstand und dem Präsidium der Bundes-SPD – und hat den Bundespräsidenten einige Male mitgewählt.
Sabine Bätzing-Lichtenthäler
Die 51-Jährige aus dem Westerwald ist die erste Frau an der Spitze der rheinland-pfälzischen SPD und künftig stellvertretende Ministerpräsidentin. Die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2005 bis 2009) war zu Beginn der Corona-Pandemie Gesundheitsministerin in Mainz und in diesem Amt auch zuständig für Arbeit, Soziales und Demografie.
Nach der Landtagswahl 2021 tauschte sie mit Alexander Schweitzer und übernahm den Fraktionsvorsitz im Landtag. Jetzt geht es wieder zurück: Schweitzer wird wieder Fraktionschef und sie Ministerin in einem um Jugend, Frauen und Familie erweiterten Arbeits- und Sozialministerium. Offen ist noch, ob Schweitzer auch den Parteivorsitz von ihr übernimmt. Die beiden kennen sich seit Juso-Tagen.
Mit 27 Jahren war die temperamentvolle Frau aus Altenkirchen in den Bundestag eingezogen, für zwölf Jahre. Bätzing-Lichtenthäler ist Mutter zweier Kinder und Cousine des Limburger Bischofs, Georg Bätzing. Mit ihrem Mann hat sie schon einige 4.000er-Berge bestiegen.
Sie ist seit 2022 auch Landesvorsitzende der Organisation für Kriminalitätsopfer, Weißer Ring. Das Thema liegt ihr am Herzen und sie gab den Posten auch als Partei- und Fraktionschefin nicht auf.
Michael Ebling
Er war mehr als zehn Jahre lang Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz und als solcher beliebt. Parallel dazu war er zeitweise Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Der 59-Jährige ist Mainzer durch und durch, zeigt sich häufig auf Festen oder Veranstaltungen.
Engagiert ist er auch in der Fastnacht, ist aktiv bei der Prinzengarde und dem Mombacher Carneval Verein 1886 Bohnebeitel in seinem Heimatstadtteil, in dem er fest verwurzelt ist.
Ebling war vor seiner OB-Zeit viele Jahre lang Staatssekretär in mehreren, von Ahnen geleiteten Ministerien. Landesminister wurde er 2022: Damals löste er als Innenminister den langjährigen Landesparteichef Roger Lewentz ab. Eine Zeit lang galt Ebling neben Schweitzer und Bätzing-Lichtenthäler als aussichtsreicher Kandidat auf die Nachfolge von Dreyer an der Spitze der Landesregierung.
Clemens Hoch
Der gebürtige Andernacher hat schon mehrere Posten in der Landesregierung bekleidet. Der bekennende Holland-Fan war von 2014 bis 2021 Chef der Staatskanzlei, galt in diesen Jahren als wichtiger Strippenzieher in der Mainzer Machtzentrale für die damalige Ministerpräsidentin Dreyer. Seitdem ist der dreifache Vater Minister für Wissenschaft und Gesundheit, er wurde dies in der Corona-Pandemie.
Hoch studierte in Bonn Jura und arbeitete ein paar Jahre als Rechtsanwalt. Dem Vernehmen nach trat der 48-Jährige nach dem EM-Titel der deutschen Fußballer 1996 in die SPD ein, nachdem er Turnierspiele mit dem örtlichen SPD-Fraktionschef gesehen und danach Lust auf Parteiarbeit bekommen hatte. Hoch gilt als sportbegeistert und akribisch.
Sven Teuber
Der gebürtige Niedersachse und Wahl-Trierer war rund ein Jahr Bildungsminister, nachdem Stefanie Hubig in die Bundesregierung gewechselt ist. In dem Amt wäre der ehemalige Gymnasiallehrer auch gerne geblieben. Zu seinen aufsehenerregendsten und bei der CDU umstrittensten Entscheidungen gehört die Abschaffung unangekündigter Hausaufgabenkontrollen.
Der 43-Jährige steht für das Aufstiegsversprechen, mit dem Amt ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Teuber wuchs in einem bildungsfernen Haushalt auf, seine Eltern waren erst 17 Jahre alt, als er auf die Welt kam.
Der meinungsstarke und temperamentvolle Sozialdemokrat ist seit 2016 Landtagsabgeordneter und seit 2024 stellvertretender SPD-Landeschef. Als neuer Minister für Kommunen, Kultur, Bauen und Wohnen bringt er jahrelange Erfahrung aus dem Ortsbeirat Trier-Süd und dem Stadtrat mit. Der zweifache Vater ist "Vielleser", nennt Kochen und Backen als Hobbys. Er joggt gerne und ist viel mit Rad und Bahn unterwegs.
Die sieben Staatssekretäre
Fedor Rose – Finanzen, Digitalisierung, Staatsmodernisierung
Der Diplom-Volkswirt stammt aus Wiesbaden und ist ein enger Wegbegleiter von Schweitzer. Unter ihm als Ministerpräsidenten war er zuletzt Chef der Staatskanzlei. Zuvor war er unter dem damaligen Minister Schweitzer Staatssekretär im Ministerium für Arbeit und Soziales sowie Digitalisierung.
Davor hatte er – seit 2007 – verschiedene Aufgaben in der Landesregierung und war auch zweimal Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Rose ist auch Mitglied der SPD-Grundwertekommission "Policy Fellow beim Think Tank "Das Progressive Zentrum"". Rose – der bis 2025 Ruhose hieß – hat an der Universität Bonn in Soziologie promoviert zum Thema "Rechtspopulismus in der Opposition: die AfD-Fraktion im Bundestag (2017–2021)".
Tamara Müller – Wissenschaft, Weiterbildung, Gesundheit
Die 36 Jahre alte promovierte Neurobiologin und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin ist neu in dem Amt. Sie gehört dem Landtag seit 2021 an und war zuletzt Mitglied des Wissenschaftsausschusses. Sie kommt aus Bernkastel-Kues an der Mittelmosel und hat in Frankfurt am Main studiert. Dort war sie drei Jahre lang auch Sprecherin der Hochschulgruppe der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.
Kathrin Anklam-Trapp – Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend
Die 58 Jahre alte Wormserin gehört dem Landtag seit 2006 an und war zuletzt Vizepräsidentin des Parlaments. Die gelernte OP-Fachkrankenschwester ist Mutter von zwei Kindern und lebt in Monsheim (Kreis Alzey-Worms). Als Hobbys nennt sie Lesen, Fitness, Kochen, "mit guten Freunden den Kontakt pflegen. Und natürlich die gute alte SPD.". Der gehört sie seit 1993 an und ist seit 2012 Mitglied des Landesvorstands.
Simone Schneider – Wirtschaft, Energie und Klima
Die 54 Jahre alte Juristin stammt aus Nordrhein-Westfalen. Sie war dreieinhalb Jahre Staatssekretärin im Innenministerium unter Ebling und zuständig für kommunale Themen, Sport, kulturelles Erbe sowie Staatsrecht. Jetzt wechselt sie mit Ebling und ihrem Kollegen Daniel Stich in das neu zugeschnittene Ministerium. Zuvor hat die zweifache Mutter viele Jahre Verwaltungserfahrung bei der Landesregierung gesammelt. Zuletzt hatte sie von 2015 bis 2022 die Zentralabteilung der Staatskanzlei geleitet.
Daniel Stich – Wirtschaft, Energie und Klima
Der 49-Jährige aus Kaiserslautern ist seit 2024 Staatssekretär im Innenministerium und wechselt in das neue Ministerium für Wirtschaft, Energie und Klima. Der Politikwissenschaftler ist seit 20 Jahren im Innen- und im Wissenschaftsministerium in verschiedenen Positionen aktiv gewesen. Der SPD gehört der zweifache Vater seit 2000 an. Er war 2016 bis 2021 Generalsekretär und Landesgeschäftsführer, seit 2021 Schatzmeister.
Denis Alt – Kommunen, Bauen, Wohnen, Kultur
Der 45 Jahre alte promovierte Diplom-Volkswirt ist seit 2019 Staatssekretär im Wissenschafts- oder Sozialministerium und arbeitet seit 2009 in unterschiedlichen Funktionen in der Landesregierung. Der Vater zweier Kinder kommt aus Kirn (Kreis Bad Kreuznach). Jetzt ist er mit Vanessa Fischer Staatssekretär im neuen Museum für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur.
Er trat der SPD 1998 bei und war von 2014 bis 2019 Landtagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion.
Vanessa Fischer – Kommunen, Bauen, Wohnen, Kultur
Die 39-jährige Sozialwissenschaftlerin aus Adenau im Kreis Ahrweiler war persönliche Referentin und Büroleiterin bei Ministerpräsidentin Dreyer. Zuletzt leitete die zweifache Mutter die Abteilung "Ressortkoordination, Landtag" in der Staatskanzlei und war ständige Vertreterin des Chefs der Staatskanzlei.