Sachsen-AnhaltAngeln ab 12 - Altersgrenze für Fischereiprüfung gesenkt

Ab 12 Jahren dürfen Jugendliche in Sachsen-Anhalt die Fischereiprüfung ablegen und auf Raubfisch angeln. Welche Chancen und Bedenken Vereine und Eltern sehen.
Magdeburg/Halle/Wittenberg (dpa/sa) - Theo (8) und Milan (10) kommen strahlend aus einem kleinen Prüfungsraum in einem Angelladen in Wittenberg. Wochenlang haben sie gelernt: Fischarten erkennen, Schonzeiten, Naturschutz, Gesetze. Jetzt halten sie ihre Bescheinigung in der Hand. Bestanden.
"Ich finde das spannend, welcher Fisch dranhängt", sagt Theo und grinst. In den Osterferien fährt er mit seinen Eltern in den Urlaub, dort will er angeln. Jetzt darf er das auch offiziell. Dass Kinder in diesem Alter bereits die Prüfung machen, ist in Sachsen-Anhalt möglich. Doch was danach kam, war bisher kompliziert. Genau hier hat die Landespolitik angesetzt.
Weitere Prüfung entfällt
Jugendliche konnten bisher einen Jugendfischereischein machen. Der galt aber nur bis zum 18. Geburtstag. Danach mussten sie eine weitere Prüfung ablegen, um den Friedfisch-Fischereischein zu bekommen. Das Problem: Beide Prüfungen waren inhaltlich fast identisch. Viele mussten also noch einmal lernen und noch einmal zur Prüfung. Diese zweite Prüfung fällt jetzt weg. Künftig reicht eine.
Außerdem wurde das Mindestalter für die reguläre Fischereiprüfung gesenkt. Jugendliche können diese Prüfung jetzt schon mit zwölf Jahren ablegen statt mit 14. Damit dürfen sie dann auch Raubfische angeln, wie Zander oder Barsch. Nicht alle finden das gut. Der Vater von Milan sieht das kritisch. "Raubfische ziehen ordentlich. Ob das ein Zwölfjähriger hinbekommt", sagt er. Er würde das eher erst ab 15 oder 16 Jahren erlauben.
Dass sich das Gesetz geändert hat, kommt nicht zufällig. Der Landesanglerverband hatte schon länger auf die Probleme hingewiesen. Im vergangenen Jahr gab es deshalb eine gemeinsame Angelveranstaltung mit Politikern aus Sachsen-Anhalt. Dabei konnten die Angler direkt zeigen, wo die Probleme liegen.
Vereine sehen Änderungen positiv
"Die Politik hatte da ein offenes Ohr", sagt Martin Schwabe, Sprecher des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt. Nach dem Termin sei das Thema im Landtag weiter beraten worden. Dass die Änderungen jetzt beschlossen wurden, sei deshalb auch das Ergebnis dieses Treffens.
In den Vereinen werden die Änderungen überwiegend positiv aufgenommen. Christian Reisbach vom Kreisanglerverein Wittenberg sitzt im Prüfungsausschuss und erlebt, dass viele Kinder und Jugendliche sich für das Angeln interessieren. "Viele wollen raus in die Natur und etwas erleben", sagt der 39-Jährige.
Zur neuen Altersgrenze für den regulären Fischereischein möchte Reisbach noch keine abschließende Bewertung abgeben. "Viele Jugendliche sind aber sehr motiviert und wollen den Schein so früh wie möglich machen", sagt er. Allerdings ist die Prüfung anspruchsvoll: Mehr als 600 Fragen aus verschiedenen Bereichen umfasst der Fragenkatalog.
Motivationsschub für Jugendliche
Mit einem großen Ansturm auf die Vereine rechnet der Landesanglerverband nicht. Schwabe geht eher davon aus, dass Jugendliche nun früher den regulären Fischereischein machen und dem Angeln dadurch treu bleiben. "So kann man Jugendliche besser im Verein halten, die sonst vielleicht das Interesse verloren hätten", sagt der 41-Jährige aus Halle.
Die Vereine wachsen ohnehin bereits. Seit der Corona-Zeit gibt es laut Verband wieder mehr Angler. In Sachsen-Anhalt sind rund 48.000 Menschen in Angelvereinen organisiert, die dem Landesanglerverband angeschlossen sind. Etwa 5.500 davon sind Kinder und Jugendliche.
Eine weitere Änderung betrifft Menschen, die beim Angeln Unterstützung brauchen und einen Sonderfischereischein haben. Sie mussten bisher von jemandem mit vollem Fischereischein begleitet werden. Jetzt reicht auch eine Begleitperson mit Friedfisch-Fischereischein. "Dadurch wird es für viele einfacher, eine Begleitung zu finden und öfter angeln zu gehen", sagt Schwabe.
Für Theo und Milan zählt jetzt aber erst einmal etwas anderes: der erste eigene Fang. Die Prüfung haben sie bestanden. Jetzt geht es ans Wasser.