Sachsen-AnhaltInvestorensuche für Leuna Polyamid erfolglos

Die Chemieproduktion in Leuna steht vor dem Aus: Die Suche nach einem Investor für Leuna Polyamid war bislang erfolglos. Rund 400 Beschäftigte fürchten um ihre Zukunft.
Leuna (dpa/sa) - Die Suche nach einem neuen Investor für die insolvente Leuna Polyamid GmbH ist vorerst gescheitert. "Wir haben bisher leider kein verbindliches Angebot eines Investors erhalten", sagte Geschäftsführer Martin Naundorf der "Mitteldeutschen Zeitung". Damit droht der Produktionsanlage das endgültige Aus.
Innerhalb der gesetzten Frist bis Ende August seien keine konkreten Angebote eingegangen, teilte das Unternehmen mit. Die letzten beiden "im Prozess befindlichen Interessenten" hätten schließlich abgesagt, hieß es. Als Gründe wurden unter anderem weiter steigende Preise bei der Beschaffung von Rohstoffen sowie schwache Nachfrage genannt.
Leuna Polyamid hatte das Werk als Auffanggesellschaft erst im April vom insolventen Betreiber Domo Caproleuna übernommen. Bis Ende September werde zunächst noch produziert, um laufende Aufträge abzuarbeiten. "Danach wollen wir die Anlagen in Eigenregie herunterfahren", so der Geschäftsführer. Das werde 15 bis 20 Tage dauern. Für Anfang Oktober wird zudem die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erwartet.
"Wir werden gemeinsam mit der Arbeitsagentur und vielen Unternehmen am Standort nach Perspektiven für die Beschäftigten suchen", so das Unternehmen laut Mitteilung.
400 Beschäftigte
In dem Chemiewerk, das Kunststoffe und Dünger produziert, arbeiten nach Betreiberangaben rund 400 Beschäftigte. Die Auffanggesellschaft Leuna Polyamid GmbH wird je zur Hälfte von Infra Leuna und Leuna-Harze gehalten. Sie hatte rund zweieinhalb Monate nach dem Neustart ebenfalls einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.
Als Grund nannte die Geschäftsführung drastisch gestiegene Rohstoffpreise - "insbesondere in der Golfregion" um mehr als 40 bis zu 100 Prozent - sowie Vorkasseforderungen von Lieferanten, die den Liquiditätsbedarf "sehr deutlich" überstiegen.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Der ursprüngliche Betreiber der Anlage, das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals, hatte für seine deutschen Tochterfirmen - darunter die Domo Caproleuna GmbH in Leuna - Ende 2025 Insolvenz angemeldet. Das Land Sachsen-Anhalt finanzierte einen Notbetrieb der Anlage zu Kosten von rund 79,5 Millionen Euro, von denen nach Einschätzung von Energieminister Armin Willingmann (SPD) höchstens ein Bruchteil zurückgezahlt werde.
Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt seit Mai 2026 gegen drei frühere Geschäftsführer der Domo Caproleuna GmbH wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.