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Sachsen-Anhalt Journalisten wehren sich gegen AfD-Kritik an MDR-Reportern

Das Logo des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

(Foto: Lukas Schulze/dpa/Archiv)

Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalts Landespressekonferenz (LPK) hat gegen die öffentliche Kritik an zwei MDR-Journalisten auf einer AfD-Kundgebung in Magdeburg protestiert. Dadurch würden Journalisten unter Druck gesetzt und eine freie Berichterstattung behindert, heißt es in einem an AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner gerichteten offenen Brief, den die LPK am Donnerstag veröffentlichte.

Kirchner hatte am Montagabend auf dem Magdeburger Domplatz vor mehr als 2000 Menschen die beiden Journalisten mit Namen und Details aus ihrem beruflichen Werdegang genannt. Sie zeigten öffentlich ihre Ablehnung gegen die AfD und könnten deshalb nicht neutral berichten, hatte der AfD-Fraktionschef beklagt.

"Dies steht in einer Reihe mit weiteren, zurückliegenden Vorfällen, in denen Sie in der Öffentlichkeit gezielt Journalisten angefeindet haben", heißt es in dem Schreiben der LPK. Kirchner schüre Wut und Hass gegen Journalisten und befördere eine Stimmung, "die nur allzu leicht in Gewalt umschlagen kann". Die LPK, ein Zusammenschluss von Journalisten, die über Landespolitik berichten, forderte Kirchner auf, solche Äußerungen künftig zu unterlassen.

Kirchner teilte auf Anfrage mit, die Berichterstattung über ihn mit der Herstellung des Bezugs zum Extremismus heize die Lage an. Nicht nur er selbst sei angegriffen, sondern auch sein Fahrzeug und sein Büro seien beschädigt worden. "Mit meiner deutlichen Kritik, dass Teile der medialen Berichterstattung, insbesondere beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, politische Tendenzen aufweisen, stehe ich nicht allein", so Kirchner. Die direkt angesprochenen Journalisten seien dafür nur ein Beleg.

In einer Stellungnahme des MDR hieß es am Donnerstag: "Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten unabhängig und ohne jede Agenda. Dass Oliver Kirchner zwei unserer Reporter öffentlich an den Pranger stellt, die in der Vergangenheit auch über Kritik an der AfD berichtet haben, entlarvt dieses Vorgehen als unwürdigen Versuch, zwei integre Journalisten zu diskreditieren und sie einzuschüchtern". Das Vorgehen des AfD-Fraktionsvorsitzenden Kirchner sei undemokratisch und zeige deutlich, "dass dieser die Rundfunk- und Pressefreiheit mit Füßen tritt", teilte der MDR mit.

MDR-Intendantin Carola Wille erklärte: "Leider ist es inzwischen fast schon trauriger Alltag, dass Journalistinnen und Journalisten - nicht nur vom MDR - auf Demos und anderen Veranstaltungen verbal oder sogar tätlich angegriffen werden. Der MDR beobachtet diese Entwicklung mit Sorge und steht betroffenen Kolleginnen und Kollegen mit Schutz und juristischer Unterstützung zur Seite."

Quelle: dpa

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