Sachsen-AnhaltÖkolandbau in Sachsen-Anhalt verliert an Fläche und Tempo

Nach Jahren des Booms schrumpft der Ökolandbau in Sachsen-Anhalt: Weniger Betriebe, weniger Fläche. Der Bauernverband warnt, dass sich Ökolandbau nur lohnt, wenn Absatz und Erlöse stimmen.
Magdeburg (dpa/sa) - Der ökologische Landbau in Sachsen-Anhalt hat nach Jahren starken Wachstums wieder an Dynamik verloren. Innerhalb von zwei Jahren ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche um mehr als 8.800 Hektar zurückgegangen, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte - das entspricht etwa 8.800 Fußballfeldern. 2024 wurden demnach noch rund 112.200 Hektar ökologisch bewirtschaftet, ein Anteil von 9,8 Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Zahlen für 2025 liegen laut Ministerium noch nicht vor.
Auch die Zahl der Ökobetriebe ist zuletzt gesunken. Nach einem Höchststand von mehr als 1.000 Betrieben im Jahr 2022 lag sie 2024 bei 944. Diese Entwicklung müsse jedoch differenziert betrachtet werden, betonte das Ministerium. Maßgeblich sei nicht die Zahl der Betriebe, sondern die Flächenentwicklung. Sinkende Betriebszahlen könnten auch auf Hofaufgaben oder Übernahmen zurückgehen - und nicht zwingend auf eine Rückumstellung auf konventionelle Bewirtschaftung.
Wachstum unter den Grünen - Stagnation unter der CDU
Das starke Wachstum im Ökolandbau fiel vor allem in die Amtszeit der Grünen-Politikerin Claudia Dalbert als Landwirtschaftsministerin (2016–2021). Nach ihr übernahm der heutige Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) das Ressort.
Aus Sicht des Landesbauernverbands Sachsen-Anhalt ist die Entwicklung des Ökolandbaus seit 2020 differenziert zu betrachten. "Das Wachstum wurde anfangs vor allem durch politische Zielsetzungen und Förderanreize für die Umstellung getragen", teilte der Verband mit. Als einen Grund für die Stagnation nannte er Marktentwicklungen im Ökobereich, etwa zeitweise deutlich gedrückte Preise für Ökogetreide.
Bauernverband: Öko lohnt nur, wenn Absatz stimmt
Für die Entscheidung für oder gegen den Ökolandbau seien vor allem Wirtschaftlichkeit und betriebliche Rahmenbedingungen ausschlaggebend, teilte der Landesbauernverband mit. Betriebe prüften, ob sich mit Ökoprodukten verlässliche Erlöse erzielen ließen und stabile Absatzwege vorhanden seien. Eine stärkere politische Förderung sieht der Verband kritisch. Wachstum dürfe "nicht allein politisch vorgegeben werden", andernfalls drohten Preisdruck und wirtschaftliche Risiken.