Sachsen-AnhaltRektor offen für Gebühren-Debatte bei internationalen Studis

Die Universität Magdeburg hat einen besonders hohen Anteil ausländischer Studierender. Sollten sie für bestimmte Angebote zur Kasse gebeten werden?
Magdeburg (dpa/sa) - Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan, ist offen für eine Diskussion über kostenpflichtige Angebote für internationale Studierende. "Wir erkennen, dass es Angebote gibt, die für die Internationalen extrem hilfreich sind, wo sie auch vermutlich bereit wären, einen überschaubaren Beitrag zu zahlen", sagte Strackeljan der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. "Mit Blick auf den Rest der Welt sind wir ohne Studiengebühren mittlerweile fast alleine, zumindest keine Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende, und stehen auch dazu." Er ergänzte: "Man wird aber über das Thema nach der Landtagswahl wieder diskutieren, da bin ich ziemlich sicher."
Die Uni Magdeburg hat einen besonders hohen Anteil von Studierenden aus dem Ausland: Es sind etwa 5.500 von zusammen rund 13.000. Zu den Hauptherkunftsländern zählt Indien. Studiengänge wie Electrical Engineering erreichten nahezu ausschließlich internationale Studierende. Es betreffe im Wesentlichen Angebote, bei denen es parallel ein deutsches Studienprogramm gibt.
Nachfrage nach einem Studium in Deutschland unverändert groß
Die Nachfrage nach einem Studium in Deutschland sei unverändert groß, sagte Strackeljan. "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ändert sich aber, sodass die Übergänge beziehungsweise die Zugänge zum regionalen, aber auch zum überregionalen Arbeitsmarkt schwieriger werden. Um für unsere Internationals die Situation einfacher zu machen, weil wir uns für sie natürlich auch verantwortlich fühlen, haben wir in den vergangenen zwei, drei Jahren sehr positive Erfahrungen damit gesammelt, sie mit strukturierten Programmen fit zu machen für den Arbeitsmarkt, unter anderem auch in Sprachkursen."
Darüber hinaus würden Praktika vermittelt und Netzwerke mit Unternehmen aufgebaut und gepflegt. Die ausländischen Studierenden, die oft technische Fächer wählten, würden gebraucht auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und Europa.
Uni steht mit der Unterstützerrolle vor einem Dilemma
Mit dieser Unterstützerrolle stehe die Uni Magdeburg aber vor einem Dilemma, so Strackeljan, denn die erfolgreich angelaufenen Angebote könnten nicht jedem und jeder zur Verfügung stehen. "Wenn man nur die Hälfte der Internationalen an der Uni Magdeburg auf diese Weise unterstützen würde, so wäre das eine Millionenaufgabe", sagte Strackeljan. "Möglicherweise sind an dieser Stelle geringfügige Gebühren eine Möglichkeit, diesen Weg gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft weiterzugehen."
Generelle Studiengebühren in Sachsen-Anhalt hingegen wären ein Systemwechsel, dem Strackeljan höchst skeptisch gegenüberstünde. "Wenn wir jetzt einen Flickenteppich kriegen in Deutschland, dass beispielsweise die Sachsen es nicht machen, Sachsen-Anhalt führt aber Studiengebühren ein, dann gibt es natürlich Wanderbewegungen in Richtung Chemnitz und Ilmenau und so weiter."