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Sachsen-AnhaltSchulschwimmen bleibt trotz klammer Kassen der Kommunen

11.04.2026, 04:31 Uhr
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In Leipzig hatte eine mögliche Streichung des Schwimmunterrichts an einigen Schulen zu Diskussionen geführt. Viele Kommunen kämpfen mit hohen Ausgaben. In Sachsen-Anhalt sind die Probleme oft andere.

Magdeburg (dpa/sa) - Wie steht es angesichts knapper Kassen in den Kommunen um die Zukunft des Schwimmunterrichts an Schulen? Landkreise und Gemeinden in Sachsen-Anhalt sehen aus finanziellen Gründen für das kommende Jahr derzeit keine drohenden Einschränkungen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Kommunen ergab. Dennoch kämpfen Kommunen mit Engpässen, etwa durch sanierungsbedürftige Bäder, fehlendes Personal oder lange Anfahrtswege. Dabei setzen vor allem im ländlichen Raum einige Kommunen auf Freibäder.

In Leipzig hatte es Ende vergangenen Monats kurzzeitig heftige Diskussionen gegeben, weil einigen Schulen die Schwimmzeiten gestrichen werden sollten - aufgrund der aktuellen Haushaltslage. Dort ist der Schwimmunterricht an weiterführenden Schulen wie Gymnasien eine freiwillige Aufgabe. Das Thema ist inzwischen wieder vom Tisch.

Drohen auch in Sachsen-Anhalt Einschränkungen?

In Sachsen-Anhalt ist das Schulschwimmen als Teil des Sportunterrichts eine verpflichtende Aufgabe der Schulen. Der Betrieb von Bädern, die dafür notwendig sind, obliegt den Gemeinden oder Landkreisen. "Entsprechend besteht hier eine rechtliche Verpflichtung, die unabhängig von der Haushaltslage als Pflichtaufgabe erfüllt wird", teilte etwa der Landkreis Jerichower Land mit. Auch andere Kommunen wie Osterwieck im Harz teilten mit, dass eine Einschränkung der Schwimmzeiten nicht möglich sei, weil es eine Pflichtaufgabe sei, die unabhängig von der Haushaltslage geleistet werden müsse.

Dennoch kämpfen einige Kommunen mit den Kosten. Möglicherweise sei in Zukunft aufgrund der prekären Haushaltslage eine Finanzierung immer schwieriger darstellbar, teilte die Verbandsgemeinde An der Finne (Burgenlandkreis) mit. Auch andere Kommunen wie die Gemeinde Biederitz (Jerichower Land), der Salzlandkreis und die Stadt Gräfenhainichen (Landkreis Wittenberg) teilten mit, dass die Haushaltslage extrem angespannt sei und man sich teilweise in Haushaltskonsolidierung befinde. Eine Streichung des Schwimmunterrichts sei aber kein Thema, betonten die Kommunen.

Vor welchen Herausforderungen steht der Schwimmunterricht?

Obwohl Schwimmunterricht eine Pflichtaufgabe ist, können nicht alle Schulen im Land den Unterricht anbieten oder stehen vor organisatorischen Problemen. Ein Kernproblem sind zu wenig Wasserflächen beziehungsweise knappe Hallenkapazitäten, wie etwa der Landkreis Börde und der Saalekreis mitteilten. "Bei den weiterführenden Schulen bieten nicht alle Schulen Schwimmunterricht an", sagte eine Sprecherin des Landkreises Börde.

Neben fehlenden Bädern sei es aber auch der Mangel an Fachpersonal und Lehrern. Zudem sind einige Wegstrecken vor allem in ländlichen Regionen zum nächsten Schwimmbad so weit, dass Fahrwege mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden wären. Neben den Kosten für die Bäder kommen je nach Gemeinde auch noch Fahrtkosten dazu. So teilte die Gemeinde Huy im Harz mit, dass aus wirtschaftlichen Gründen überlegt werde, den Schwimmunterricht wieder in eines der eigenen Freibäder zu verlegen.

Welche Lösungen finden Gemeinden?

Vor allem in kleineren Gemeinden im ländlichen Raum sind nahegelegene Freibäder eine Alternative. Dort findet der Schwimmunterricht dann im Blockmodell statt, wofür es jedoch Ausnahmegenehmigungen braucht. Unter anderem werden im Landkreis Börde die Freibäder in Zielitz und Wanzleben saisonal genutzt. Auch in Osterwieck im Harz setzt eine Grundschule auf den Schwimmunterricht im Freibad. Ebenso die Verbandsgemeinde An der Finne im Burgenlandkreis.

Allerdings werden nicht überall im Land Ausnahmegenehmigungen für die Nutzung von Freibädern erteilt. Dies stelle vor allem den ländlichen Raum vor Herausforderungen, sagt etwa Havelbergs Bürgermeister Mathias Bölt (parteilos) aus dem Landkreis Stendal. "Aus unserer Sicht muss das Ziel sein, guten Schwimmunterricht mit möglichst kurzen Wegen für die Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen." Bei der Bewertung geeigneter Schwimmstätten müssten daher auch vorhandene Freibäder berücksichtigt werden, so seine Forderung. Zuletzt hatte es auch in Querfurt (Saalekreis) entsprechenden Frust gegeben.

Wie werden Engpässe noch aufgefangen?

Einige Städte fungieren als zentraler Anlaufpunkt für Schulen aus dem Umland. So nimmt etwa die Stadt Leuna nach eigenen Angaben eine zentrale Rolle bei der Schwimmausbildung im südlichen Sachsen-Anhalt ein. "Wir kompensieren aktiv Kapazitätsengpässe im Umkreis, die durch Schließungen oder Sanierungen entstanden sind", sagte Stadtsprecherin Heike Hickmann. So etwa beim Stadtbad Halle, so wie zeitweise in Weißenfels oder in Naumburg. Im vergangenen Jahr hätten rund 10.000 Kinder und Jugendliche die Schwimmhalle in Leuna für den Unterricht genutzt. Insgesamt 17 Schulen aus dem Saale- und Burgenlandkreis besuchten demnach regelmäßig die Schwimmhalle in Leuna.

Quelle: dpa

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