Sachsen-AnhaltVereine helfen Gefangenen beim Weg in ein straffreies Leben

Wer eine Haftstrafe antritt, verliert schnell den Anschluss an das Leben draußen. Was ist danach mit der Wohnung? Wie steht es um die Finanzen und den ganzen Alltag? Es gibt Hilfe.
Magdeburg (dpa/sa) - Eine Reihe von Vereinen unterstützt in Sachsen-Anhalt Menschen dabei, nach verbüßter Haftstrafe wieder ein eigenständiges und straffreies Leben zu führen. Im vergangenen Jahr berieten und betreuten sie 684 inhaftierte Menschen, gut 100 Haftentlassene wurden in eine Betreuung aufgenommen, wie Jennifer Schmidt, Koordinatorin für Resozialisierung beim Landesverband für Kriminalprävention und Resozialisierung Sachsen-Anhalt e.V., mitteilt.
Die Hauptthemen seien Wohnen, Leistungen und Arbeit. "Wer nach einer Haftstrafe wieder Arbeit findet, eine Wohnung erhält und soziale Stabilität entwickelt, hat deutlich bessere Chancen auf ein dauerhaft straffreies Leben", sagt Schmidt.
Die Anlaufstelle, die die Hilfe anbietet, nennt sich Zebra. Die Abkürzung steht für: Zentrum für Entlassungshilfe, Beratung, Resozialisierung und Anlaufstelle zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit. Zebra hat elf Standorte in 13 Regionen Sachsen-Anhalts. 15 Personen begleiten die Straffälligen.
So wird den Haftentlassenen geholfen
Die Haftentlassenen werden quasi an die Hand genommen, erklärt Schmidt. Sie, und wenn nötig auch ihre Familien, würden im Alltag begleitet. Es gehe darum, Strukturen zu schaffen und wieder einen eigenen Haushalt zu führen. Zudem gebe es Unterstützung bei Behördengängen und Antragstellungen.
Die Digitalisierung stelle viele ehemalige Inhaftierte vor Probleme, so Schmidt. Anträge auf Leistungen etwa beim Jobcenter könnten oft nur digital über Portale gestellt werden, auch in der Behörde selbst stünden Terminals, mit denen man zurechtkommen müsse. Die Vereine der freien Straffälligenhilfe hätten persönliche Kontakte in die Ämter und könnten vermitteln sowie begleiten.
Der Bedarf an Unterstützung wächst
Der Umgang mit Schulden spielt ebenso eine Rolle wie Fragen von Gesundheit und Suchterkrankungen. "Psychische Belastungen und Suchterkrankungen haben eine zunehmende Bedeutung in nahezu allen Regionen", so Jennifer Schmidt. Der Bedarf an Unterstützung und Begleitung werde größer.
"Die Resozialisierung beginnt nicht erst nach der Entlassung", erklärt Jennifer Schmidt. "Schon während der Haft werden Perspektiven entwickelt, Wohnraum gesucht, Anträge vorbereitet und Unterstützungsnetzwerke aufgebaut."
Laut dem Justizministerium wurden im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt insgesamt 1.392 Personen aus den Justizvollzugseinrichtungen des Landes Sachsen-Anhalt nach Verbüßung der jeweiligen Strafe in Freiheit entlassen.
Es geht auch darum, Haft zu vermeiden
Zebra vermittelt auch gemeinnützige Arbeit, mit der Haft abgewendet werden kann. 990 bearbeitete Fälle habe es im vergangenen Jahr gegeben, so Schmidt. So seien über 11.000 Tagessätze abgeleistet worden. 5.535 Hafttage wurden den Angaben zufolge vermieden. "Jeder vermiedene Hafttag bedeutet nicht nur eine finanzielle Entlastung für die Allgemeinheit. Vor allem bedeutet er die Chance für einen Menschen, Verantwortung zu übernehmen und einen neuen Weg einzuschlagen", sagt Schmidt.